Das Jüdische Leben in Schwedt - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Das Jüdische Leben in Schwedt

Heft 32

- nach einem Bericht von Anke Grodon, Leiterin des Stadtmuseums

Die neuere Geschichte der Juden in Preußen begann 1671, als der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm (1620-1688) per Edikt den Juden das Niederlassungsrecht gewährte und fünfzig wohlhabende jüdische Familien aufnahm, die aus Wien vertrieben worden waren. Sie sollten zusammen mit den französischen Hugenotten die vom Dreißig-jährigen Krieg entvölkerten Landstriche besiedelten. Es war mithin nicht so sehr der Geist religiöser Duldsamkeit, der Brandenburg-Preußen zum Asyl von Flüchtlingen machte, sondern handfeste Interessen bestimmten diese Einwanderungspolitik. Der Kurfürst sah die Juden in erster Linie als Kaufleute, Händler und Geldverleiher und erhoffte sich von ihnen, dass sie nicht nur loyale Untertanen sein, sondern auch die notwendigen Gelder mitbringen würden, um den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes anzukurbeln.
Trotz seiner ihm nachgesagten aufklärerischen Haltung machte Friedrich Wilhelm deutliche Unterschiede bei der Aufnahme der verschiedenen Volksgruppen. Während er Niederländer, Hugenotten und andere protestantische Zuwanderer ohne bestimmte und einschränkende Auflagen willkommen hieß, mussten jüdischen Familien, denen er Zuzug gewährte, ein Mindestvermögen von 10.000 Taler nachweisen. Gleichzeitig wurde zuwandernden Juden ausdrücklich die Errichtung einer Synagoge verboten. In Privathäusern dagegen waren ihnen Gebet und Zeremonie gestattet mit der Mahnung, "sich alles Lästerns und Blasphemierens bei harter Strafe zu enthalten."
Seine Nachfolger, der Soldatenkönig und Friedrich der Große haben sich nicht viel anders verhalten. Auch sie orientierten ihre Judenpolitik nicht an der Toleranzidee und dem Prinzip der christlichen Nächstenliebe, sondern an den steuer- und wirtschafts-politischen Notwendigkeiten des Staates. Sicher ist jedoch, dass es seit dem Edikt von 1671 eine jüdischen Minderheit in Brandenburg/Preußen und mehrerer jüdischer Gemeinden gab.
Der erste nachweislich in Schwedt lebende Jude war der Schutzjude Bendix Levi, der 1672 von Oderberg nach Schwedt zog und sich hier ein Haus baute. Er erhielt die Erlaubnis für Handel und Wandel, dem er frei von Zöllen nachgehen konnte. 1692 lebten sieben vergleitete Juden mit einem Schutzbrief in Schwedt und 1800 zählte man 13 jüdische Familien mit 58 Familienmitgliedern. 1814 erhöhte sich die Zahl auf 37 Juden mit Staatsbürgerbrief und 97 weitere (28 Männer, 34 Frauen, 35 Kinder). Im 19. Jahrhundert lebten 200 Menschen jüdischen Glaubens in der Stadt, 1933 noch 135.
Die erste Synagoge der jüdischen Gemeinde Schwedt befand sich in der Jüdenstraße. Es war ein Wohnhaus, das für diesen Zweck von der Gemeinde um 1790 aus- und umgebaut wurde. 1818 wurde neben der Synagoge ein Schulhauses für die jüdische Knabenschule und die Wohnung des Kantors gebaut.
1855 gab sich die Gemeinde ein neues Statut sowie eine neue Synagogen- und Friedhofsordnung, die auch für Heinersdorf, Passow und Vierraden galten. 1862 plante die Gemeinde einen Synagogenneubau in der Harlanstraße. Mit dem Bau wurde Maurermeister Michaelis beauftragt. Dafür verwendete man Details aus den Bauplänen der Synagoge von Landshut in Schlesien. Die feierliche Eröffnung der neuen Synagoge fand am 18. September 1862 statt. Michaelis brach die alte Synagoge ab und erhielt für seine Arbeit die Ziegelsteine als Lohn. 1873 erhielt die Synagoge Gasbeleuchtung. Nach dem Pogrom wurde das Gebäude abgerissen. Die 1896 von Maurermeister Pape errichtete Grundwasser-Mikwe, die sich auf dem gleichen Grundstück befand, blieb verschont.
Die Jüdenstraße wurde 1935 in Graf-Hohenstein-Straße umbenannt. Nach dem 2. Weltkrieg erfolgte erneut eine Umbenennung in Mittelstraße und seit 1992 heißt sie wieder Jüdenstraße.

