Die polnische Post ehrte den Bildschnitzer Veit Stoß - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

Suchen
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Die polnische Post ehrte den Bildschnitzer Veit Stoß

Heft 32

- von MR Dr. Marlene und Dr. Joachim Bohm

Am 15. Juni 1933 verausgabte die polnische Post drei Bildpostkarten zum 400. Todestag von Veit Stoß, der in Polen Wit Stwosz genannt wird. Wer war dieser Veit Stoß und warum verausgabte gerade die polnische Post zu seinen Ehren Bildpostkarten?

Neben Tilmann Riemenschneider ist Veit Stoß der bedeutendste Bildschnitzer der Spätgotik im deutschsprachigem Raum. Über die ersten Lebensjahre des Veit Stoß wissen wir wenig. Sein genaues Geburtsjahr ist unbekannt und sein Geburtsort war lange umstritten. Nach zeitgenössischen Angaben soll er fünfundneunzig Jahre alt geworden sein. Bei neuesten polnischen Forschungen wurde in einem Krakauer Archiv eine Urkunde aus dem Jahre 1502 gefunden, in der ein "Veit, Bildhauer aus Horb" genannt wird. Deshalb nimmt man heute an, dass er um 1447/48 im württembergischen Horb geboren wurde. Eine erste urkundliche Erwähnung findet sich im Jahre 1477, in der Veit Stoß seine Bürgerrechte in Nürnberg aufgibt, um nach Krakau zu gehen. In Krakau entstand zwischen 1477 und 1489 sein erstes großes Werk, der Marienaltar. Geschaffen wurde dieser Hochaltar für die Pfarrkirche Sankt Marien am großen Marktplatz in Krakau. Der Marienaltar ist das Hauptwerk des Veit Stoß. Ungewöhnlich für die damalige Zeit sind die Ausmaße des Altars mit einer Höhe von sechzehn und einer Breite von elf Metern. Die Figuren im Mittelschrein sind 2,80 Meter hoch.
In Krakau wurde Veit Stoß hoch geehrt. Im Jahr 1496 erwarb er erneut die Nürnberger Bürgerrechte und wurde hier im Jahr 1503 als Fälscher eines Schuldscheines verhaftet und gebrandmarkt. Er starb am 22. September 1533 in Nürnberg. Veit Stoß war Bürger der Städte Nürnberg und Krakau. Wie aus Urkunden bekannt ist, wechselt auch die Schreibweise seines Namen häufig.
Soweit ein sehr kurzer Überblick zum Lebensweg des Veit Stoß. Doch zurück zu den Bildpostkarten der polnischen Post. Es sind Karten mit eingedrucktem Wertzeichen und links mit Darstellungen von Ausschnitten des Marienaltars.

Die erste Karte zu 20Gr. zeigt im braunen Wertzeicheneindruck das Meisterzeichen des Veit Stoß
und Teile des Schnitzwerkes des Marienaltars und den Namen des Meisters. In der linken Seite der 
Postkarte ist der Kopf eines Schriftgelehrten dargestellt


Zu dieser Serie gehören noch zwei weitere Karten: Eine Karte zu 30 Gr. mit blauen und die Karte zu 35 Gr. mit roten Wertzeicheneindruck.

Im Jahre 1934 erfolgte in Polen eine Portoherabsetzung für die Inlandspost. Da noch nicht alle Karten aufgebraucht waren, erhielten sie einen Aufdruck der neuen Wertes von “15 gr.“ und kamen am 1. Oktober 1934 als Aushilfsausgaben an die Postschalter.


Bei der 20 Gr-Karte mit dem braunen Wertzeichen wurde der Werteindruck nur mit einem Quadrat, die rote 35 Gr-Karte mit zwei Quadraten neben der neuen Wertangabe von 15 gr. geschwärzt. Beide Karten zeigen im Zudruck auf der linken Seite das Relief "Drei Frauen am Grabe".


Die Bildpostkarte zu “30 Gr" -Farbe blau- wurde mit zwei Aufdrucken in verschiedenen Ausführungen (Größe von Rechteck und Quadrat) an die Schalter gebracht. Der Wertzeichen zeigt das Meisterzeichen und die Jahreszahlen “1533 und 1933".


Bei Postkarten für das Ausland wurde eine Zusatzgebühr von 15 Gr. erhoben.
Alle drei Bildpostkarten erschienen in einer Serie mit 32 verschiedenen Reliefs des Marienaltars.













Mit einer sehr interessanten Karte wollen wir unseren Bericht über die Veit Stoß-Ehrung der polnischen Post abschließen:


Es ist die Karte zu 35 Gr., bei der die beiden oberen Ecken mit einem Quadrat geschwärzt sind und die als Zudruck den Kopf des gekreuzigten Jesus, einem Detail vom geschlossenen Innenflügel des Krakauer Altar, zeigt.

Interessant wird diese Karte durch ihre Stempel und ihre handschriftlichen Datumsangaben. Abgestempelt wurde sie am 11.12.1934 um 15 Uhr in LNIANO. dann sind da noch ein Datumsstempel und ein Kastenstempel mit handschriftlichen Vermerken. Über die verschiedenen Daten kann nur spekuliert werden! Aber mit Hilfe unserer polnischen Sammlerfreunde konnte ich das Rätsel des Kastenstempels lösen: Mit ihm wird bescheinigt, dass am 15. Januar 1935 das Porto für die Karte entrichtet wurde. Warum das aber erst am 15.1.1935 geschah, wo doch die Karte schon am 11.12.1934 abgestempelt wurde, bleibt trotzdem ein nicht gelöstes Rätsel.
Interessant ist weiter, das die amtlichen Bildpostkarten der polnischen Post zweisprachig verausgabt wurden: neben polnisch auch französisch, der Sprache des Weltpostvereins.

Literatur kann beim Verfasser angefordert werden.


 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü