Grenzüberschreitender Briefmarkentausch in der DDR - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Grenzüberschreitender Briefmarkentausch in der DDR

Heft 35

- von Günter Schäfer

Die Durchführungsbestimmungen zum Zollgesetz der DDR gestatteten es nicht, Briefmarken in Briefen in das Ausland zu versenden - ausgenommen war hierbei nur der Frankatur-Tausch. Die Mitglieder der AG Philatelie im Kulturbund der DDR konnten jedoch den Antrag auf eine Tauschgenehmigung stellen. Mit einer solchen Genehmigung konnten dann in einem offenen Brief max. 25 Tauschposten zur Tausch-Kontrollsteile geschickt werden.
Zu beachten war dabei, dass die Tauschbasis der DDR-Briefmarken-Katalog “LIPSIA“ war und der maximale Tauschwert im Jahr 600.- LIPSIA-Mark nicht übersteigen durfte. Der Tauschpartner aus der BRD bzw. Berlin-West durfte aber keine Briefmarken senden, die in diesem Katalog unter der Rubrik "fällt aus" zwar eine Katalognummer, aber keine Beschreibung hatten. Das waren z. B. die Bund-Mi-Nr.165 (Deutsche Kriegsgefangene), Mi-Nr. 215 und 479 (10 u. 20 Jahre Vertreibung), Block 20 (Bedeutende Gebäude der Geschichte der BRD) sowie die West-Berliner Mi-Nr. 110/111 (17. Juni 1953) und Mi-Nr. 118 (Wahl des Bundespräsidenten).
Auch von den DDR-Marken durften u.a. der Block 7 (DEBRIA), die Mi-Nr. 286/288 (Deutsch-Chinesische Freundschaft), der Block 15 (Buchenwald) und die Mi-Nr. 662 (40. Jahrestag der Novemberrevolution) nicht getauscht werden

Die Suche nach einem Tauschpartner in der BRD oder Berlin-West war im Allgemeinen nur über den Annoncenteil des Sammlerexpress möglich. Jedoch über den QSL-Kartenversand (Funkbestätigungen im Amateurfunk) bekam ich 1967 eine QSL-Karte mit dem Vermerk "Bin Briefmarkensammler“. Von da an hatte ich einen Briefmarkentauschpartner im Saarland, mit dem ich mich außer über Briefmarken auch noch über das Hobby Amateurfunk brieflich austauschen konnte. Nach Erhalt der Genehmigung im November 1967 fand bis Ende 1989 ein aktiver Briefmarkentausch statt. Dabei stellten wir beide fest, dass unsere Briefe, obwohl durch die sog. Tauschkontrollmarken gekenn-zeichnet, immer geöffnet wurden und Stempel (Zoll-?) in Form von Dreiecken und Kreisen mit eingetragener Nummer (5 bzw. 2) auf dem Briefumschlag waren. Leider sind davon keine Briefe mehr bei mir vorhanden, da erstens die Tauschkontrollmarke, die ja sichtbar auf der Vorderseite des Briefes zu kleben war, der nächsten Tauschsendung über die TauschkontrollsteIle beizulegen war und zweitens auch noch ein Frankaturtausch zwischen uns stattfand; denn das Limit von 600,- Lipsiamark reichte für uns bei weitem nicht aus.
Trotz der Tausch-Genehmigung fand ich in einer Sendung vom Juni 1976 einen "Teil-Einziehungs“-Bescheid, wo mir mitgeteilt wurde, dass das Berliner Ersttagsblatt Nr. 13/75 (Mi-Nr. 515, Paul Löbe) eingezogen wurde.
Da die Marken im Lipsia-Katalog enthalten und nicht unter der Rubrik "fällt aus" geführt waren, habe ich mir erlaubt, einen Brief an die Zollverwaltung der DDR zu richten und nach dem Grund der Einziehung zu fragen.


Mit Schreiben vom 05.07.1976 erhielt ich Antwort vom Leiter des Postzollamtes der Bezirksverwaltung Frankfurt/Oder. Es wurde mir im Prinzip darin unterstellt, dass ich die betreffende Gedenkmarke nicht unter Beachtung der Allgemeinen Genehmigung Nr. 66 (Allgemeine Tauschgenehmigung des Kulturbundes für den Auslandstausch von Briefmarken) einführen wollte!

Aber eine konkrete Antwort, warum nur diese Marke und alle anderen Briefmarken und Ersttagsblätter der Tauschsendung nicht eingezogen wurden, fehlte!
Und wahrscheinlich um mir und meinem Tauschpartner zu zeigen, dass das Postzollamt Frankfurt/Oder "wachsam" ist, erfolgte am 16.08.1976 die nächste Teileinziehung der Ersttagsblätter BRD Nr. 2/76 und 6/76 (die Mi-Nr. 876, 100. Geb.-Tag Konrad Adenauers und die Nr. 879, 25 Jahre Bundesverfassungsgericht).


Nachsatz:
Alle drei Ersttagsblatter lagen ca. 6 Monate danach in einem Brief (diesmal ohne Kontrollmarke !) von meinem Tauschpartner in meinem Briefkasten.

Bei unserem 1. persönlichen Kontakt im September 1990 in Ottweiler übergab mir mein Tauschpartner alle "nicht zum Tausch genehmigten Briefmarken der BRD und Berlin-West" und als ob es Gedankenübertragung war, hatte ich auch alle "nicht zum Tausch genehmigten Briefmarken der DDR" dabei.


 
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