Polizei-Kurierpost in der britischen Besatzungszone - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

Suchen
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Polizei-Kurierpost in der britischen Besatzungszone

Heft 31

- von Heinz Ihmann, Tönning

Nach dem Zusammenbruch des Post- und Bahnverkehrs ab 1945 erfolgte aufgrund eines Erlasses der britischen Militärregierung die Errichtung eines Kurierdienstes für die Beförderung wichtiger Polizei- und Militärpost.
Die wieder mühsam im Aufbau befindliche Post musste diesen Einbruch in ihren Arbeitsbereich hinnehmen, da es sich um eine eigene Nachrichtenübermittlung einer Behörde handelte und sie nur deren Interna betraf. Andere Behörden, erst recht Privat-Unternehmen oder -Personen waren davon ausgeschlossen. Es war also eine innere Angelegenheit der Polizei, praktisch durchgeführt von Polizeiorganen für Polizeibehörden. Es liegen Belege von Polizeischulen, der Kriminal- und Verkehrspolizei und der kommunalen Polizeibehörden, der Staatsanwaltschaft und der Besatzungsmacht, soweit diese Beziehungen zur Polizei unterhielt, vor.
Der Erlass erfolgte am 30. Dez. 1946, er war jedoch nicht bindend, die einbezogenen Einrichtungen konnten auch weiterhin ihre Korrespondenz mit der ordentlichen Post abwickeln.
Belege, die auf diesem Wege ihren Empfänger fanden, sind recht selten, man kann von einer fast 100%igen Inanspruchnahme des Kurierdienstes sprechen.
Neben den zur britischen Besatzungszone gehörenden Ländern Nordrhein- Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg wurden auch die US-Enklave Bremen sowie die 1949 besatzungsfrei gewordene Stadt Bonn einbezogen.
Erkennbar sind diese Kurierbriefe anhand von Stempeln und Absenderangaben, die die Dienststelle auswiesen oder handschriftlichen Vermerken. Außerdem findet man oft einen Eingangsstempel der empfangenden Behörde.
Von der Zentrale Düsseldorf hatte man zwei "Achsen" aufgebaut: West-Ost von Aachen nach Braunschweig und Nord-Süd von Kiel über Hamburg nach Kassel.


Die Verteilung der angefallenen Dienstpost erfolgte jeweils dienstags und freitags ab Düsseldorf bzw. Hannover, am Wege liegende große Orte wurden zwecks Aufnahme und Austausch angefahren. Zubringerdienste verbanden alle abseits gelegenen Polizeibehörden mit den Hauptlinien. 


Brief von der “Zentrale“ in Düsseldorf



Auf der West-Ost-Achse beförderter Brief



Vom abseits der Hauptlinie gelegenen Büren beförderte “Zubringerpost“


Ist der Beginn der Kurierpost der britischen Besatzungszone eindeutig bewiesen, so muss man über deren Beendigung anhand von erhaltenen Belegen forschen. Es gibt keine Erklärung über den Zeitraum des Bestehens bzw. des Endes durch die Behörde. Man ließ sie unauffällig auslaufen, nachdem sich die Bundesrepublik konstituiert hatte und sich immer mehr festigen konnte. Es gibt beförderte Belege noch aus dem Jahre 1954, auch vorbereitete Umschläge, die dann der Deutschen Post zur Beförderung überlassen wurden, sind bekannt. Diese interessante, von einer fremden Macht auf deutschem Boden in das Leben gerufene "Postgeschichte" dauerte somit rund acht Jahre.


Für die Kurierpost vorgesehener aber mit der Bundespost beförderter Brief


 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü