Notopfer Berlin - 60 Jahre Luftbrücke - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Notopfer Berlin - 60 Jahre Luftbrücke

Heft 30

- von Werner Weidemann, Templin

Mit der Niederschlagung des faschistischen Deutschlands 1945 endete die Waffen-Brüderschaft der Westalliierten mit der UdSSR. Grund hierfür war die politische Neugestaltung des besetzten Landes. US-Amerikaner, Briten und Franzosen wollten ein demokratisches und natürlich westliches Deutschland. Die Sowjetunion verfolgte eine andere Strategie: Deutschland sollte Teil eines gemeinsamen Blocks so genannter sozialistischer Staaten unter ihrer Ägide werden.

Berlin war seit dem Ende des 2.Weltkrieges eine viergeteilte Stadt und somit ein Fremd-körper innerhalb der Sowjetischen Besatzungszone. Obwohl die Stadt in Trümmern lag, entbrannte hier der Machtkampf um die Stadt, um Deutschland. Für Stalin waren es optimale Bedingungen, seinen Machtbereich auszudehnen. Naiv hatten die Amerikaner ihre 7. Armee deaktiviert und nach Hause geschickt. Lediglich 2 Kampfdivisionen standen zwischen dem sowjetischen Machtbereich und dem Atlantik. Dagegen standen in der SBZ 22 kampferprobte und in den benachbarten Satellitenstaaten weitere 60 Divisionen der Sowjetarmee.

Die Währungsreform in den Westzonen war für Stalin der äußere Anlass, die West-Berliner für seine Interessen als Geiseln zu nehmen. Der sowjetische Geheimdienst hatte Moskau natürlich detailliert über das westliche Vorhaben informiert und somit bereitete die Sowjetunion auch für ihre Zone eine Währungsreform vor, deren Einführung verzögerte sich jedoch aufgrund mangelnder Mengen von hochwertigem Banknotenpapier bei der Staatsbank der UdSSR.

Am 25.06.1948 wurden alle Verbindungen zu Westberlin geschlossen und die Energiezufuhr gekappt. Die Westalliierten verstärkten sofort ihre Truppenpräsenz in den Westzonen. Auf den Luftkorridoren schafften insgesamt mehr als 300 Flugzeuge der Amerikaner, Briten und Franzosen tagtäglich ca. 750 Tonnen Lebensmittel und Heizmaterial nach Westberlin. Aber auch Ostberliner und Brandenburger im Zonenrandgebiet schafften trotz strenger Kontrollen die begehrten Güter in die eingeschlossene Stadt.


Innerhalb der Britischen Besatzungszone gelaufener Brief vom 25.1.1949
mit einer geschnittenen Steuermarke für das Berliner Notopfer.


Um die immensen Kosten der Luftbrücke, die im wesentlichen von den Steuerzahlern in den USA und Großbritannien aufgebracht wurden, abzufedern, führte das vereinigte Wirtschaftsgebiet eine Sondersteuer Notopfer Berlin ein. Danach musste auf Post-Sendungen zum normalen Porto eine Steuermarke im Wert von 2 Pfennig geklebt werden. Ausgenommen waren Sendungen von und nach Berlin, in die SBZ/DDR und in das Ausland. Diese Bestimmung war bis Ende März 1956 gültig und brachte in nach Milliarden zählenden Auflagen insgesamt einen Erlös von 340 Millionen DM.


Ganzsachenpostkarte der Bizone (P 21) innerhalb
der BRD gelaufen mit gezähnter Notopfermarke


Ab dem 01.01.1950 war der Zuschlag auf allen Sendungen in der gesamten Bundes-Republik Pflicht. Zuvor hatte sich die Postverwaltung der französischen Zone zeitweise ausgeklinkt. Fehlte die Steuermarke, wurde die Sendung mit dem Vermerk "Steuermarke fehlt" zuruckgegeben. Sendungen mit versehentlich aufgeklebter Steuermarke in die SBZ/DDR wurden mit dem Vermerk "Steuermarke unzulässig - zurück" zurückgesandt.

Die Notopfermarken findet man im Michel-Deutschland-Spezial- und Michel-Briefe-Katalog am Ende der amerikanischen und britischen Zone, direkt vor dem Sammelgebiet "Bundesrepublik". Die Steuermarken wurden in verschiedenen Ausführungen hergestellt. Der Michel unterscheidet vier verschiedene Zeichnungen, die sich vor allem an dem Wort "Berlin" und den Buchstaben "N" und "R" von "Notopfer" unterscheiden lassen. Dazu kommen noch drei Wasserzeichen mit Variationen und zwei Druckverfahren. Die Zahl der Plattenfehler ist außerordentlich groß, jedoch aufgrund der schlichten Markengestaltung leicht zuzuordnen. Die acht Hauptnummern im Katalog sind in höchst unterschiedlichen Auflagen herausgegeben worden. Die Michelnummern sechs und acht decken 75% der Gesamtauflage ab. Die Nummern drei, vier, fünf und sieben sind in sehr geringen Auflagen gedruckt worden und von Spezialisten besonders auf Brief gesucht. Vorsicht, hochwertige Notopfermarken sollten nur geprüft erworben werden. Die Erstauflage war noch nicht perforiert und musste mit der Schere vom Bogen abgeschnitten werden. Findige Postbeamte zähnten die Bogen in Eigenregie und so finden sich bei den Notopfermarken auch so genannte Postmeisterzähnungen.

Das Sammeln der Notopfermarken ist nicht sehr beliebt und bleibt vielfach Spezialisten überlassen. Die große Zahl der Sammler meidet die Sisyphusarbeit der Zuordnung nach Wasserzeichen, Typographie und Druckart.

Am 12. Mai 1959 erschien in Berlin aus Anlass des 10. Jahrestages der Beendigung der Luftbrücke eine Sondermarke. Auch zu den nachfolgenden runden Jahrestagen gab es immer wieder Sondermarken und nicht nur in Deutschland.


Luftpostbrief vom 6.8.1959 von Bad Harzburg nach Berlin-Tempelhof frankiert mit der
25-Pfg.-Luftbrücken-Sonderbriefmarke; 20 Pfg. Briefgebühr + 5 Pfg. Luftpostzuschlag.



Dieser Post-Plus-Brief der Berliner Philatelisten ist bei Sammlern sehr begehrt.


 
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