Jeder kann Sammeln was er will! - Ein Rückblick auf mein bisheriges Sammlerleben - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Jeder kann Sammeln was er will! - Ein Rückblick auf mein bisheriges Sammlerleben

Heft 37

- von Konrad Fischer

Dieser Beitrag soll keinesfalls als "Belehrung" verstanden werden, wie man es machen soll. Angefangen habe ich als Kind mit 8 Jahren, und da mein Vater ein kleines Geschäft besaß interessierte ich mich für die auf der Geschäftspost klebenden Briefmarken, damals mit Kriegsmotiven und den Hitlermarken. Alles was "auf Brief" war wurde ausgeschnitten, abgeweicht und in einer Schachtel verstaut. Vieles war doppelt und es erfolgte ein Tausch auf der Treppe sitzend mit Klassenkameraden. Das änderte sich, als mein Vater nach dem Kriege einen Buchhalter einstellte, welcher Briefmarkensammler war. Was die Buchhaltung betraf, war er in wenigen Stunden damit fertig, und machte mit meinem Bruder und mir Schulaufgaben. Natürlich zeigten wir auch unsere "philatelistischen Schätze“.
Er war Generalsammler alter Schule; er sammelte nach Ländern gestempelt und strebte nach Vollständigkeit. Alles was sich in der genannten Schachtel befand wurde auf Rückseiten nicht mehr benötigter Geschäftsbriefe geklebt und nach einem Michel-Europakatalog von 1944, den er sich gegen Lebensmittel irgendwo beschafft hatte, geordnet.
Nach Schulabschluss, Studium und Eintritt ins Berufsleben erfolgte eine "sammellose" Zeit, und erst in Schwedt kam ich 1970 im hiesigen Verein wieder mit der Philatelie in Berührung. Die entstandenen Lücken konnte ich durch Tausch und Ankäufe wieder schliessen. Ich sammelte zunächst deutsche Gebiete nach 1945, also DDR, BRD und WB gestempelt. Die gestempelte Erhaltungsform habe ich bis heute beibehalten, da die Briefmarke als voraus zu zahlende Gebühr geschaffen wurde und auf den Brief zu kleben war, um danach mit einem Stempel entwertet zu werden.
Vorträge von namhaften Sammlern zwischen 1980 und 1990 in Schwedt, wie Horst Hille und Dr. Schollmeyer aus Leipzig zeigten mir, dass der Brief eine viel höhere philatelistische Aussage beinhaltet als die einzelne gestempelte Marke. Und so kam ich zur Exponat-gestaltung. Mein erstes Exponat mit dem Titel "... als sich die Wege trennten" (SBZ/DDR von 1948-1953) stellte ich 1988 erstmals in Schwedt aus.


Ein Beleg aus diesem Exponat ist der Brief vom 17.7.1948 aus der Zeit der Währungsreform, der mit einer “Bezirkshandstempel-Marke“ freigemacht, aber trotzdem mit einer Nachgebühr belegt wurde. Der Grund ist, dass die Handstempel-Provisorien nur bis zum 10.7.1948 galten! Interessant ist auch, dass der Empfänger die Nachgebühr (24 Pf. Brief- + 12 Pf. Strafgebühr) nicht bezahlte (rs. Hinweis: Annahme verweigert!) und der Brief an den Absender zurück ging.

