Das Denkmal und der Meilenstein - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Das Denkmal und der Meilenstein

Heft 37

- von Wolfgang Ehrhardt

Immer mal wieder, seit einiger Zeit auch im Internet, kann man die Mär von einem für das Stägemann-Denkmal in Vierraden verwendeten Meilenstein von der alten Berlin-Stettiner-Chaussee lesen.
Die Ursache dafür findet man in der von Paul Menschell im Jahre 1929 erschienenen “Geschichte der Stadt und des Schlosses Vierraden“, wo beschrieben wurde, dass im Jahre 1907 für den in Vierraden geborenen preußischen Staatsmann Friedrich August Staegemann (1763-1840, wurde 1816 geadelt und 1835 zum Ehrenbürger Vierradens ernannt) unter Verwendung des einst zwischen Schwedt und Vierraden stehenden Meilensteines (XIV) ein Denkmal errichtet wurde. Tatsache ist jedoch, dass für dieses
Staegemann-Denkmal (links auf einer alten Ansichtskarte abgeb.) niemals ein Postmeilenstein von der B2 verwendet worden sein kann, da die alle einheitlich (aber nicht immer kongruent) gestaltet waren und ein Vergleich die Annahme stichhaltig widerlegt.
Außerdem existiert der bei Menschell genannte Meilenstein XIV noch heute (rechtes Foto): Er steht auch immer noch an der B2, wurde jedoch nach der Einführung des metrischen Systems in Höhe Friedrichsthal (Blumenhagen) auf den Kilometer 110 umgesetzt. Dabei kam die eingemeißelte Beschriftung auf die der Straße abgewandten Seite und vorn wurde mit weißer Farbe die neue Entfernungsangabe darauf geschrieben – die um 1980 noch in Resten zu erkennen war.

Es ist anzunehmen, dass die Umsetzung des Steines im kleinen Vierraden kaum beachtet wurde aber sein Fehlen irgendwann doch auffiel und daraus die Vermutung erwuchs, er sei für das Denkmal verwendet worden. Man bedenke dabei, dass die Postkutschen im eiligen Tempo ohne anzuhalten vorbei fuhren (Briefe und Pakete wurden nur in Schwedt umgeladen) und das Reisen blieb ohnehin den begüterten Personen vorbehalten - und der Stein stand ja auch noch einen guten Kilometer vor dem Ortseingang. Wie oft und wie genau haben sich die Menschen den Meilenstein wohl angesehen? Der in Prenzlau lebende Paul Menschell kam -wenn überhaupt- nur selten nach Vierraden und hat natürlich viel Erzähltes im guten Glauben übernommen. Jedenfalls hat er das Entstehen des Denkmals nicht persönlich erlebt, denn das hätte er sonst in seinem Buch ausführlicher beschrieben.

Während des Ersten Weltkrieges fielen das Bronzerelief und die Widmungstafel des Staegemann-Denkmals der Metallsammlung zum Opfer und nach dem Ende der Monarchie brauchte man auch keinem preußischen Staatsmann mehr zu gedenken. Weil das nun schmucklose Denkmal noch da stand, lag es nahe, es in ein patriotisches Kriegerdenkmal umzuwidmen.
Am 27. Oktober 1921 baute die Schwedter Firma Kettlitz mit einem Kran das alte Denkmal ab und in eben dieser Firma gestaltete der Steinbildhauer Georg Sandmann nach eigenem Entwurf den Stein für ein Denkmal der im Deutsch-Französischem Krieg von 1870/71 und im Weltkrieg gefallener Vierradener Bürger.
Mit schlicht eingehauener Inschrift und einem seitlich angebrachten „Eisernen Kreuz im Eichenkranz“ entsprach der Stein dem Zeitgeist. Auf einem einfacheren Sockel wurde es am gleichen Platz vor der alten Schule aufgestellt.
Die Finanzierung erfolgte nur durch Spenden und Eigenleistungen Vierradener Bürger, die auch mit großer Anteilnahme die feierliche Einweihung ihres Kriegerdenkmals am 5.4.1922 begleiteten.
Was nun die Diskussion um die Verwendung unterschiedlicher Steine anbelangt, kann dem Betrachter überlassen bleiben. 

Die Abbildungen zeigen von links das alte Staegemann-Denkmal, das 1922 errichtete Kriegerdenkmal –
beide auf alten Ansichtskarten und rechts ein aktuelles Foto des restaurierten und
1970 an einen neuen Standort versetzten Kriegerdenkmals.


Weshalb soll, wie zu lesen ist, für das neue Denkmal ein anderer Stein verwendet worden sein?
Und wenn tatsächlich, weshalb dann die verblüffend ähnliche (oder gleiche) Form?

Das Sparen galt damals sicher noch mehr als heute – und woher der Stein ursprünglich kam ist dabei doch völlig unerheblich.

Noch eine Bemerkung zu dem “verschwundenen“ Stein XIII.

Es ist durch Augenzeugen gesichert überliefert, dass dieser ehemals vor Schwedt in Höhe der heutigen Aral-Tankstelle stehende Ganzmeilenstein in den letzten Kriegstagen noch vorhanden und dann plötzlich nur noch in Bruchstücken zu finden war. Eine direkte Kriegseinwirkung scheidet mit großer Wahrscheinlichkeit aus, vielmehr ist von einer mutwilligen Zerstörung auszugehen.
Tatsache ist auch, dass die zuständige Straßenmeisterei Angermünde die Trümmer beseitigte. Ob aber der in Angermünde abgelegte Stumpf tatsächlich wie von Dietrich Kukla beschrieben, der Rest von Nr. XIII ist, muss bezweifelt werden. Weshalb sollte er nach Angermünde gebracht worden sein, wo doch viele bei Straßenbauarbeiten einfach mit eingegraben oder wie noch heute zu finden, einfach am Straßenrand abgelegt wurden.
So lag z. B. der am (fast) alten Standort in Schwedt wieder aufgestellte Viertelmeilen-Stein jahrzehntelang am Straßenrand hinter der Bushaltestelle am Felchower Chausseehaus.
Dieser Stein wurde übrigens anhand einer alten Ansichtskarte lokalisiert und stand nach Vergleichen mit alten Meilenangaben noch am alten Ort – ebenso wie der Stein Nr. XIII und noch einige andere entlang dieses alten Straßenzuges, die nach der “Kilometrierung“ nicht umgesetzt wurden. Nach alten Kursangaben waren es von Schwedt bis Berlin 13¼ Meilen (=99,375 km), was natürlich noch immer so ist.


 
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