Deutsche Post in Marokko 1899 bis 1914/1919 - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Deutsche Post in Marokko 1899 bis 1914/1919

Heft 31

- von Konrad Fischer

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Marokko ein Objekt der kolonialen Expansion europäischer Mächte, insbesondere Frankreichs und Spaniens. Die Madrider Konvention gewährte 13 Staaten in Marokko Meistbegünstigungsrecht, wodurch das Eindringen von Auslandskapital erleichtert wurde. Als Frankreich nach dem Abschluss der “Entente cordiale“ im Jahre 1904 begann, im Bündnis mit Spanien Marokko seiner direkten Herrschaft zu unterwerfen, stieß es auf den Widerstand Deutschlands, das gegenüber Marokko eine Politik des friedlichen Durchdringens verfolgte. Dabei kam es 1905 und 1911 zu den bekannten Marokko-Krisen.
Als zwischen Deutschland und Marokko 1890 ein Handelsvertrag abgeschlossen wurde, bot sich die Grundlage zur Einrichtung eigener Postanstalten.



Die erste Deutsche Postanstalt wurde vor 110 Jahren am 20.12.1899 in Tanger eröffnet (war das leitende deutsches Postamt); insgesamt gab es 16 Deutsche Postanstalten in Marokko. Bis zur Eröffnung der deutschen Postanstalten beförderten Schiffe der Woermann-Atlas-Linien die Brief- und Paketpost von Marokko nach Deutschland und umgekehrt.
Die Schiffe verfügten an Bord über deutsche Briefmarken "Krone/Adler" und entwerteten diese mit Seepost-(Vorläufer)-Stempeln; ab 1899 verfügten die deutschen Postämter über eigene Marken, zunächst "Krone/Adler" mit steilem Aufdruck des Landesnamens und Marokkanischer Währungsangabe. Es folgten später die verschiedenen Germania-Ausgaben von 1900, 1905, 1909 und 1911-1919 mit verschiedenen Aufdruckformen.


Die Ganzsachen-Postkarte (P1) zu 5 Centimos für den Inlandsverkehr musste nach
Deutschland auf 10 Centimos-Auslandsgebühr auffrankiert werden. Entwertet wurde
mit einem Einkreisstempel: TANGER (Marocco) * 22.8.00 * DEUTSCHE POST


Im Postamt Tanger bestand ein außerordentlich großer Bedarf an 5-Centimos-Wertzeichen für Drucksachen, weshalb dort am 30.9.1905 eine 5-Pf.-Reichspostmarke mit einem neuen Aufdruck "Marocco/5 Centimos" in gotischer Frakturschrift ausgegeben wurde. Diese Marke wurde zur "Eintagsfliege", denn der Verkauf erfolgte nur am Ausgabetag, weil am folgenden neue Marken erschienen. Die Ursache für den großen Markenbedarf lag darin, dass im spanischen Malaga ansässige deutsche Weinfirmen ihre Angebote als Drucksachen über das Deutsche Postamt in Tanger verschickten, weil das offenbar schneller und zuverlässiger ging, als mit der spanischen Post.





Sammler-Ortsbrief vom Ersttag der neuen Marken, die bis 31.12.1905 gültig blieben.



Das 60g schwere Einschreiben kostete1 Peseta und 25 Centamos, wofür Mi-Nr. 16I
(mit oberen Bogenrand) verwendet wurde, die vorschriftsmäßig doppelt gestempelt ist.



Bedarfs-Einschreiben vom 22.4.1912 mit neuem Kreis-Segment-Stempel für Tanger


Literatur:

  • Meyers Neues Lexikon, 1974 VEB Bilbliographisches Institut Leipzig, Bd.9, S. 154 ff.

  • Friedemann/Wittmann, Die Postwertzeichen und Entwertungen der deutschen Postanstalten in den Schutzgebieten und im Ausland Band 1, 4. Auflage 1988

  • Michel-Deutschland-spezial Katalog 2007

  • Michel-Atlas zur Deutschland-Philatelie 1995








 
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