Das jüdische Badehaus in Schwedt

Das erste komplexe Badeensemble der jüdischen Gemeinde Schwedts befand sich in der Jüdenstraße und bestand laut Statut aus dem Waschhaus, dem Badehaus, der Synagoge und dem Kirchhof. Als Synagoge diente seit dem 15. Januar 1790 das ehe-malige Haus des Kammerdieners Gottlob Samuel Scheidenrecht. Da es baufällig war, sah sich die Gemeinde nach einem geeigneten für sie bezahlbaren Grundstück für den Aufbau eines neuen Synagogenzentrums um. Sie erwarb 1861 von Kammmacher Trott ein Gartengrundstück vor dem Berliner Tor. Das Grundstück liegt im Osten an der Stadtmauer (Harlanstraße) und im Westen an der Gartenstraße.
Am 4. Juli 1862 genehmigte die Königliche Regierung den Bau unter der Auflage, das Grundstück mit einer 9 Fuß hohen, nicht durch weitere Öffnungen strukturierten Mauer zu umschließen. Im Zuge dieser Einfassung forderte die Regierung auch die Erhöhung der Stadtmauer um 3 Fuß und damit die Anpassung an die Höhe der Umfassungs-mauer. Diese wurde 1862 durch Maurermeister Michaelis errichtet. Außerdem bewilligte der Magistrat einen Durchbruch durch die Stadtmauer für ein Eingangsportal.
Die Gemeinde erteilte dem Baumeister Gottlieb Michaelis (1822–1890), der selbst Mitglied der jüdischen Gemeinde war, den Auftrag zum Bau der neuen Synagoge. Am 9. Juli 1862 fand die feierliche Grundsteinlegung statt. Die Finanzierung erfolgte aus gesammelten Mitteln der Gemeindeglieder (4.074,26 Thaler).

Modell des jüdischen Gemeindezentrums


Für den Neubau eines massiven Badehauses sind zwei Pläne von Maurermeister R. Pape überliefert. Der erste Plan lässt sich auf Ende Juni, Anfang Juli 1869, zwischen dem Umbauplan und dem realisierten Neubauprojekt, datieren. Jedoch kam erst der zweite Plan in Form eines mittelalterlichen Schachtbades zur Ausführung. Am 1. August 1869 schloss die Gemeinde einen Vertrag mit Pape über den Neubau eines Badehauses mit zwei eisernen Saug- und Hochdruckpumpen sowie eines Stalls für Brennmaterial ab. Das Kostenangebot betrug 895,16 Reichstaler. Die ursprünglich geplante Bauzeit von sechs Wochen konnte nicht eingehalten werden, sondern dauerte zwei Jahre, von 1869 bis 1871. In der Bauausführung erfolgte im Vergleich zur Planzeichnung eine Spiegelung des Kuppelbaus mit Bassin um die Ost-West-Achse, vermutlich wegen der besseren Begehbarkeit oder weil an dieser Stelle bessere Wasserverhältnisse vorlagen. Im April 1872 war die Mikwe benutzungsfähig.
Die Gemeinde legte die Benutzungsgebühr fest und betraute den Synagogendiener Pahnke mit der Heizung und Reinigung des Komplexes.
Es ist ein rechteckiges, verputztes Gebäude mit mehreren unterschiedlichen Teilen. Zwei axial-symmetrische angelegte Seitenrisalite fassen ein mit einem flachgeneigten Pultdach versehenes Mittelelement ein. Die türrahmenden Ädikulas sind aus Pilastern und Pfeilern aufgebaut. Sie werden bekrönt von Dreiecksgiebeln mit Stuckverzierung. Asymmetrisch vor dem Gebäude steht eine unverputzte Backsteinkuppel, die einen Rundbau mit Tauchbecken überspannt. Der Schacht wird durch eine verglaste Laterne belichtet und belüftet. Die Laterne ist erhalten. Sie war früher verglast und die kleinen Fenster konnten durch Scharniere geöffnet werden.
Hinter der linken, nördlichen Tür führt ein Schacht mit einer zehnstufigen Treppe zwei Meter unter das Straßenniveau. Nach rechts spannt sich ein 2,22 x 3,24 m großer Raum auf, der als Garderobe bezeichnet wurde. Dem schließt sich ein zweiter, fast quadratischer Raum mit den Abmaßen 3,16 x 3,24 m an, der mit einer Badewanne versehen war. Im südlichen Seitenrisalit befand sich der Heizkessel zur Erwärmung des Wassers für die Badewanne. Beide Räume wurden mit preußischen Kappen gedeckt und durch kleine Rechteckfenster belichtet.

