Friedrich von Schiller-Ehrung 2009 - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

Suchen
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Friedrich von Schiller-Ehrung 2009

Heft 32

- von Eberhard Büttner

Vor 250 Jahren - am 10.11.1759 - wurde Friedrich von Schiller geboren. Als einer der größten deutschen Dichter findet er noch heute weltweit Anerkennung und Würdigung. Uns Sammlern begegnet er in mannigfacher philatelistischer Gestalt – so auf Marken, Blocks, Stempeln, Maximumkarten und Belegen aller Art. Nachdem in Deutschland 1926 erstmals sein Bild eine Briefmarke zierte, folgten viele deutsche aber auch ausländische Postverwaltungen diesem Beispiel.
Für das Sammelgebiet DDR erweist sich jedoch eine Schiller-Ausgabe als besonders bedeutsam. Anlässlich der Wiederkehr des Todestages Friedrich von Schillers am 9. Mai 1955 erschien neun Tage vorher eine dreiwertige Gedenkausgabe und ein Block mit den ungezähnten Marken dieser Serie. Worin liegt nun die besondere Bedeutsamkeit dieser Ausgabe? Persönlich hatte ich etwa 1999 begonnen, mich mit der 5 Pf.-Marke sowohl aus der Serie als auch aus dem Block intensiv zu beschäftigen. Als Fernschach-spieler besaß ich eine größere Anzahl von Karten mit 5 Pf.-Sondermarken-Einzel-frankaturen. Daraus entstand die Idee, zu versuchen, alle 5 Pf.-Sondermarken der DDR als Einzelfrankatur zusammenzutragen – und das zu einem Zeitpunkt, als die DDR-Marken schon lange keine Gültigkeit mehr besaßen! Dies betraf 185 Katalognummern, hinzu kamen die vielfältigsten Varianten bezüglich der vorkommenden Zierfelder, ihrer Herkunft aus Markenheftchen und Heftchenbogen und bezüglich der Besonderheiten ihrer Verwendung.
Es erwies sich als ein schier unmögliches Unterfangen! Noch immer fehlen mir etwa 10 solcher Belege. Mein diesbezügliches Ein-Rahmen-Exponat hatte ich für Rang-Ausstellungen weiterentwickelt, fand damit aber bei den Juroren keine “Gnade“ – über Silber kam ich bei Rang-3-Ausstellungen nicht hinaus. Doch zurück zur besonderen Bedeutung dieser Ausgabe! Für mich lag diese Bedeutung darin, dass es sich beim 5 Pf.-Wert dieser Serie, um die erste Sondermarke handelt, die nach der Gebühren-senkung vom 1.10.1954 als Einzelfrankatur auf Drucksachen bis 50g verwandt werden konnte. Die Suche und der Erwerb dieser Belege – mit Bogenmarke und mit Marke aus dem Block – erwies sich keinesfalls als eine leichte Angelegenheit. Bei der Bogenmarke handelte es sich um eine Marke in geringerer Auflage oder um einen Sperrwert, wie er in Sammlerkreisen hieß. Dieser Umstand erschwerte maßgeblich – auch bei den anderen 5 Pf.-Sperrwerten – den Erwerb. Solche Einzelfrankaturen sind selten und damit auch teuer, meist nur bei Auktionen zu bekommen. Gleiches trifft auch auf Marken aus den Blocks und den Kleinbogen – obwohl im Katalog niedrig bewertet – zu. Nun nochmals zurück zur Bedeutung – diesmal im Bezug auf die DDR-Philatelie. 

Es handelte sich nämlich nicht schlechthin um einen Sperrwert sondern um den ersten Sperrwert überhaupt! Peter Fischer und Alfred Peter haben im Heft 21/2009 der DBZ/SE vom 9.10.09 in ihrer Beitragsserie „Was nicht im Katalog steht - Informationen aus den Akten und der Entwurfssammlung des Postministeriums der DDR“ ausführlich darüber geschrieben. Aufgrund einer kurzfristigen Entscheidung wurde die geplante Auflage für den 5 Pf.-Wert von 3 Millionen auf 750.000 Stück gesenkt und die Marke erstmalig mit dem Begriff “gebundener Wert“ belegt. In der Begründung hieß es, dass es zur Bekämpfung des Schieberunwesens notwendig geworden sei, weitgehend von der Verausgabung gebundener Einzelwerte Gebrauch zu machen. Uns allen sind die Auswirkungen dieser Entscheidung noch hinlänglich bekannt. 

Die geschnittene Marke
aus dem Block

Die gezähnte Marke
aus dem Bogen

Im Rahmen der “Internationalen Briefmarken-Messe Berlin 2009“ organisierte der Philatelistenclub Berlin Mitte – speziell die ArGe DDR-Spezial, unter maßgeblicher Verantwortung von Peter Fischer, dem wir als Verein für seine Vorträge und seine Tätigkeit als Juror bei unseren Ausstellungen sehr dankbar sind, erfolgreich einen bemerkenswerten BDPh-Salon zu Aspekten der DDR-Philatelie.
Gezeigt wurden 27 Exponate, die auf die Vielfalt des Sammelgebietes DDR verwiesen und die Anregungen für die weitere Beschäftigung mit diesen Themen geben wollten. Die Teilnehmer unserer Vereinsfahrt zu diesem Ereignis konnten sich selbst davon ein Bild machen. Sonderstempel und Plusbrief waren dem 250. Geburtstag Friedrich von Schiller gewidmet. Die im Sonderstempel gezeigte 5 Pf.-Schiller-Marke – also der erste gebundene Wert – erinnerte so an einen wichtigen Aspekt der DDR-Philatelie.



Am 12.11.2009 verausgabte die Deutsche Post AG ihre Marke zu Ehren dieses Jubiläums. Für mich handelt es sich dabei auch um einen Sperrwert. Etwas sperrt sich in mir, anzuerkennen, dass dieses kleine “scherengeschnittene Männlein“ der Wertig-keit dieses großen deutschen Dichters ent-spricht. Wenn auch der Ausgabeanlass durch den Text ins Bild gesetzt wird, kann ich in der Gestaltung der Marke weder eine kulturelle, noch eine künstlerische Leistung erkennen. Nur gut das “Deutschland“ so klein geschrieben ist und man somit nicht gleich erkennt, woher die Marke stammt. Für mich rangiert sie in einer Reihe von Auswahlmöglichkeiten als Mitfavorit für die “hässlichste Marke“ des Jahrganges 2009. Eine solche “Ehrung“ hat sich Schiller sicher nicht verdient!


 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü