Die Entbehrungen der menschlichen Migration - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Die Entbehrungen der menschlichen Migration

Heft 36

- nach dem Objekt von G.A.Geertz (Gouda, Niederlande), bearbeitet von Wolfgang Ehrhardt

Ein Sammlerfreund aus dem niederländischen Gouda, Herr Geerts, der auch Buchautor und Aussteller ist, schickte mir kürzlich einige Seiten seines neuen und äußerst interes-santen Exponates “Die Entbehrungen der menschlichen Migration”, die ich wegen ihrer Aktualität – und auch weil er mit der Darstellung unseres Souvenir-Umschlages 775 Jahre Prenzlau zeigt, wie moderne Belege ein thematisches Exponat sinnvoll beleben können – vorstellen möchte.

I. Eine einzige Übersiedlung in der Fremde genügt nicht

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) wird oft auch als ein “Konflikt der Konfessionen” bezeichnet. Wer aber besitzt den richtigen Glauben? Die Religionen der Reformation oder der Katholizismus?
Die Merkmale dieses Krieges waren unter anderen die Grausamkeit der Kriegsführung mit etwa einer Million gefallener Söldner und rund 4 Millionen Zivilopfern während und nach 30 großer Schlachten durch Hunger und einer Taktik der verbrannten Erde, wobei Häuser und Ernten verbrannt wurden, damit man sie dem Feinde verweigern konnte.

Ende des 17. Jahrhunderts haben sich Tausenden von Hugenotten aus Frankreich in Brandenburg und auch in Prenzlau und Umgebung niedergelassen - auf der Suche nach einer neuen Zukunft.


Für Manchen hat das Endergebnis den Erwartungen doch nicht entsprochen. Deshalb wanderten einige Hundert Einwohner, zwischen 1800 und 1850, nach Australien aus und gründeten dort ihre neue Stadt Prenzlau (Karte), etwa 100 km westlich von Brisbane (Queensland). Diese Stadt besteht heute noch immer.













II. Die erste Gruppe deutscher Auswanderer macht sich auf den Weg

Am 6. Juli 1683 reisten 33 Bewohner aus dem deutschen Rheinlande - vor allem Mennoniten und Quaker - mit dem Schiff Concord aus Rotterdam über London nach Pennsylvania. Ankunft am 6. Oktober 1683. Dort gründeten sie Germantown (Stempel).

Zwischen 1830 und 1880 waren mindestens 25% aller europäischen Auswanderer nach Nord-Amerika Deutsche Auswanderer. Zwischen 1851 und 1860 waren das sogar 36,6%. Von 1820 bis 1924 wanderten 5.643.893 Deutsche aus nach den Verenigten Staaten. (Ein “Deutschland” gab es ja noch nicht, es wurde erst 1871 gegründet).








Auf der GA-Karte vom 25.06.1881 aus Danver (Colorado) bestätigt der Kassierer der Deutschen National Bank den Empfang von 400 Dollar. Das Wertzeichen wurde mit einem “Cork-Killer” entwertet; während der Tagesstempel daneben gesetzt ist.

Hier sieht man also deutsche Hoffilung (oben) und Erfolg (unten)


III. Die einheimische Bevölkerung versucht etwas abzukriegen/mitzuprofitieren


Zu Weihnachten 1908 fanden John Beaton und Bill Dikeman Gold im Otter Creek, einem Nebenfluß des Iditarod wo 1910 ein Städtchen gleichen Namens als Zentrum der Goldförderung entstand. 1930 war es aber schon wieder eine Geisterstadt.
Die Postkarte erschien 1909 zur Alaska-Yukon Ausstellung und zeigt im roten Zudruck links Damen mit einer Hand voll Gold-Nuggets. Der Text besagt: “Bin unterwegs zu einem neuen Arbeitslager und werde schreiben sobald ich dort angekommen bin. Schreiben und adres-sieren Sie Iditarod City, B. R.”

Der entstandene Goldrausch lockte Abenteurer und arme Arbeitsuchende aus aller Herren Länder an. Und sogenannte “Native Packer” wie auf der Karte dargestellt, wanderten mit ihrem ganzen Hab und Gut auf dem Rücken von einem Arbeitslager zum anderen – auf der Suche nach Arbeit und Gold.
Am 1. November 1910 schrieb der amerikanische Innenminister an den Gouverneur von Alaska: "Untersuchen Sie die Situation von bestimmten mittellosen Eingeborenen in der Nähe von Tanana, wie schon angedeutet vom Chief Charlie und leisten Sie Hilfe während dieses jetzigen Winters".
Die eingeborenen Athabascans konnten den Suchaktionen nach Gold entweder zusehen oder sie wurden schlichtweg vertrieben.



IV. Erfolg in der Fremde.

1882 schenkte Frau Anna Ottendorfer, einde deutsche Auswanderin und unter anderen sehr erfolgreiche Verlegerin einer deutschsprachigen Zeitung, eine riesige Geldsumme für den Bau der Ottendorfer Branch Library (die erste Buchausleih-Bibliothek in Amerika) und für den Bau der German Poliklinik (Deutsche Poliklinik), die heutige Stuyvesant Poliklinik.


Sie bot deutschen Einwanderern damals auf der Lower East Side freie ärtzliche Hilfe an und gab Studenten eine medizinische Ausbildung. Beide Einrichtungen funktionieren bis heute noch in der 135. und 137. Second-Avenue in New York.


Auch weiter weg, in Chili in der Stadt Concepcion, ging es den deutschen Einwanderern offenbar recht gut. So zeigt die gedruckte Einladung von 1912 für eine Außerordentliche General-Versammlung eines Deutschen Vereins einigen Wohlstand an, wofür die Anschaffung und Aufstellung eines zweiten Billards (!) für den Verein spricht.





 
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