Ein nicht ganz alltäglicher “Retour-Brief“ - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Ein nicht ganz alltäglicher “Retour-Brief“

Heft 37

- von Wolfgang Ehrhardt

Es gibt zahlreiche Gründe dafür, dass ein Brief an den Absender zurückgeschickt wird, weil z. B. die Anschrift fehlerhaft ist, einfach die Postleitzahl vergessen wurde, der Adressat verzogen ist, ein Postformat oder seit neuestem die Farbe des Umschlags nicht den Vorschriften entspricht, die Freimachung nicht korrekt ist oder ganz fehlt.


Der abgebildeten Brief wurde am 30.6.1871 als Portofreie Dienstsache an das Königl. Landrats-Amt in Angermünde geschickt, gang aber zurück, wie der “Couv.(ert) retour“-Vermerk belegt. – Warum?


Die Begründung findet man auf einem rückseitigen Hinweis mit dem Stempel des Amtsagerichts: “Absender ist der H. Superindendent Breithaupt zu Schwedt a/O. welcher zur Tragung des Portos aus der Kirchenkasse verpflichtet ist.“

Der Brief aus Schwedt kam also unfrankiert in Angermünde an und die Post verlangte vom Landratsamt 2 Groschen fällige Gebühr (für den über 1 Lot schweren Brief), den es nicht zu zahlen bereit war und ihn zurück gehen ließ.
Per Gesetz waren schon zum 1.1.1870 die vielen bis dahin üblichen Portofreiheiten abgeschafft worden und nur “Den regierenden Fürsten des Norddeutschen Bundes, deren Gemahlinnen und Wittwen“ sowie den “reinen Bundesdienst-Angelegenheiten wurden Postsendungen jeder Art innerhalb des Norddeutschen Postgebietes“ noch portofrei befördert. Zur Frankierung jeder anderen Dienstkorrespondenz mussten zu den gültigen Tarifen nun Dienstmarken verwendet werden.

Schon lange vorher gab es jedoch schon Regelungen, wonach königliche Behörden unterfrankierte Briefe abweisen konnten. So schrieb das Gesetz über das Postwesen vom 5. Juni 1852 im § 30 unter anderem vor:
"Für alle durch die Post zu versendenden Gegenstände, denen nicht die Portofreiheit ausdrücklich zugestanden ist, müssen das Porto und die sonstigen Gebühren nach Maßgabe des Tarifs entrichtet werden. Insofern das Gegentheil nicht ausdrücklich bestimmt ist, können sowohl Briefe als Gelder und Packete nach der Wahl des Absenders frankirt oder unfrankirt zur Post gegeben werden. Eine theilweise Frankirung ist nicht zulässig. Hat der Adressat die Sendung einmal angenommen, so ist er zur Entrichtung des Porto und der Gebühren verpflichtet, und kann sich davon durch spätere Rückgabe der Sendung nicht befreien. Die Königlichen Behörden sind jedoch befugt, auch nach erfolgter Annahme und Eröffnung portopflichtiger Sendungen die Brief-Couverte zu dem Zwecke an die Post-Anstalt zurückzugeben, das von dem Absender nicht vorausbezahlte Porto von diesem nachträglich einzuziehen."
Spätere Reglements zu den Gesetzen über das Postwesen, z. B. vom 21.12.1860 und 11.12.1867 enthalten ebenfalls einen solchen Passus.

Literatur:
- Eine königliche Behörde als Empfänger von unterfrankierten Briefen von Peter Gaefke in Preußen-Studien 128 – 14
- Geschichte der Deutschen Post, Teil 2, NDP, von Sautter


 
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