Vom Krieg zum Frieden - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Vom Krieg zum Frieden

Heft 35

- von W. Ehrhard und K. Fischer

Die Beiträge in den Vereinsheften 33 und 34 über das Ende des II. Weltkrieges waren uns Anlass, die Zeit, als die Uhren stehen blieben und langsam Neues entstand, aus philatelistischer Sicht zu beleuchten.
Das von den Nationalsozialisten seit dem “Anschluss“ Österreichs im März 1938 so genannte Großdeutsche Reich gab bis kurz vor seinem Untergang noch Briefmarken aus. So im Februar 1945 eine Marke für den Volkssturm, einem militärischen Verband, der “alle waffenfähigen Männer im Alter von 16 bis 60 Jahren“ zwingen sollte, den Alliierten fanatischen Widerstand entgegen zusetzen.


Brief vom 26. März 1945 aus Raschau im Erzgebirge nach Dresden,
der mit der Volkssturm-Marke frankiert wurde.

Am 20. April 1945 erschienen dann noch 2 Sondermarken für die Parteiformationen SA und SS zu je 12+38 Pfennig mit den Abbildungen eines SA- und SS-Mannes.

Die hier abgebildeten Briefstücke mit den Marken tragen einen Tages-Stempel von BERLIN W 30 n vom 23.4.45 10-11 (Uhr).

Da zu diesem Zeitpunkt Berlin schon fast vollständig von der Roten Armee besetzt war und die Tätigkeit der Post längst eingestellt war, handelt es sich hierbei mit großer Sicherheit um eine nachträgliche Abstempelung zum Schaden der Sammler.

Nun gibt es ja bekanntermaßen auch sogenannte echt gelaufene Briefe mit diesen Marken, auch war darüber schon manche Mär von Besitzern dieser “seltenen Dokumente einer schweren Zeit“ zu lesen...
Nach der bedingungslosen Kapitulation und der Besetzung Deutschlands verboten die Siegermächte zunächst jeden Postdienst.
Zu den ersten philatelistischen Zeugnissen der unmittelbaren Nachkriegszeit gehören die "Überroller". Das sind Postsendungen, die noch im Großdeutschen Reich aufgegeben wurden, ihren Empfängern aber erst nach Kriegsende zugestellt werden konnten.
Auf diesen Sendungen wurden die alten Wertzeichen meist geschwärzt:


Das Wertzeichen auf der am 2.5.1945 in Lohmen bei Pirna aufgegebenen Postkarte
nach Rötha bei Leipzig wurde mit einem schwarzen Stift unkenntlich gemacht, was ein
sicheres Zeichen dafür ist, dass sie erst nach Kriegsende zugestellt werden konnte.



Auch der Brief vom 19.3.1945 aus Schwedt errichte seinen Empfänger im bayrischen Schwandorf
erst nach der Besetzung durch alliierte Truppen; deshalb die Schwärzung.


Die mühsam wieder in Gang kommende Wirtschaft und der allgemeine Informations-bedarf machten aber die Wiederaufnahme des Post- und Telegrafendienstes zwingend notwendig. Weil Deutschland aber in vier Besatzungszonen unterteilt war, geschah das regional und in den einzelnen Zonen recht unterschiedlich.


Mit sog. AM Post-Marken frankierter R-Brief vom Oktober 1945


Hatten die Amerikaner, die bereits im September 1944 Aachen besetzten, schon lange vorher gedruckte Briefmarken mitgebracht und damit einen lokal begrenzten Postaustausch zugelassen, mussten sich die sowjetische und französische Zone bei der Wiederaufnahme des Postbetriebes diverser Notmaßnahmen bedienen. Die Sowjetische Militär-Administration hatte gleich nach der Einteilung Deutschlands in Besatzungszonen den Postverkehr für die neu geschaffenen deutschen Behörden angeordnet aber aufgrund der starken Kriegszerstörungen besonders entlang der Oder war das z.B. in Schwedt erst ab 22. Juni 45 möglich. Privatpost war in der SBZ erst ab 6.8.45 erlaubt.


Orts-Behördenbrief aus Schwedt von Anfang August 45, der am Schalter bar bezahlt wurde
und für den noch ein alter Vordruckumschlag verwendet werden musste.


Parallel zur Barfreimachung erschienen ab Juni 1945 in nahezu 100 Orten Lokalaus-gaben, dle z.T. mlt und ohne Zustimmung der Besatzungsmächte verausgabt wurden. Diese Ausgaben enthielten oft Zuschläge zugunsten örtlicher kommunaler Aufgaben, wie Wiederaufbau, Solidaritäts- und Sozialzwecke und wurden in vielen Fällen deshalb von der Zentralverwaltung für Post- und Fernmeldewesen genehmigt oder nachträglich anerkannt.


R-Brief mit Großräschen-Lokalausgabe Nr. 2, 8 und 10: Gebührenmarken mit violettem
Handstempel “Post“ darunter Kurzschriftstempel und handschriftliche Wertangabe in rot.


