Pommern - Das Land am Meer - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Pommern - Das Land am Meer

Heft 32

- von Wolfgang Ehrhardt

Bis zur Zeit der Völkerwanderung war das Land germanisch besiedelt, bevor sich im 7. Jahrhundert hier der slawische Stamm der Pomoranen, was soviel wie "Menschen vom Meer" bedeutet, niederließ. Seit dem 10. Jahrhundert gerieten die Pomoranen in den Einflussbereich ihrer christlichen Nachbarn, den Dänen im Norden, dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation im Westen, und den polnischen Piasten im Südosten. Unter den Sachsenkaisern und ihren märkischen Markgrafen begann 918 die Christianisierung der slawischen Bevölkerung und die polnischen Piasten unterwarfen um 979 Pommern zwischen den Mündungsgebieten von Oder und Weichsel. Die Pomoranen widersetzten sich dem in einem großen Aufstand und zwangen 1005 den in Kolberg von Boleslaw I. “dem Tapferen“ eingesetzten Bischof zur Flucht und erlangten ihre Unabhängigkeit zurück. Doch 1040 griffen die Piasten erneut an und erst ein vom römisch-deutschen Kaiser Heinrich III. vermitteltes Treffen des Polenherzogs Kasimir mit Siemomysl, dem Fürsten der Pomoranen, 1042 in Meißen führte dazu, dass Pommern gegen die Zahlung eines jährlichen Tributs de facto unabhängig blieb. Aber immer wieder versuchte Polen, die Herrschaft über Pommern zu erlangen. So nahm Wladyslaw I. Herman 1091 für kurze Zeit Stettin ein und nach drei Feldzügen in den Jahren 1116, 1119 und 1121 unterwarf Boleslaw III. Schiefmund Pommern für 43 Jahre. Zur Festigung seiner Macht holte er deutsche Siedler und Mönche ins Land und ließ die Bevölkerung christianisieren. Als polnischen Vasall in Stettin setzte er Wartislaw I. aus der pomoranischen Greifen-Dynastie als Herzog ein.

Pommern unter den Greifen

Wartislaw I. erstrebte jedoch ein von Polen unabhängiges Herzogtum und suchte die Nähe zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, was schließlich dazu führte, dass 1164 der Sachse Heinrich der Löwe Lehnsherr Pommerns wurde und Kaiser Friedrich I. Barbarossa 1181 Herzog Bogislaw I. aus dem Hause der Greifen in den Rang eines deutschen Reichsfürsten erhob. 1185 wurde Pommern von Dänemark besetzt und Bogislaw I. musste den Dänischen König Knud VI. als obersten Lehnsherren anerkennen, bevor es 1227 nach der Schlacht bei Bornhöved an das römisch-deutsche Reich zurückfiel. Nur Rügen, das die Dänen sich schon 1168 botmäßig gemacht und christianisiert hatten, blieb unter dem ranischen Fürsten-Geschlecht bis zu dessen Aussterben im Jahre 1325 dem dänischen König tributpflichtig.
Die Herzöge aus dem slawischen Haus der Greifen holten im 12. und 13. Jahrhundert immer mehr deutsche Siedler ins Land, um die Einwohnerzahl und damit ihre Steuereinnahmen zu erhöhen. In dieser Zeit wurden Klöster angelegt (1173 Kolbatz, 1180 Belbuck, 1199 Hilda/Eldene) und es entstanden zahlreiche neue Städte wie Stralsund (1234), Stettin (1243), Stargard (1243), Greifswald (1250), Kolberg (1255), Wolgast (1259) und Greifenberg (1262) nach deutschem (Lübischen/Lübecker oder Magdeburger) Recht.
Damit wurde Pommern allmählich ein Teil des niederdeutschen Sprachraumes. Ortsnamen slawischen Ursprungs blieben dabei erhalten und wandelten sich oft nur geringfügig ab, wie zum Beispiel aus dem slawischen "Pozdewolk" das deutsche "Pasewalk" wurde und die slawische Bevölkerung war in dieser Entwicklung ein-bezogen und vermischte sich im Laufe der Zeit mit der deutschen.
1295 erfolgte eine Teilung des Herrschaftsgebietes der Greifen in die Fürstentümer Stettin (binnenländischer Teil beiderseits der Oder und südlich des Stettiner Haffs) und Wolgast (Küstengebiete, in Vorpommern nördlich der Peene einschließlich Demmin und Anklam). Letzteres wurde bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts noch mehrfach weiter geteilt, übernahm aber nach dem Aussterben der Rügenfürsten 1325 das Fürstentum Rügen (Insel Rügen plus gegenüber liegendes Festland mit den Städten Stralsund, Barth, Damgarten, Tribsees, Grimmen und Loitz).
Nach dem Ende der dänischen Lehenshoheit erhob die Markgrafschaft Brandenburg der Askanier Ansprüche auf die Lehnshoheit über Pommern. Diese Ansprüche wurden von Kaiser Friedrich II. unterstützt. Die Folge waren ein Krieg zwischen den Herzögen von Pommern (Pommern war zu dieser Zeit meist geteilt) und dem Markgrafen von Brandenburg. Unter Bamim III. von Stettin wurde Pommern 1348, dank guter Beziehungen zu Karl lV., reichsunmittelbares Herzogtum. Im Jahr 1529 akzeptierte Brandenburg die Reichsunmittelbarkeit Pommerns mit dem verbrieften Recht der Erbfolge im Falle des Aussterbens des Greifengeschlechtes.
Viele der pommerschen Städte gehörten zur Hanse. 1456 wurde in Greifswald durch Herzog Wartislaw IX. eine Universität gegründet.
Unter Herzog Bogislaw X., dem bedeutendste Herzog des Greifengeschlechtes (regierte 1474-1523), wurde Pommern 1478 vereint. Aber seine Nachfolger teilten das Land wieder mit neuer Teilungslinie entlang der Oder und Randow in das westliche Herzogtum Pommern-Wolgast und das östliche Pommern-Stettin.
Ab 1534 hielt auch in Pommern die Reformation Einzug. Der pommersche Pfarrer Johannes Bugenhagen aus Treptow an der Rega wurde als "Doctor Pomeranus" neben Luther und Melanchton einer der bekanntesten Reformatoren. 1536 ließ sich Herzog Philipp I. von Wolgast bei seiner Hochzeit mit Maria von Sachsen-Wittenberg in Torgau von Martin Luther trauen. Durch die Einziehung der umfangreichen kirchlichen Ländereien erweiterten die Herzöge ihre Machtposition im Land.
Unter Bogislaw XIV. wurde Pommern 1625 nochmals vereint. Die Neutralität Pommerns im Dreißigjährigen Krieg nützte dem Land nicht viel. Pommern wurde wechselseitig von den kaiserlichen Truppen unter Wallenstein und den Schweden unter Gustav II. Adolf geplündert. Nachdem Wallenstein trotz Zusage des Kaisers Ferdinand II. Pommern besetzte, schloss sich 1628 Stralsund und 1630 (nicht ganz freiwillig) ganz Pommern den Schweden an. Nach dem Tod Bogislaws XIV., der im Jahr 1637 kinderlos starb, hätte das Land an Brandenburg fallen müssen, aber die Schweden hielten das Land weiter besetzt.