Der Originalbauplan des Maurermeisters R. Pape


Vom Baderaum führen 8 Stufen zum Tauchbecken, das sich unterhalb eines aus Backsteinen gemauerten Rundbaus befindet. Dieser wird durch eine gemauerte Kuppel bekrönt und eine Laterne belichtet. Die Gesamthöhe des Schachtes beträgt ca. 6 m, der Durchmesser 2,50 m. Ausgehend von den ins Tauchbecken führenden Stufen weitet es sich zu einem Oval von 0,90 m Breite und 2,00 m Länge auf und ermöglicht so, bequem das rituell geforderte Untertauchen in 8° warmes Grundwasser
Das 90 cm über dem Meeresspiegel befindliches Tauchbecken hat ein Fassungs-vermögen von 800 Litern. Die alte Wasseranlage bestand aus einem verfüllten Brunnen mit einem Pumpensystem, das den Wasseraustausch unterstützte. Der Boden des Bassins liegt 4,65 m unter dem Straßenniveau.
Die Ziegelsteine der Rundkuppel des Schachtbades entsprechen nicht der Entstehungs-zeit des Bades. Bereits 1876 wurden die ersten Reparaturen an der Kuppel ausgeführt. Das belegt ein mit der Jahreszahl 1876 versehener Ziegelstein. Weitere Reparaturen, die von Maurermeister Wildt ausgeführt wurden, sind für 1878 archivarisch belegt.
Die Mikwe gehörte neben der Synagoge zu einem wichtigen Bestandteil des neu geschaffenen jüdischen Gemeindezentrums. Bereits beim Kauf des Grundstückes durch die jüdische Gemeinde stand ein beheizbarer Gartenpavillon auf dem Gartenareal, der als Wohnhaus des Synagogendieners genutzt wurde und nach An- und Umbauten als “Tempeldienerhaus“ erhalten ist. Der Pavillon, der inmitten einer Maulbeerplantage vor den Toren der Stadt lag, entstand 1733 als eingeschossiges, unterkellertes barockes Gebäude, das auf einem hohen Feldstein-Ziegel-Sockel mit rechteckigem Grundriss gegründet war. Die Pfeilergründung verweist dabei auf einen schlechten Baugrund. Vermutlich handelt es sich um das älteste erhaltene Gebäude der Stadt. Außerdem ist das Objekt ein Beleg für die periphere Erweiterung über die Stadtmauer hinaus, die bereits seit dem 18. Jahrhundert keine Verteidigungsfunktion mehr besaß, da Bürger ihre Gärten davor anlegten. Zwischen 1870 und 1880 wurde der Pavillon erweitert. Der Anbau ruht auf Feldsteinbanketten mit Holzfußboden, der direkt auf dem Erdreich aufliegt. Die Fachwerkgründung entspricht dem Duktus des 19. Jahrhunderts. Ein Kehlbalkendach schließt das Gebäude ab. Die ein- und zweifach verriegelte Fachwerk-konstruktion des gesamten Gebäudes besitzt eine Ziegelausfachung. Zwei Holzfenster mit Fensterläden gliedern die gartenseitige Längsfront. Die erste Türöffnung wird zwischen den Fenstern vermutet. Sie wurde durch das Einsetzen eines Querbalkens und der anschließenden Ziegelausfachung verschlossen. In einer dritten Bauphase um 1900 wurden das Tempeldienerhaus, die Stadtmauer und die Mikwe durch eine Überdachung miteinander verknüpft.
Am 9. November 1938 wurde die Synagoge geplündert, aber aus Angst vor dem Übergreifen von Feuer nicht gebrandschatzt. Erst später erfolgte der Abbruch des Gebäudes und der Umfassungsmauer. Der Badehauskomplex mit dem Gartenpavillon, dem Tempeldienerhaus, überstanden den Nationalsozialismus unbeschadet.