Eine Besonderheit stellen dabei die Sächsischen Schwärzungen dar. Bereits am 8.5.45 wurde im Bereich der ehemaligen Reichspostdirektion Chemnitz, wenig später auch für Dresden und Leipzig angeordnet, noch vorhandene alte Wertzeichen weiter zuverwenden, aber den Hitlerkopf mit einem geeigneten Kork- oder Gummistempel unkenntlich zu machen.


Früher Beleg einer “Sächsischen Schwärzung“ vom 30.5.1945


Die Zentralverwaltung für das Post- und Fernmeldewesen hat die Lokalausgaben der SBZ geprüft und Kriterien festgeIegt, die diese als amtliche Postwertzeichen ausweisen:

  • Verkauf der Marken am Schalter,

  • Verwendung der Marken auf Postsendungen und deren unbeanstandete Beförderung

  • Anerkennung mit diesen Marken frankierter Sendungen durch die Bestimmungspostanstalt und Aushändigung an den Empfänger ohne Erhebung einer Nachgebühr


Diese Kriterien sollten stets auch beim Sammeln von Lokalausgaben zugrunde gelegt werden.

In der sowjetischen Besatzungszone gaben ab Juni/Juli 1945 die Oberpostdirektionen (OPD) eigene Briefmarken aus, mit denen endgültig der geregelte Postbetrieb begann. Den Anfang machte die OPD Dresden mit ihrer ersten Ausgabe – der Potschta - vom 23.6.1946, die noch am Ausgabetag zurück gezogen wurde:


Vom Prüfer als “echt“ gekennzeichnete “POTSCHTA“, die nur am 23. Juni gültig war,
auf einem Brief vom Postamt DRESDEN N 6 nach Freital-Deuben.

Nach den Darstellungen von Lothar Kempe und Dr. Gerhard Schmidt in der Broschüre "... aller hundert Jahre" von 1948 hatte der Dresdener Oberbürgermeister telefonisch beim sowjetischen Kommandanten die Genehmigung dazu eingeholt. Als aber die Marke dann gedruckt vorlag, wurde jedoch die Herausnahme des russischen Wortes Potschta verlangt. Die berichtigte Marke ohne der russischen Inschrift kam am 28. Juni 45 an die Schalter

Neben der OPD Dresden (Ost-Sachsen) gaben in der SBZ auch die OPD Halle (Provinz Sachsen) ab 23. Juli, die OPD Leipzig (West-Sachsen) ab 3. August, die OPD Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) ab 28. August und die OPD Erfurt (Thüringen) ab Oktober eigene Marken aus. Außerdem waren die ab August ausgegebenen “Bärenmarken“ des Berliner Senats seit 28. Oktober 1945 auch in der OPD Potsdam (Brandenburg) im Umlauf.
Der Verkauf aller OPD-Ausgaben wurde am 31. März 1946 eingestellt, jedoch wurde sie noch bis zum 31. Oktober 1946 geduldet.
Belege verschiedener OPDen:


Wie die Karte aus der OPD Schwerin zeigt, wurden auch Ganzsachen ausgegeben. (hier die P5b).



Bärenmarken (1 Buy) In Angermünde/Brbg. verwendet




In Meerane am 2.3.46 – einen Tag nach der Gebührenverdoppelung – abgefertigter Brief
wurde in Leipzig mit der Nachgebühr des fehlenden Betrages, also ohne Strafgebühr, belegt.



Fremdverwendung einer Ganzsache der RPD Schwerin, aus der Zeit der britischen Besetzung West-Mecklenburgs
Ein nach Schwerin geflüchteter Handwerker hatte die Karte bei seiner Rückkehr nach Schwedt mitgebracht und
am 29.12.1945 hier verwendet, wo sie mit einem Notstempel entwertet wurde. Seit dem 12.11.45 galten fremde
OPD-Ausgaben auch in Brandenburg.


Da die Einheit Deutschlands erhalten bleiben sollte, veranlasste der Alliierte Kontrollrat als oberstes handlungsfähiges Organ ab Februar 1946 Gemeinschaftsausgaben, die in allen Zonen gelten und die verschiedenen Übergangs- und OPD-Ausgaben ersetzen sollten. Allerdings verweigerte dies die französische Zone und gab eigene Marken aus. Dadurch kamen nur in der amerikanischen, britischen und sowjetischen Besatzungszone Kontrollratsmarken in Umlauf.

Anmerkung:
An diesen Themen interessierte Sammlerfreunde finden in mehreren Arbeits- und Forschungsgemeinschaften innerhalb des BDPh vertiefende Unterlagen und gleichgesinnte Ansprechpartner. Entsprechende Adressen findet man z.B. im Internationalen Kalender für Briefmarkensammler, in der “philatelie“ oder in der BDPh-Hompage. Auch in unserem Schwedter BSV gibt es Sammlerfreunde “mit Erfahrung“ auf diesem Gebiet


 
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