Die Verwendung von Ganzsachenausschnitten (GAA) in der DDR und der BRD - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Die Verwendung von Ganzsachenausschnitten (GAA) in der DDR und der BRD

Heft 34

- von Eberhard Büttner

Angeregt von Konrad Fischers Artikel im Vereinsheft Nr. 33 über das Sammeln von Ganzsachen (GA) möchte ich einiges Wissenswertes über die Möglichkeit der Verwendung von GAA in Deutschland nach 1945 darlegen. Mit der Wiederaufnahme des Postbetriebes nach dem Kriege galten zunächst die bestehenden Rechtsvorschriften und Dienstanweisungen der Deutschen Reichspost weiter. Dies betraf sowohl das Gesetz über das Postwesen des Deutschen Reiches vom 28.10.1871 als auch die Postordnung vom 30.1.1929. Bezüglich der Verwendung von GAA war im § 50 Absatz V geregelt: „Freimarkenstempel, die aus gestempelten Formblättern, Umschlägen usw. ausgeschnitten sind, dürfen nicht zum Freimachen benutzt werden.“ Mit GAA freigemachte Sendungen waren deshalb mit Nachgebühr zu belegen.






Verwendeter GAA aus P 36 vom 29.10.1950 korrekt mit 18 Pf. Nachgebühr belegt.














Postkarte mit GAA vom 25.10.1951, die vorschriftswidrig unbeanstandet befördert wurde.






Mit Wirkung vom 1.8.1959 trat in der DDR das Gesetz über das Post- und Fernmeldewesen in Kraft und löste so auch die Postordnung (PO) von 1929 ab. In der neuen PO entfiel das Verbot der Verwendung von GAA – ohne das darauf im diesbezüglichen § 9 hingewiesen wurde. Im Kommentar zur PO hieß es: „Als Postwert-zeichen gelten auch die auf Postkarten und Briefumschlägen aufgedruckten Wert-stempel (Drucknachbildungen von Postwertzeichen), sofern sie von der Deutschen Post herausgegeben worden sind. Aus Postkarten usw. ausgeschnittene Wertstempel sind gültige Postwertzeichen sie dürfen zum Freimachen der Sendungen verwendet werden.“

Interessant sind die Gründe, weshalb es zur Aufhebung dieses Verbotes kam! Am 10.1.1957 gelangte an den Post-schaltern der Deutschen Post ein Falt-brief (F 1a) mit der eingedruckten 20 Pf.-Marke “Stalinallee“ der Dauerserie Fünfjahrplan für 22 Pf. zum Verkauf. Dieser Faltbrief sollte Materialknappheit lindern und Rationalisierungseffekte hervorbringen. Fehlende Akzeptanz bei den Postkunden führte dazu, dass trotz einer verstärkten Werbung, besserer Papierqualität (F 1b) und einer Preissenkung ab März 1959 auf 20 Pf. der Absatz nicht erhöht werden konnte. Die Gesamtauflage betrug 1,1 Millionen Stück. Aufgrund dieser Probleme entschied sich das Ministerium für Post- und Fernmeldewesen, Ausschnitte aus den Faltbriefen im innerdienstlichen Verbrauch der Post zu verwenden und in der sich gerade in Arbeit befindlichen neuen PO das Verbot der Verwendung von GAA fallen zulassen.






Die Gültigkeit bezog sich auch auf die GAA aus Privatganzsachen. Eine Besonderheit stellte die GA 15 Pf. „Wilhelm Pieck“ dar. Nur diese GA deckte bei Inkraftsetzung der neuen PO den Tarif für eine Auslandpostkarte ab. Sie behielt ihre Gültigkeit auch nach dem 31.3.1962 als die Pieck-Pfennigwerte und so auch die anderen Pieck-GA außer Kurs gesetzt wurden. Dies blieb auch so nach der Verausgabung der 15 Pf.-Ulbricht-GA, so dass ihr Ende auch erst mit dem 2.10.1990 kam.

GAA 15 Pf. Wilhelm Pieck auf R-Brief von 1972















Philatelistisch reizvoll hinsichtlich der Verwendung von GAA war die Zeit ab 16.8.1977. An diesem Tag erschien die erste GA mit einem Sonderwertstempel. Insgesamt wurden 26 solche GA mit 36 verschiedenen Stempel dieser Art verausgabt.

GAA 85 Pf. aus U 5 in Mischfrankatur mit der motivgleichen 35 Pf-Marke auf R-Eilbrief .
















Die Frankaturgültigkeit der GAA war somit bei der Deutschen Post in der DDR geregelt – in der BRD galt jedoch weiterhin das Verbot der Verwendung von GAA. Das bekamen Empfänger zu spüren, die Sendungen mit GAA erhielten. Diese wurden oft mit Nachgebühr belegt. Sicher war hier auch Unkenntnis im Spiel. Wenn aber das Absendeland – hier die DDR – diese unbeanstandet beförderte, musste man doch im Empfängerland BRD zumindest stutzig werden und sich sachkundig machen. Wirkte hier etwa in den Köpfen der Postbediensteten die Hallstein-Doktrin?

R-Brief mit GAA vom 3.10.1961, der mit 30 Pf. Nachgebühr belegt wurde



















Brief vom 17.3.1965 mit 40 Pf. Nachgebühr




















Auch noch nach 6 Jahren Gültigkeit der GAA sollte eine Nachgebühr erhoben werden! Unser Vereinsmitglied kannte jedoch den wahren Sachverhalt, holte sich den Betrag zurück und ließ sich dies postamtlich bescheinigen. Ein sehr aussagekräftiger postgeschichtlicher Beleg!

In der BRD fiel das Verbot der Verwendung von GAA erst mit dem 1.1.1981 und kehrte dann am 1.10.1998 wieder zurück. Anlass dafür war die Inbetriebnahme der mit neuer Technik ausgerüsteten Briefzentren. Diese Maschinen konnten den Dickegrad der GAA nicht vertragen. Dies leuchtet insofern ein, dass ja heute kaum noch eine Briefmarke unzerstört durch diese Geräte kommt. Kundenfreundlich – insbesondere sammlerfreundlich ist dies jedoch nicht!


 
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