Der sogenannte "Aktenschnitt" bei Altbriefen und sein Einfluss auf die Bewertung derartiger philatelistischer Dokumenten - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Der sogenannte "Aktenschnitt" bei Altbriefen und sein Einfluss auf die Bewertung derartiger philatelistischer Dokumenten

Heft 34

- von W. Ehrhardt nach einem älteren Bericht von Hans Grünewald, Zeitz

Bei besonders auch im Internetforum e-bay angebotenen Altbriefen aus der Vormarkenzeit handelt es sich mitunter nur um Briefhüllen ohne Inhalt und mit lückenhaften Beschriftungen ohne Datierung, deren Wert oftmals über- oder auch unterschätzt wird. Dabei handelt es sich meist um die durch den sogenannten Aktenschnitt vom übrigen Schreiben abgetrennte Briefteile.
Bevor es Briefumschläge gab, die erst nach 1820 in Gebrauch kamen, musste der geschriebene Brief zusammengefaltet und außen mit der Anschrift versehen werden. Dabei hatte es sich, besonders bei amtlichen Schreiben, als zweckmäßig erwiesen, einen gefalteten Doppelbogen zu verwenden und den Text auf der ersten Seite zu beginnen und je nach der Länge auch die 2. und 3. Seite zu beschreiben, während die 4. Seite ausschließlich der Anschrift vorbehalten blieb, auf der dann nach Einlieferung bei der Post alle postalischen Stempel und Vermerke angebracht wurden. Erforderlichenfalls konnten weitere beschriebene Blätter oder auch Dokumente mit eingeschlagen werden.
Bevor es Aktenordner mit der Heftlochung gab, erfolgte die Archivierung dieser Briefe so, dass man die gefalteten Bögen mit dünnen Fäden entlang des Bruches im Akten-band einheftete.
Ging nun der Text nicht auf die dritte Seite über, sondern endete schon auf der 2. Seite, wurde beim Einheften des Doppelbogens die dritte Seite mit dem sogenannten Aktenschnitt abgetrennt, denn diese Seite war ja vom Absender unbenutzt geblieben und belastete die Akte nur unnötig – und die Anschrift mit postalischen Vermerken war für den Vorgang ohnehin uninteressant.
Für uns Philatelisten gingen mit dem Aktenschnitt jedoch oft wichtige Vermerke, wie Daten und Absender verloren, was eine wesentliche Beeinträchtigung der postalischen Aussage und damit auch des Wertes bedeutet. Je nach dem Umfang des verloren gegangenen Teils muss die Bewertung des Stückes erfolgen. Fehlt kein wichtiges Teil, ist auch kein oder nur ein minimaler Abschlag bei der Bewertung angebracht. Sind jedoch wesentliche Teile verloren gegangen, so ist der Wert stark gemindert.
Grundsätzlich gilt für alle vorphilatelistischen Dokumente, dass sie einwandfrei zu datieren sind. Als Datierung kann aber nur ein entsprechender Vermerk des Absenders, ein Eingangs- und Registraturvermerk des Empfängers und ein amtlicher Poststempel, sofern er eine Jahreszahl ausweist, gelten!
Bleistiftnotizen von Akten-Entnehmern sind völlig bedeutungslos und ein Beleg, der nicht einwandfrei zeitlich einzuordnen ist, ist praktisch wertlos.

Typischer nicht exakt datierbarer Teil eines Briefes aus Schwedt, der durch Aktenschnitt (unten die Schittkante)
abgetrennt wurde. Der Stempel engt die Verwendungszeit von 1818 bis ca.1835 ein. 


 
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