DIE THURN-UND TAXIS'SCHE POST; 160 JAHRE BRIEFMARKEN - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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DIE THURN-UND TAXIS'SCHE POST; 160 JAHRE BRIEFMARKEN

Heft 37

- von Konrad Fischer

Thurn und Taxis ist ein in den Hochadel aufgestiegenes Adelsgeschlecht, das seinen Aufstieg und Reichtum als Postunternehmer erlangte. Schon im 15. Jh. standen Mitglieder der Familie Taxis als Kuriere im Dienst des Papstes, wodurch sie auch den Habsburgern bekannt wurden. Und als Kaiser Maximilian I. im Jahre 1490 Innsbruck zu seiner Hauptresidenz gemacht hatte, brauchte er ein funktionierendes länderübergreifendes Nach-richtensystem zu seinem Sohn Philipp in den burgundischen Niederlanden und zu seiner Tochter Margareth, die am französischen Königshof lebte und betraute die Familie Taxis mit der Einrichtung eines Postkurses.
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Botendiensten richteten sie eine erste echte Post in Stafettenform ein, mit Reiter- und Pferdewechsel, wobei nur das Felleisen weitergereicht wurde. Der erste Postkurs verlief von Innsbruck aus durch Schwaben, Württemberg, über den Hundsrück, quer durch die Eiffel und Ardennen nach Mechelen bei Brüssel, dem poli-tischen Zentrum der habsburgischen niederländischen Provinzen. Dieser Botenkurs war der erste europäische Kurs, der sowohl eine örtliche als auch eine zeitliche Regelmäßigkeit aufwies und daher zu Recht als die Keimzelle des europäischen Postwesens gilt. Die Strecke von Innsbruck nach Mechelen wurde in 5½ Tagen bewältigt.

Die Thurn-und-Taxis-Philatelie ist ein weitgefaßtes Gebiet und kann hier nur angedeutet werden. Die Vielfalt der Erscheinungsformen reicht von “vorphilatelistischen” Briefen, die nicht einmal den Absendeort erkennen lassen über Briefmarken bis zu Ganzsachen und verschiedenen Formularen. Poststempel gab es seit etwa 1720, wobei sich der Prozeß der Stempeleinführung über Jahrzehnte hinzog. Briefmarken wurden bei der Thurn-und-Taxis-schen Post im Zeitraum vom 1.1.1852 bis 30.6.1867 verausgabt. Zunächst erschienen acht Marken, davon je vier in Silbergroschen- und in Kreuzer-Währung. Bis 1866 folgten vier weitere Ausgaben, insgesamt sind es 54 Marken sowie 34 Ganzsachen.
Marken in Groschen-Währung erschienen im nördlichen Bezilrk:
Kurfürstentum Hessen-Kassel, Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, Fürstentümer Schwarzburg-Sondershausen, Reuß jüngere Linie Gera, Reuß ältere Linie Greiz, Lippe-Detmold, Lippe-Schaumburg und in den Hansestädten Hamburg, Bremen und Lübeck.

Ein 3-Silbergroschen-Brief (U12A) aus dem nördlichen Bezirk: Das Wertzeichen wurde mit einem 
4-Ring-Nummernstempel “14” entwertet und der nebengesetzten K2-Stempel gibt den Aufgabeort mit Datum 
CASSEL 11.6.1862 an. Die Gebühr von 3 Sgr. entsprach einer Entfernung von mehr als 20 Meilen.


Marken in Kreuzer-Währung erschienen im südlichen Bezirk:
Großherzogtum Hessen-Darmstadt, Herzogtum Nassau, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Coburg, Fürstentümer Schwarzburg-Rudolstadt, Hohenzollern-Hechingen und Sigmaringen, Freie Stadt Frankfurt/Main und Landgrafschaft Hessen Homburg.

Der Brief (U 7A) aus aus FRANKFURT nach RUDOLSTADT im südlichen Bezirk kostete für die 
Entfernung von 15-30 Meilen 6 Kreuzer. Die Entwertung des Wert-Stempels erfolgte auch 
hier mit einem mit 4-Ring Nummernstempel, der Nr. 220.


Der Niedergang der Thurn-und-Taxis'schen Post begann mit der Verstaatlichung 1808 in Bayern. Preußen hat dann nach dem deutsch-österrelchischen Krieg1866 das thurn-und-taxis'sche Postwesen gegen 3 Millionen Taler Entschädigung endgültig beseitig; der Postablösevertrag vom 28.1.1867 besiegelte das Ende und ab 1.7.1867 waren alle thurn-und-taxis'schen Postanstalten preußische Postämter.

1990 gedachten die Postverwaltungen Österreichs der BRD, WB, DDR und Belgiens der 500-jährigen Wiederkehr des legendären Postkurses Innsbruck-Mechelen mit einer Gemein-schaftsausgabe bildgleicher Marken mit Albrecht Dürers “Kleinen Postreiter”.
Innerhalb der altdeutschen Staaten ist Thurn-und-Taxis ein klassisches Sammelgebiet und als Arbeitsgemeinschaft im BDPh e.V. vertreten.

Brief mit der DDR- Gedenkmarke mit dem kleinen Postreiter; Gebühr 35 Pfg. - für Ausland.


 
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