Andere Sammelgebiete: Fiskal-Philatelie - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Andere Sammelgebiete: Fiskal-Philatelie

Heft 36

- von Peter Süss, AIJP Berlin

Im Spezial-Reglement für die Bewertung von Exponaten der Fiskal-Philatelie, das der BDPh in Übereinstimmung mit dem FIP-Reglement übernommen hat, wird der Umfang dieses der Philatelie gleichgestellten Bereiches wie folgt erläutert:
"Die Fiskal-Philatelie umfasst geprägte, eingedruckte oder aufklebbare Steuer-, Gebühren- oder Kreditwertzeichen, die direkt oder auf Anordnung des Staates, einer Gemeinde oder anderen amtlichen Stellen ausgegeben wurden."
Ob man nun vor, mit oder nach der Einführung von Gebührenquittungen, die man für die Beförderung einer geschriebenen Nachricht zu entrichten hatte (im heutigen Sprachgebrauch Postwertzeichen), auch erkannte, daß diese Form der Gebührenquittung auch im fiskalischen, also steuerrechtlchen bzw. Gebühren- oder Verwaltungsbereich eine sinnvolle Form der Kenntlichmachung und eine ebenso bequeme, abrechenbare Art darstellt, sei dahingestellt. Jedenfalls war das bedruckte Papierstück, ähnlich des Postwertzeichens, gegenüber der geprägten bzw. Eingedruckten Form (zu finden z.B. als Papiersteuer auf Schriftstücken des ausgehenden Mittelalters), eine Weiter-entwicklung und bot sich -mit gleicher Möglichkeit der grafischen Gestaltung- auch als Sammelgebiet an. Das Ende des 19. Jahrhunderts aufkommende Interesse am Sammeln von Postwertzeichen ließ manchen Sammler auch zu den Fiskalmarken greifen, waren diese doch den Postwertzeichen in Form und Gestaltung in manchen Bereichen sehr ähnlich.
Was lag also näher, diese Marken einer Ländersammlung zuzuordnen.

Lassen Sie mich am Beispiel der Fiskal-Marken (Revenues) von Mexico dieses, gegenüber den Postwertzeichen weitaus umfangreichere Gebiet erläutern.

Gab es in einem bestimmten Zeitraum für die Beförderung von Poststücken, auch nur unterschiedliche Beförderungsarten, z.B. eine Markenserie mit 12 Wertstufen, gab es im gleichen Zeitraum Fiskalwertzeichen, Steuermarken oder Gebührenquittungen, wie immer man sie auch nennen will, für die Bereiche Vertragsurkunden und Dokumente, Gerichtswesen, öffentliche Dienste, Rechnungen oder Wechsel, Versicherungen und Policen, Gutachten, Maße und Gewichte, Lizenzen, Druckerzeugnisse, Steuermarken für Tabak und Alkohol, um die wesentlichen zu nennen.
Da letztere als Banderolen mit aufgedrucktem Wert andere Verwendungsformen aufweisen, findet man solche Sammelstücke kaum oder garnicht in alten Ländersammlungen.
Nun ist man ja als Sammler auch bemüht, nicht nur gebrauchte oder ungebrauchte Banderolen zu sammeln, sondern es wird auch hier - wie in der Philatelie - nach Verwendungsformen und -möglichkeiten gesucht. Also nach echt gebrauchten Stücken!
Nur wer hat noch Zigarettenverpackungen mit Steuerbanderolen oder Alkoholflaschen aufgehoben? Und wie stellt man diese Stücke in einem Exponat aus?
Hier kommen wir zu einem Problemfeld, in dem es der klassische Philatelist weitaus einfacher hat. Überformatige Dokumente in der Größe eines Ausstellungsblattes oder gar eines ganzen Rahmens sind in der Fiskal-Philatelie keine Seltenheit. Somit ist die Vermittlung von Ausgewogenheit in einem Exponat weitaus schwieriger und damit großzügiger zu bewerten als bei philatelistischen Exponaten.
Eine Vielzahl von mexikanischen Fiskalwertzeichen haben, ähnlich wie die zur gleichen Zeit verausgabten Postwertzeichen, Bezirksaufdrucke. Bei ca. 50 verschiedenen Bezirken erweitert sich die Möglichkeit des Sammelgebietes auf ein Vielfaches.

Die grafische Gestaltung ist teilweise von größerer Klarheit und elementarerer Vielfalt als die sehr häufig vom Motiv her gleichartigen Postwertzeichen. Bei der Bewertung der Kriterien Kenntnisse und Forschung in einem Exponat muß vorangestellt werden, daß im Gegensatz zur Philatelie nur wenig Literatur über Fiskal-Philatelie existiert, die dann teilweise noch veraltet ist, da sich diesem Gebiet in den letzten 60 bis 70 Jahren nur wenige Sammler im europäischem Raum angenommen haben. Natürlich ist es eine überaus reizvolle Tätigkeit, sich dieses Mangels anzunehmen und nach Quellen, Gesetzen, Verordnungen, Gebühren u. wechselseitigen Beziehungen zu forschen und zu belegen. Hierbei kann durchaus noch Pionierarbeit geleistet werden, zumal ja auch die Zahl der fiskal-philatelistischen Exponate überschaubar und zählbar ist. 

Betrachten Sie einmal die fiskalischen Marken und Quittungen eines Landes. Sie werden überrascht sein von der Vielfalt der Erscheinungsformen, der grafischen Gestaltung, der Verwendung und der dargestellten Motive.


 
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