Im folgenden will ich mich nicht über die Geschichte unseres Vereins auslassen, sondern einige Erfahrungen vermitteln, die auch andere Vereinsmitglieder machen konnten. Nur soviel sei noch erwähnt, dass unser Schwedter Briefmarken-Sammlerverein bis heute 5 Rang-3-Wettbewerbs-Ausstellungen, eine Rang-2-Jugend-Ausstellung, 5 Ein-Rahmen-Ausstellungen und 7 Briefmarkenschauen ausrichtete. Und etwa 10 unserer Vereinsmitglieder verfügen über Exponate, die von Rang 2 über Rang 1 bis hin zum internationalen Rang ausgestellt waren und beachtliche Bewertungen erzielen konnten.
Was will ich damit sagen? In diesen Sammlungen stecken auch Sachwerte, die wertbeständig sind. Und viele Sammler unseres Vereins, auch die General- oder Ländersammler, die in der Mehrzahl sind, bewegt die Frage, was wird aus meiner und/oder meinen Sammlungen, wenn mir das Alter einmal eine Grenze setzt? Denn in den wenigsten Fällen sind die Kinder und Enkel an der Fortführung oder Pflege des philatelistischen Materials des Vaters oder Opas interessiert.
Deshalb sollte bei Ländersammlungen, ob postfrisch oder gestempelt, auf einen Komplettaufbau hingearbeitet werden. Auch wäre m. E. sinnvoll, in eine Ländersammlung das eine oder Ganzstück (Brief, Ganzsachen usw.) mit einzufügen mit einer besseren Frankatur. Nachstehender Brief soll das als Beispiel verdeutlichen.


Der Zeughaus-Block B mit dem Sonderstempel auf einem Einschreiben (hier nach Leipzig mit rs. Ankunftsstemepl 17.12.) lockert eine Sammlung nicht nur auf – sondern wertet sie auch auf!

Wir erleben es immer wieder, dass uns bei Tauschvormittagen und Ausstellungen Briefmarken-Nachlässe, oft von DDR-Sammlungen ab der 60er und 70ger Jahre zur Begutachtung vorgelegt werden. Netto wurde hier eine Menge Geld investiert, welches nicht annähernd wieder hereingeholt werden kann; oftmals sind die Alben und Einsteckbücher mehr Wert als deren Inhalt. Enttäuscht ziehen dann solche Besucher wieder ab.
Die gegenwärtige Marktlage lässt eine Flucht in Sachwerte erkennen, vermutlich als Reaktion auf die Turbulenzen um den Euro. Deshalb ist die Nachfrage für die nichtalltägliche Ware so hoch wie selten; wobei Ganzstücke und Ausgaben kleiner Auflagen hervorragen. Besonders interessant sind dabei klassische Ausgaben bis 1870 und Zeppelinpost. Immer ist dabei auf gute Qualität zu achten, und fälschungsgefährdete Stücke sollten nur geprüft erworben, oder eine Prüfung veranlasst, werden.

Zum Beispiel wurde dieser Polen-Brief mit den oft gefälschten Germania-Aufdruckmarken Mi-Nr. 135 und 136 von den Prüfern Richter und Petryuk als “echt u. sehr schön; portogerecht gelaufen“ attestiert.

Zeppelin-Brief mit Prüfattest von der 50. Ozeanüberquerung des “Graf Zeppelin“, 
der sog. Chicago-Fahrt von 1933 über Südamerika.

Hierbei handelt es sich offenbar um einen seltenen Bedarfsbrief, der an den 1. Offizier des Lloyddampfers Alda in Valparaiso in Chile ging (rs. Ankunftsstempel 22. OCT. 33) und vom Landeort des Zeppelins im Brasilianischen Rio de Janeiro nach Chile weiter geleitet wurde.

Nach dem von mir Gesagtem sollte sich keinesfalls ein Vereinsmitglied entmutigen lassen, denn wie der Titel des Beitrags heißt: “Jeder kann sammeln was er will!“, ist doch unsere Freizeitbeschäftigung ein wunderbares Hobby, das viele Stunden der Freude und Entspannung schafft, den Horizont erweitert und das Allgemeinwissen vertieft; ein Philatelist weiß immer mehr als jemand, der sich nicht mit Philatelie beschäftigt.
Natürlich kostet die Briefmarken-Sammelei auch Geld, und es ist oftmals möglich, einen Teil der Aufwendungen wieder hereinzuholen. Bei anderen Leidenschaften ist das kaum der Fall, oder wie beispielsweise beim Pferderennen nur mit ganz viel Glück.

Literatur:
Briefmarkenspiegel Nr. 3 März 2012 52 Jg. S. 30-34
Michel-Kataloge Deutschland-spezial 2009, Bd. 2
Michel-Katalog Europa-Ost, Bd. 7 2011/12




 
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