Gedanken zum 300. Geburtstag Friedrich des Großen - und seine Beziehungen zu Schwedt - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Gedanken zum 300. Geburtstag Friedrich des Großen - und seine Beziehungen zu Schwedt

Heft 37

- von Wolfgang Ehrhardt

Der am 24.1.1712 geborene Friedrich II. von Hohenzollern wurde am 30.5.1740 Kur-fürst von Brandenburg und König im außerhalb des Deutschen Reiches gelegenen Preußen. Erst infolge seiner zahlreichen Kriege und nachdem Polen auf die Lehens-hoheit über Westpreußen verzichten musste, durfte er sich ab 1772 König von Preußen nennen und übernahm diesen Namen jetzt für sein ganzes Land.
Das ist auch der Hauptgrund, weshalb ihn seine Preußen bald “den Großen” nannten. Aber ob der gichtgebeugte und am Stock gehende alte König schon von seinen Zeit-genossen ehrenvoll “der alte Fritz” genannt wurde, darf bezweifelt werden.
Die Legendenbildung begann in der Kaiserzeit, mit den monumentalen Gemälden von Adolph Menzel, der dafür auch 1898 von Wilhelm II. geadelt wurde und erreichte im “Dritten Reich” seinen Höhepunkt. Verehrt wurde Friedrich II. besonders wegen seiner kriegerischen Erfolge von Leuten wie Napoleon und dem “größten Feldherrn aller Zeiten” Adolf Hitler.
Wenn in diesem Jahr mit zahlreichen Veranstaltungen dem 300. Geburtstag des “Philosophen von Sanssouci” gedacht wird, darf nicht vergessen werden, dass er ein absolutistischer Herrscher war, der von seinen Untertanen bedingungslosen Gehorsam verlangte und die meisten seiner heute viel gelobten humanitären Wohltaten nur aus der Not heraus geschahen, das durch seine jahrelangen Kriege verarmte und weitgehend entvölkerte Land vor dem Ruin zu bewahren. Sicher konnte er sich im Alter zurecht als ”Ersten Diener des Staates“ bezeichnen und z.B. auch nach der Trockenlegung des Oderbruchs mit Stolz behaupten “Im Frieden eine ganze Provinz gewonnen zu haben”.
Aber schaut man von Berlin und Potsdam etwas weiter weg, so finder man schon im Rheinland, ganz zu schweigen von Österreich und Polen, kaum jemanden, der ihn als “den Großen” bezeichnet – schon eher als den “schwulen Fritz”. 

Interessant ist zum Beispiel, dass die erste Briefmarke mit der Abbildung Friedrich II., die Mi.-Nr. 390 vom 1.11.1926, nur gegen große Widerstände im Reich erscheinen konnte, wovon bei der Ausgabe am 12. April 1933 (Mi.-Nr. 479-81) zur Eröffnung des neuen Reichstags keine Rede mehr war. ebensowenig wie heute im Jahre 2012...

Mit Schwedt war Friedrich II. seit frühesten Kindertagen eng verbunden. Immerhin war sein Vater, der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. Vormund der beiden minderjährigen Kinder seines 1711 verstorbenen Schwedter Cousins, Philipp Wilhelm. Und weil seine beiden erstgeborenen Söhne sehr früh starben, erzog er die Schwedter Buben “eigenhändig“ wie seine eigenen Kinder. Besonders der namensgleiche Friedrich Wilhelm wurde zum Liebling des Königs, weil er dessen grobe Lebensweise annahm, die ihn später auch zum “Tollen Markgrafen“ in Schwedt werden ließ.
Auch gab ihm der König seine 1719 geborene Tochter Sophie Dorothee Marie, einer Schwester Friedrich II., zur Frau. Der junge Friedrich wuchs also zeitweise neben seinen Onkels auf und wenn man sein Verhältnis zum Vater bedenkt, war er bestimmt nicht immer glücklich dabei. Durch die Heirat seiner Schwester wurde er zudem noch der Schwager des vom Vater geliebten und geförderten 12 Jahre älteren Verwandten aus der Provinz.
Als Friedrich längst König war, wurde es noch verworrener, denn 1755 heiratete sein jüngster Bruder August Ferdinand (geb. 1730) die Tochter Anna Elisabeth Luise seiner Schwester Sophie mit dem Markgrafen Friedrich Wilhelm.
Bei dieser Gelegenheit weilte Friedrich II. ebenso in Schwedt, wie er bei seinen zahlreichen Reisen nach Königsberg meist hier übernachtete.

Auch sind zahlreiche Briefe des Königs an seine Schwester und ihren Gemahl nach Schwedt erhalten. Oft ging es darin um die Willkür des Markgrafen. So wird dieser am 12. Mai 1761 “zum letztenmale wohlmeinend erinnert“, seine Untertanen gebührlicher zu behandeln:

“Durchlauchtigster Fürst,
Ew. Liebden werden aus dem copeylichen Einschlüsse mit mehreren ersehen, was der Rath und gesammte Bürgerschaft zu Bahn wegen verschiedener mit Dero Kammer zu Schwedt seit vielen Jahren geführter, und bishieher nicht zu Ende gebrachter Processe bei Mir immediate alleruntenhänigst vorgestellet und gebeten hat; Wenn nun Ew. Liebden leicht erachten können, daß Meine Geduld durch diese unterthanen Person und Bediente täglich fortdauernde Klagen ganz ermüdet ist, also will Ich dieselben hierdurch anderweit und zum letztenmale wohlmeinend erinnern, daß Sie denen Beschwerden so vieler Leute doch endlich abhelfen, und dadurch sowohl sich selbst als diese in Ruhe setzen. Mich aber zugleich von dem täglichen Ueberlauf befreien wollen, gestalt, wenn dieses nicht bald folget. Ich Mich werde gezwungen sehen, zu gänzlicher Steurung dieses Unwesens Ew. zc. von Dero Gütern und Unterthanen auf beständig zu entfernen, und das neben solche Veranlassungen zu machen, welche Ihnen gewiss nicht angenehm sein, und die Sie Hernachmals zu redressiren sich vergeblich bemühen werden. Ich wünsche, daß Dieselben es dazu nicht kommen lassen, vielmehr durch eine vernünftige Befolgung Meines gerechten Willens Mir Anlass geben mögen, bestandig zu bleiben Ew. Liebden ze.
Potsdam, den 12. Maji 1761.“

Der Brief ist zugleich ein beredtes Zeugnis für die Deutschkenntnisse des meist nur französisch sprechenden Monarchen.

Literatur:
- Schwierige Prinzen: Die Markgrafen von Brandenburg-Schwedt von Wintzingerode
- Brandenburgs Kurfürsten, Preussens Könige, Edition Rieger 2003
- Schwedter Jahreshefte


 
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