20 Jahre Litauen - II. Republik - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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20 Jahre Litauen - II. Republik

Heft 33

- von Dietrich Tillner, Angermünde

Litauen blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück, was sich auch im Postwesen und den Markenausgaben widerspiegelt.
Im Kampf gegen den immer weiter vordringenden Deutschen Ritterorden schlossen sich im 13. Jahrhundert verschiedene baltische Stämme zum Großfürstentum Litauen zusammen, das sich gegen den Ordensstaat behaupten konnte und mit ihm einen über 500 Jahre gültigen Grenzvertrag schloss. Unter Großfürst Jogaila (polnisch Jagiello) kamen sie in den Besitz der polnischen Krone und begründeten damit das polnisch-litauische Herrschergeschlecht der Jagiellonen. Dadurch geriet Litauen aber allmählich vollständig unter den Einfluss Polens. Erst mit der polnischen Teilung kam 1795 auch Litauen unter russische Herrschaft.
Im Ersten Weltkrieg wurde Litauen 1915 durch kaiserlich-deutsche Truppen besetzt, unter deren Schutz erfolgte am 16. Februar 1918 die Ausrufung der Republik Litauen, die sich in Kämpfen gegen die Rote Armee und polnische Truppen durchsetzten konnte. Allerdings blieb das Gebiet um Vilnius (deutsch Wilna) polnisch besetzt und kam erst im September 1931 wieder zu Litauen. Deshalb wurde Kaunas solange die Hauptstadt des Landes

Die deutsche Militärverwaltung unter dem Oberbefehlshaber Ost richtete für die Zivil-Bevölkerung des von ihnen besetzten Gebietes eine Landpost ein, die Reichpostmarken mit dem Überdruck “Postgebiet Ob. Ost“ verwendete, deren Verkauf am 16.2.1918, dem Tage der Republik-Proklamation endete.

Einschreibebrief aus Wilna (Vilnius) im Postgebiet Ob.Ost vom 28.7.(19)16 nach Deutschland, der die Zensurstelle in Königsberg (Zensurstempel) durchlief. Die Gebühr (45 Pf.) betrug 25 Pf. für den Brief von 20g-250g + 20 Pf für das Einschreiben.









Briefumschlag mit patriotischem Text vom 5.9.1931
anlässlich der Rückgabe von Vilnius an Litauen.












Mit dem Ausbruch des Zweiten Welkkrieges und dem Geheimen Zusatzprotokoll des Hitler-Stalin-Paktes wurde das Baltikum der Sowjetunion zugesprochen, die daraufhin 1940 Litauen besetzte. Am 3.8.1940 erklärte eine eingesetzte Regierung den Beitritt in die Sowjetunion. 1941-44 war Litauen von der deutschen Wehrmacht besetzt, und es entstand wieder eine Landpost für die Bevölkerung. 1944 von den Sowjets zurück erobert wurde nun die Litauische Sozialistische Sowjet-Republik ausgerufen.
Ein besonderes Schicksal traf das Memelgebiet, das als Teil des Ordensstaates 1525 zum protestantischen Herzogtum Preußen, ab 1701 zum Königreich Preußen und endlich 1871 mit Ostpreußen zum Deutschen Reich kam. Die Grenze zu Litauen-Polen war in der ganzen Zeit unverändert geblieben. Durch den Versailler Vertrag wurde das nun als Memelland bezeichnete Gebiet am 10.1.1920 unter französisches Mandat gestellt. Unter Tolerierung der Alliierten besetzte Litauen am 10.1.1923 im Handstreich Memel und berief sich dabei auf die dort lebende litauische Minderheit. Grenze zum Alt-Reich war nun der Fluss Memel.

Darum ist es auch nicht verwunderlich, dass die deutsche Bevölkerung, die solange litauische Staatsbürger sein mussten, freudig den “Führer“ als Befreier begrüßte, als Memel am 22.3.1939 wieder an Deutschland kam. –

Jedoch nur bis zum 27.1.1945. Dann besetzten es die Sowjets wieder und fügten es der wieder errichteten Sowjetrepublik an.

Im Zuge der Perestrojka erklärte sich Litauen 1990 als erste Sowjetrepublik zu einem souveränen Staat. Die UdSSR versuchte dies jedoch mit allen Mitteln zu verhindern und erst eine Volksabstimmung am 8.2.1991, bei der sich 85% der Litauer für einen unabhängigen Staat aussprachen, bereitete den Weg für ein demokratisches Land, das schließlich Mitglied der Europäischen Union wurde.
Seit dem 07. Oktober 1990 gibt es nach über 50 Jahren wieder eigene Briefmarken für Litauen. Die erste Serie bestand aus 4 Werten zu 5, 10, 20 und 50 Kepeken mit einem Friedensengel im Markenbild.

Die erste Ausgabe des Neuen Litauen wurde ungezähnt und ohne Gummierung verausgabt, da in der Druckerei keine Gummierungs- und Perforationsmaschinen vorhanden waren.

Aufbrauchs-Ganzsache der UdSSR für die Litauische SSR
mit einer Marke der neuen Republik Litauen als Zusatzfrankatur vom 16.02.1991 aus Vilnius...









und ein auch in Vilnius aufgegebener Brief vom 19.01.91
Nach Deutschland mit der ersten neuen Marke zu 5 Kep. mit Motiv des Friedens-Engels und UdSSR-Marken als Zusatz.










Diese Mischfrankaturen waren bis zum 31.12.1991 möglich, dann wurden die Marken der UdSSR ungültig.

Anmerkung: Dieser Beitrag soll eine kleine Anregung für besonders geschichts- und heimatinteressierte Sammler sein, sich mit den baltischen Staaten zu beschäftigen, deren Markenausgaben noch überschaubar und sehr schön gestaltet sind. Es kann aber nur einen kleiner Einblick in die bewegten politischen Ereignisse Litauens geben. Auf diese Sachverhalte näher einzugehen, würde den Rahmen des Artikel sprengen und sich zu weit von der Philatelie entfernen.


 
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