Der jüdische Friedhof

Bereits im 17. Jahrhunderts wurde im Norden der Stadt ein jüdischer Friedhof angelegt, auf dem auch die in Angermünde verstorbenen Juden beigesetzt wurden, weil dort erst 1709 ein eigener Friedhof entstand. Der die Zeit des Nationalsozialismus fast unbeschädigt überstandene Friedhof hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von 20 Metern und eine Ost-West-Ausdehnung von 30 Metern. Auf ihm befinden sich 121 Grabstellen. Die Grabsteine sind in Ost-West-Richtung positioniert. Die Seite, die nach Osten zeigt, trägt eine hebräische, auf der nach Westen gewandten Rückseite ist eine deutsche Inschrift.
1845 ließ sich die Gemeinde einen Leichenwagen in Königsberg/Nm. bauen. Davon existieren die Planzeichnungen. Dieser Wagen wurde in einer Scheune vor dem Vierradener Tor untergestellt. Den Tod von Isidor Meyer 1861, einem bedeutenden Mitglied der jüdischen Gemeinde, nahm diese zum Anlass, die Friedhofsanlage zu modernisieren. Mit einer speziellen Kollekte und 100 Talern, die der städtische Magistrat beisteuerte, kaufte die Gemeinde Land, erhöhte die Umfassungsmauer aus Feldsteinen, ließ einen Brunnen bohren und von Maurermeister Michaelis ein Leichenhaus mit Wohnung und Leichenschauer bauen. Für die Pflege schloss die Gemeinde einen Vertrag mit Heinrich Noë ab, der bis 1894 im Leichenhaus wohnte.
Die im April 1880 angedachte Erweiterung des Friedhofs scheiterte, da die Bahnlinie von Angermünde nach Schwedt gebaut wurde, die an den Friedhof grenzt.
1938 wurde der Friedhof geschändet und anschließend von der Gemeinde an die Stadt verkauft. Der 1942 verstorbene Hugo Meinhardt war der letzte, der hier bestattet wurde.
1950/51 erfolgte die Rückübertragung des Friedhofes an den Landesverband jüdischer Gemeinden in der DDR. 1978 dokumentierte Herr Eichler als erster den Friedhof durch Abschriften und Fotonachweise. Darauf baute eine ABM-Maßnahme von 2003 auf. 2008 nahm die Universität Potsdam erneut die Grabsteine, die Inschriften und den Lageplan auf, um diese Fakten zusammen mit der aus den Archiven recherchierten Geschichte ins Internet zu stellen.

