Deutsche Post in Polen 1914-1918 - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Deutsche Post in Polen 1914-1918

Heft 34

- von Konrad Fischer

Polen war bekanntlich zwischen Russland, Österreich und Preußen-Deutschland aufgeteilt und das russisch besetzten Polen eine russische Provinz geworden, in der natürlich auch die russische Post tätig war Im 1. Weltkrieg besetzten 1915 deutsche und österreichische Truppen auch dieses Gebiet. Das deutsch besetzte russische Polen wurde unter dem Namen “Generalgouvernement Warschau“ der deutschen Militärverwaltung unterstellt. Die Deutsche Reichpost (eine Polnische Post gab es ja nicht) übernahm die Geschäfte und gab ab Mai 1915 Freimarken im Germaniamuster mit Aufdruck "Russisch-Polen" und im August 1916 Marken mit dem Aufdruck “Gen.-Gouv./Warschau“ aus. In Russisch-Polen gab es im I. Weltkrieg insgesamt 76 Kaiserlich Deutsche Postämter, zwischen denen die Post befördert wurde. Eine Weiterleitung der Post für die Zivilbevölkerung, besonders innerhalb der Ortschaften übernahmen für eine Zusatzgebühr einzelne Stadtposten, Handwerker und sogar Feuerwehren. Die Privat- und Geschäftspost unterlag der Zensur. 

Sonder-GS P100 zugunsten des Roten Kreuzes
mit dem demagogischen Text Kaiser Wilhelm I.:
“Ich kenne keine Parteien mehr,
kenne nur noch Deutsche!“





Postkarte (P 2A) vom 2.8.1915
aus Lodz in Russisch/Polen mit
Ra2-Zensurstempel
“Geprüft, Zu befördern! Überwachungsoffizier Posen“











Mit der 1. Ausgabe "Russisch/Polen" frankierter Einschreibebrief vom 28.1.1916 aus Warschau mit gleichem Ra2-Zensurstempel aus Posen.

















Mit der 2. Ausgabe “Gen.-Gouv./Warschau“ frankiertes Einschreiben 12.8.1916 aus Warschau.
Die Gebühren entsprachen denen im Deutschen Reich, wo ab 1.8.1916 eine Kriegssteuer
auch Karten und Briefe (von 5 und 10 auf 7½ und 15 Pf.) verteuerte.


Die Warschauer Stadtpost


Von September 1915 bis November 1916 arbeitete in der Hauptstadt des besetzten Polen eine Stadtpost, die während ihres kurzen Bestehens eine Reihe lokaler Briefmarken ausgab. Als deutsche Truppen am 5. August 1915 Warschau besetzten, folgte sogleich die Deutsche Reichspost. Und weil die Deutsche Post ihre Sendungen nur zwischen den einzelnen Postanstalten beförderte, wurde auf Initiative des Warschauer Bürgerkomitees (polnisch: "Komitet Obywatelski miasta stolecznego Warszawy", abgekürzt "KOmst.W.") und mit Erlaubnis der deutschen Behörden eine Stadtpost eingerichtet, die am 23. September 1915 um 17.00 Uhr in der Mazowiecka Straße 7 ihr Postamt eröffnete. Da die polnischen Postangestellten kaum Erfahrung und die russischen Behörden beim Abzug alles mitgenommen hatten, half die Deutsche Reichspost überall. Wurden anfangs nur die vom deutschen Postamt übergebenen von außerhalb ankommende gewöhnliche Postsendungen zugestellt, durften ab 21. Oktober 1915 auch Ortsbriefe verschickt werden. Diese mussten aber zunächst beim deutschen Postamt eingeliefert und dort mit den überdruckten Germania-Marken frankiert werden.

Für die vom Stadtpostamt erhobene Zusatz(Beförderungs)gebühr gab es zwei Briefmarken zu 5 und 10 Groschen, die in mehreren Auflagen und mit diversen Groszy-Aufdrucken erschienen. Die Marken gab es im Büro der Stadtpost zu kaufen und mussten anfangs den Briefen zum deutschen Postamt mitgegeben werden, bevor sie selbst aufgeklebt werden durften. Alle damit frankierten Briefe erhielten zusätzlich den Stempel “Wreczenie oplacone“ = Lieferung gegen Entgelt. Bei Briefen ohne dieser Marke und Stempel musste der Empfänger die Beförderungsgebühr bezahlen.





Stadtpostbrief mit deutscher Besatzungsmarke und deutschem Stempel WARSCHAU vom 28.2.16 sowie der Stadtpostmarke Nr. 3a mit rotem Groszy-Aufdruck, dem Stadtpoststempel vom 29.2.16
und dem Stempel “Wreczenie oplacone“ = Lieferung gegen Entgelt











Am 20. Oktober 1916 verboten die deutschen Behörden die Herstellung und den Vertrieb weiterer Stadtpostmarken. Dafür kamen nur noch Stempel zum Einsatz. Eine bereits fertiggestellte vierwertige Serie mit polnischen Denkmälern und Symbolen wurde dann im November 1918 mit dem Aufdruck “Poczta Polska“ als die Nummern 2 bis 5 der wiederentstandenen nationalen Polnischen Post verwendet.

Lokalposten - nichtdeutsche Bestellposten der deutschen Besetzungszeit


Die Post innerhalb Polens wurde nur von Reichspostanstalt zu Reichspostanstalt befördert. Die Zustellung an den Empfänger erfolgte durch örtliche polnische Stellen. Das Bestellgeld wurde durch Gebührenstempel oder besondere Marken erhoben.


Postkarte (P5) aus Ciechocinek nach Warschau mit einem Gebührenstempel der Lokalpost.


Ciechocinek (Hermannsbad) ist ein Kurort an der Weichsel, 20 km von Torun entfernt mit einer bewegten Geschichte, die 1235 beginnt, als der polnischen Herzog Konrad dem Hochmeister des Deutschen Ordens Hermann von Salza den Ort übereignet und dafür die Zusage erhielt, dass die polnischen Seite einen Anteil der Salzproduktion aus den örtlichen Salinen bekommt.


Eilbrief aus Skalmierzyce( in der Nähe von Kalisz) nach Warschau mit
Gebührenstempel (6 Groszy) und K1-Zensurstempel “Gepr. Überwachungsstelle Posen“



Eingeschriebene Drucksache vom 22.12.1917 aus Warschau mit einer Mischfrankatur der
Deutschen Besatzungsausgabe und 2 Marken der Stadtpost von Przedborz nahe Lódz, eine
der ältesten polnischen Städte, die bereits 1136 in einer Gnesener Urkunde erwähnt wurde.



Ortsbrief von Sosnowice mit Lokalpostmarke zu 3 Kopeken vom 6. August 1916
(die vom 24.7. bis 7.8.1916 gültig war) und zweisprachigem Stempel “Stadtbriefbef.(örderung)“.
Sosnowice (Sosnowitz) ist eine polnische Großstadt nahe Kattowitz in Schlesien.


 
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