Preußische und Schwedische Herrschaft

Durch den westfälischen Frieden kam Hinterpommern an Brandenburg und Vorderpommern wurde schwedisch. Pommern verlor im Dreißigjährigen Krieg fast zwei Drittel der Bevölkerung. Das Land war geteilt und lag wirtschaftlich danieder.
Brandenburg und später das Königreich Preußen verzichteten nie auf die Ansprüche auf das gesamte Pommern. Nach Ende des Großen Nordischen Krieges (1700-1721) kam Vorpommern südlich der Peene zum Königreich Preußen.
Während des Sieben jährigen Krieges (1756-63) kam es erneut zu Kampfhandlungen zwischen Schweden und Preußen. Pommern wurde teilweise durch russische Truppen besetzt, die Festung Kolberg wurde mehrmals belagert. Während der napoleonischen Kriege wurde Pommern in Mitleidenschaft gezogen. 1807 wurde wiederum Kolberg erfolglos belagert und Vorpommern durch Frankreich besetzt. Nach der Befreiung Deutschlands 1815 wurde auch der nördliche Teil Vorpommerns wieder preußisch.

Gegenwart:

Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Pommern durch die Sowjetarmee erobert und dann geteilt. Durch das Potsdamer Abkommen wurde im August 1945 das Gebiet Pommerns östlich der Oder und der Swine der Verwaltung Polens unterstellt.
Entgegen den Vereinbarungen wurden aber im Herbst 1945 auf polnischen Wunsch auch Swinemünde und Stettin einschließlich des Vorlandes unter polnische Verwaltung gestellt. Die Bevölkerung Hinterpommerns wurde aus ihrer Heimat vertrieben.
Nach der Gebietsreform von 1952 wurde der deutsche Teil Pommerns an die Bezirke Rostock und Neubrandenburg verteilt.
Mit dem Ende der DDR und ihrem Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland entstand 1990 ein Bundesland mit dem Namen Mecklenburg-Vorpommern. Innerhalb dieses Landes wurden anlässlich der Kreisreform in den 1990er Jahren unter anderem die Landkreise Nordvorpommern und Ostvorpommern gebildet, so dass der alte Name "Pommern" nunmehr auch auf kommunaler Ebene weiter besteht.
1990 erfolgte durch die Bundesrepublik Deutschland die endgültige vertragliche Anerkennung der deutsch-polnischen Oder-Neiße-Grenze, und damit auch der Zugehörigkeit Hinterpommerns zur Republik Polen.

Transitbrief vom 19. Februar 1831 aus Stettin, der “Hauptstadt“ Pommerns nach Bordeaux in Frankreich


Zu dieser Zeit gab es noch keine Eisenbahn und der Brief musste den weiten Weg aus dem 4. Reichspost-Rayon (Rayonstempel) mit der Postkutsche befördert werden, die auf der erst 1828 fertiggestellten Berlin-Stettiner-Chaussee auch durch Schwedt führte, bei Forbach (Grenzübergangsstempel) auf die von Napoleon veranlasste “Kaiserstraße“ in Frankreich traf und schließlich nach ~240 Meilen (1.800 Kilometer) sein Ziel erreichte. Es handelt sich um einen Portobrief, für den der Empfänger die Gebühr zahlen musste.


 
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