Preußens Nummernstempel 1125 - ist das unser Nachbarort Passow? - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Preußens Nummernstempel 1125 - ist das unser Nachbarort Passow?

Heft 36

- von Dr.Hans-Werner Meiners, Angermünde

Beim Untersuchen des Briefstücks einer Preußen-Nr. 1 mit dem leserlichen Nummernstempel 1125 kam die Frage auf, in welchem der 4 möglichen Orte mit dem Namen Passow dieser Nummernstempel verwendet wurde. Die älteste verfügbare Quelle für die Zuordnung des Nummernstempels zum Ort Passow ist das im Amtsblatt Nr. 44 des königlichen Post-Departements vom 31.10.1850 veröffentlichte Nummernverzeichnis. Als mögliche Orte kommen das Passow in der Nähe von Gadebusch (Mecklenburg-Schwerin), Passow zwischen Demmin und Greifswald (Preußen), Passow nordöstlich von Lübz (Mecklenburg-Schwerin) sowie Passow in der Uckermark (Preußen) in Frage.

Als erstes sollten die Orte ausgesondert werden, die zum Zeitpunkt der Verwendung des Stempels (15.11.1850 – 31.3.1859) nicht auf preußischem Staatsgebiet lagen. Das trifft auf das Passow bei Gadebusch und das Passow nordöstlich von Lübz zu, die zu diesem Zeitpunkt zum Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin gehörten. Es ist unwahrscheinlich, dass dort preußische Briefmarken oder Stempel verwendet wurden. Nur das Passow zwischen Demmin und Greifswald, das damals zum Regierungsbezirk Stralsund gehörte, und das uckermärkische Passow im Regierungsbezirk Potsdam lagen in Preußen.
Als derzeit aktuellste Quelle für die Zuordnung des Ortes dient das Buch über die preußischen Nummernstempel von Karlfried Krauß. Dort ist eindeutig darauf verwiesen, dass es sich um das Passow im Kreis Angermünde des Regierungsbezirks Potsdam in der Provinz Brandenburg handelt. Auch in dem etwas älteren Nummernstempelkatalog von Peter Feuser findet sich die gleiche Zuordnung. Einen weiteren Hinweis findet sich bei Werner Münzberg, wo es nur einen Eintrag bezüglich des uckermärkischen Passows gibt.
Das vorallem optisch wirkungsvollste Gegenargument stellt der von Gerlach erstellte Atlas zur Deutschland-Philatelie in der Ausgabe von 1989 dar. Auf einer Karte, auf der die Lage der einzelnen Orte mit Nummernstempeln verzeichnet sind, ist der Nummernstempel 1125 dem Passow nordöstlich von Lübz zugeordnet. Nachteilig in dieser Auflage ist außerdem, dass die Landesgrenzen zwischen Mecklenburg-Schwerin und Preußen nicht eingezeichnet sind. In der neuen und verbesserten Auflage von 1995 ist dieser Mangel behoben. Es wird aber weiterhin der fehlerhafte Eintrag der Lage von Passow beibehalten, obwohl jetzt deutlich zu erkennen ist, dass dieses Passow außerhalb des Postgebiets Preußens liegt. Bemerkenswert ist aber, dass auf derselben Karte ein zweiter Eintrag für 1125 Passow vorliegt und zwar in der Uckermark. Würde die im Atlas angegebene Zuordnung zu dem Passow in Mecklenburg-Schwerin richtig sein, so hätten alle Quellen die Existenz einer solchen preußischen Postanstalt auf fremdem nicht-preußischen Territorium erwähnt, so wie das mit den preussischen Postanstalten in den anhaltinischen Herzogtümern oder im oldenburgischen Fürstentum Birkenfeld der Fall ist.
Somit spricht sehr viel für die Zuordnung des Nummernstempels 1125 zum uckermärkischen Ort Passow. Doch warum sollte in einem Ort mit nicht einmal 400 Einwohnern im Jahre 1850 überhaupt eine Postanstalt existieren? Ursache hierfür dürfte der Bahnhof von Passow an der von 1840 bis 1843 gebauten Bahnstrecke Berlin-Stettin gewesen sein. Nahezu der gesamte Post- und Personenverkehr von und nach Prenzlau, Pasewalk, Pommern und Rügen wurde über diesen Bahnhof abgewickelt. Beim Postverkehr handelt es sich aber nicht um den normalen Briefverkehr, der im Falle von Prenzlau per Post-kutsche abgewickelt wurde, sondern um die Beförderung größerer Pakete, Wert-sendungen oder besonders eiliger Postsachen. Ein Indiz hierfür bietet auch die abgebildete Marke von ½ Silbergroschen. Im unteren Teil des Briefstücks ist ein Teil eines weiteren Nummernstempels zu erkennen, woraus zu folgern ist, dass auf dem ursprünglichen Brief zumindest eine weitere Marke vorhanden gewesen sein muss. Die ½ Silbergroschen-Marke zusammen mit einer anderen Marke als Frankatur machte aber nur für Paketsbegleitbriefe, Wertsendungen und Eilbriefe Sinn.

Vor kurzem konnte ich beim Auktionshaus Pumpenmeier einen Brief, der in Passow aufgegeben wurde, erwerben:


Der Brief nach Neustadt-Eberswalde vom 1. August 1851 wurde mit 1 ½ Silbergroschen frankiert und (leider) nur undeutlich mit dem Nummernstempel 1125 entwertet. Ein Silbergroschen betrug das Porto für einen einfachen Brief bis 10 Meilen Entfernung. 6 Pfennige bzw. ½ Silbergroschen wurden für das Bestellgeld im voraus gezahlt. Die Entfernung des uckermärkischen Passow nach Neustadt-Eberswalde von weniger als 10 Meilen im Vergleich zu den anderen Orten mit dem Namen Passow beweist letztendlich die Zuordnung des Nummernstempels 1125 zum uckermärkischen Passow.

Auch die Rückseite des Briefs ist bemerkenswert. Zum einen ist der dreizeilige Bahnpost-stempel BROMBERG 31 7 III BERLIN zu erkennen. Es handelt sich um den 3. Zug von Bromberg nach Berlin. Dieser Zug muss aber über Nacht gefahren sein, da der Brief am 1. August in Passow aufgegeben wurde, der Zugstempel noch das Datum vom 31. Juli trägt. Außerdem ist auch der Ausgabestempel vom 1. August zu erkennen, der die Beförderung in Neustadt-Eberswalde noch am selben Tag belegt.

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Literatur:
Karlfried Krauß, "Die preußischen Nummernstempel", Potsdam 2009
Peter Feuser, "Die Nummernstempel der Altdeutschen Staaten", Stuttgart 2007
Werner Münzberg, "Preußen Postanstalten - Poststempel 1817-1867", Offenbach 1977
Hans-Henning Gerlach, "Michel-Atlas zur Deutschland-Philatelie", München 1995


 
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