Heutiger Umgang mit der jüdischen Geschichte von Schwedt

1950 gab die Stadt das Synagogengelände und den jüdischen Friedhof an den Landesverband jüdischer Gemeinden in der DDR zurück. 1978 erfolgte eine erste Dokumentation mit Abschriften und Fotonachweis des Friedhofes durch Herrn Eichler. Das Tempeldienerhaus war bis in die 60er Jahre die Wohn- und Arbeitsstätte des Schusters Öhmke, der seinen Kaminruß im Badehauskomplex entsorgt hatte. 1988, anlässlich des 50. Jahrestages der Pogromnacht, fasste das ehemalige Schwedter Kreissekretariat des Kulturbundes den Beschluss, das Badehaus zu beräumen. Unter der Leitung von Kristian Humbsch arbeiteten zahlreiche Helfer gemeinsam an diesem Projekt: Jugendliche der Oberschule “Käte Duncker“ mit ihrer Geschichtslehrerin Hanka Dülsen, Hans Hurtienne, Pfarrer der französisch-reformierten Gemeinde, Franz Döring und Wolfgang Mamat als Kreissekretäre der CDU und der LDPD, Werktätige aus dem Petrolchemischen Kombinat, Mitarbeiter des Pionierhauses “Ernst Schneller“ und des Museums. Die Arbeiten begannen am 11. Mai und waren im Juni 1988 abgeschlossen. Neben Kohlestaub, der im Baderaum bis zu 2 Meter hoch lag, wurden einer alte Tasse, ein angeschlagener Teller, ein kleines Stück Bleiverglasung eines rautenförmigen braunen Fensters und Putzreste im Tauchbecken geborgen.
Am 7. November 1988 ehrte die im April neu gegründete Gesellschaft für Denkmal-pflege im Rahmen einer Auszeichnungsveranstaltung die Aktiven mit einer weiß mattierten Keramikmedaille, die den Kuppelbau des Bades zeigt. Den Entwurf für die in limitierter Auflage von 60 Stück hergestellte Medaille stammt von Siegfried Mehl. Am 10. November 1988 enthüllte Oberbürgermeister Detlef Klose an der Stadtmauer neben dem ehemaligen Portal der Synagoge eine Gedenktafel zum 50. Jahrestag des Pogroms, die der Schwedter Künstler Axel Schulz aus schwarzem Marmor mit goldener Schrift geschaffen hat. Seitdem gedenken hier Schwedter Bürger alljährlich mit Kerzen und Blumen den Opfern des Holocausts.
Der ehemaligen Stadtarchitekten Eckehard Tattermusch, der Teile das Grundstückes jahrelang als Kleingarten nutzte, unternahm in den 80er Jahren erste konservatorische und restaurierende Maßnahmen. So beauftragte er einen ortsansässigen Schmied mit der Neuanfertigung der bei einem Sturm zerstörten gusseisernen Laterne, die den Kuppelbau krönte. Aus Materialmangel wurde dafür ein alter, kupferner Badeofen verwendet. Außerdem wurde eine Badewanne im Anbau (Waschhaus) sichergestellt, die der Schuster Öhmke als Hausbadewanne nutzte und die eventuell das Original aus der Mikwe sein kann. 2005 brach Tattermusch einen Schuppenanbau des Dachdeckers Wendt auf der Rückseite des Tempeldienerhauses ab. Dieser Bereich war bis zu diesem Zeitpunkt versiegelt und bot für die nun folgenden archäologischen Untersuchungen ein unberührtes Untersuchungsfeld.
Seit dem 2. September 2005 besitzt die Stadt Schwedt das Grundstück und die darauf befindlichen Gebäude. Das Tempeldienerhaus wurde am 3. April 2006 als Erweiterung des bereits eingetragenen Ritualbades in die Denkmalliste des Landes Brandenburg aufgenommen. Auf der 23. Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 28. Juni 2007 wurde der Beschluss gefasst, das jüdische Ritualbad umfassend und denkmalgerecht zu rekonstruieren. Im Juni 2008 erfolgte die Auftragserteilung und am 28. Juli begannen die Baumaßnahmen. Im vierteljährlichen Sachstandsbericht vom 15. Sept. 2008 wurde vermerkt, dass die archäologische Untersuchung des Komplexes durch Christiane Thiel abgeschlossen ist. Bei der Freilegung im ursprünglichen Gartenpavillon trat eine barocke Holzdecke zu Tage, die mit Zeitungen aus der Wilhelminischen Zeit kaschiert war. Bei der Untersuchung der Wände wurden Farbproben und Bemalungen freigelegt. Im Zuge der Rekonstruktion erfolgte die farbliche Gestaltung der beiden Räume analog der historischen Bauphasen. Der barocke Gartenpavillon erhält eine rosafarbige Wand, eine flaschengrüne Decke und die Farbgebung der Dielung ist in Dunkelgrau gehalten. Der Anbau aus dem 19. Jahrhundert wird von einer blauen Wandfarbigkeit bestimmt. Die hellgraue Decke überschneidet umlaufend den Wandfonds um 15 cm. Diesen Bereich strukturieren horizontal verlaufende Begleitstriche in Dunkelrot und Grau. Für die Farbbestimmung des abschließenden Sockelbereiches wurden noch einmal Proben entnommen. Der Sockelbereich des Pavillons wurde erst später durch einen Wand-durchbruch mit Treppe als Kellerbereich erschlossen.
Interessant ist auch, dass die Baugründung des Badehauses aus Feldsteinen mit einer vorgelagerten Ziegelmauer erfolgte. Das entsprach nicht der Forderung der Bauaufsicht, die eine doppelte Ziegelmauer gefordert hatte. Mit diesem Trick senkte die Gemeinde die Baukosten. Der Toilettenanbau und die Verbindung zwischen der Mikwe und dem erweiterten Gartenpavillon wurden im Zuge der aktuellen Baumaßnahme abgebrochen und durch Neubauten ersetzt. Entsprechend den Auflagen durch die Bauaufsicht musste das linke Fenster im Baukörper des Badehauses zu einer Tür vergrößert und mit einer Fluchttreppe versehen werden.
Der Schwedter Briefmarken-Sammlerverein e.V. widmete der rekonstruierten Mikwe, dem jüdischen Ritualbad einen Sonderstempel. Dieser sollte zu einer am 14. und 15. November geplanten Briefmarken-Ausstellung mit einem motivgleichen Umschlag erscheinen, die aufgrund des Brandes im Freizeittreff “Kosmonaut“ leider ausfallen musste. Die Leiterin des Museums, Frau Anke Grodon, bot uns dankenswerterweise an, unsere Souvenirs im Tempeldienerhaus anbieten zu können und ermöglichte an beiden Tagen die Besichtigung der gesamten Anlage des historischen Bades.


 
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