Die Postspeditionsämter in Berlin in der preußischen Nummernstempel-Zeit - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Die Postspeditionsämter in Berlin in der preußischen Nummernstempel-Zeit

Heft 39

- von Dr. Hans-Werner Meiners, Angermünde

Die Postspeditionsämter in Preußen, deren Aufgabe es war, Briefe und Pakete bis zu 40 Pfund mit der Eisenbahn zu befördern, nahmen am 1. Mai 1849 ihre Arbeit auf. Allein in Berlin entstanden 4 Postspeditionsämter, deren Poststrecken und Besonderheiten in diesem Artikel beschrieben werden. Alle 4 Speditionsämter unterstanden bis zum 1. Januar 1851 dem Berliner Hofpostamt, ab dann der Oberpostdirektion Berlin. Am 18. Mai 1862 wurden die vier Postspeditionsämter endgültig in das System der Berliner Postexpeditionen ein-gegliedert.

Post-Speditionsamt I


Das Postspeditionsamt I am Potsdamer Bahnhof war für die Poststrecke Berlin-Minden sowie der Nebenlinien nach Harzburg und Halberstadt zuständig (siehe Übersichtskarte).

Berlin Potsdamer Bahnhof 
(Holzstich von 1840)










Ganzsache mit Zusatzfrankatur aus Berlin nach Stendal vom 26. September 1856, 
aufgegeben auf dem Potsdamer Bahnhof in Berlin


Der Potdamer Bahnhof war ursprüglich für die erste preußische Bahnline zwischen Berlin und Potsdam errichtet worden. Nachdem die Linie nach Magdeburg erweitert worden war, wurde der Bahnhof in Madgeburger Bahnhof umbenannt. Aus dieser Zeit ist auch der älteste Berliner Bahnpoststempel bekannt, ein dreizeiliger Langstempel BERLIN BAHNHOF mit der Datumsangabe in der dritten Zeile. Von 1845 bis 1851 wurde dann der Zweikreis-Stempel BERLIN MAGDEB. BAHNH. verwendet. Belege, die mit diesem Stempel als Aufgabestempel versehen sowie mit den am 15. November 1850 erschienenen Briefmarken freigemacht und dem Nummernstempel 104 entwertet wurden, zählen laut Kruschel zu den Raritäten der preußischen Bahnpost-Philatelie. In seinem Buch von 1987 erwähnt er insgesamt 8 Belege mit dieser Kombination. Ab Januar 1851 wurde dann der dreizeilige Kastenstempel mit der Inschrift BERLIN POTSDAMER BAHNH. als Aufgabestempel benutzt.
Die Poststrecke Berlin-Minden führte auch durch das Königreich Hannover und das Herzogtum Braunschweig. Daher war es möglich, dass Briefe mit Freimarken aus den genannten Staaten, die direkt am Zug aufgegeben wurden, ebenfalls mit dem Nummernstempel 104 entwertet wurden. Der Aufgabeort musste dann handschriftlich mit  blauer Tinte auf dem Brief hinzugefügt werden.

Zwei Marken aus Braunschweig, entwertet mit preußischen Nummernstempel 104
(Abbildungen 44.Auktion Potsdamer Philatelistisches Büro)

Postspeditionsamt II


Das Postspeditionsamt II am Anhalter Bahnhof war für die Bahnstrecken in die Herzogtümer Anhalt-Bernburg, Anhalt-Köthen und Anhalt-Dessau, die ebenfalls zum preußischen Postgebiet gehörten, zuständig. Außerdem wurden die Strecken nach Riesa und Leipzig im Königreich Sachsen bedient. In den letztgenannten Orten wurden Briefe und Pakete von der preußischen an die sächsische Post übergeben.
Ab dem 1. Juli 1842 erhielt der Anhalter Bahnhof sein Bahnpostamt. Als erster Aufgabestempel wurde ein Zweikreis-Stempel BERLIN ANHALT. BAHNH. verwendet. Dieser wurde noch bis zum 20. Dezember 1850 zusammen mit dem zur Entwertung der am 15. November 1850 erschienenen Freimarken benutzten Nummernstempel 105 abgeschlagen. Brief mit der Kombination dieser beiden Stempel zählen wegen der kurzen Anwendungszeit zu den großen Raritäten der preußischen Bahnpost-Philatelie. Laut Kruschel ist nur ein einziger Brief mit dieser Kombination bekannt. Ab dem 28. Januar 1851 wurde dann der dreizeilige Kastenstempel mit der Inschrift BERLIN ANHALTER BAHNH. eingeführt. 

Brief von Berlin nach Zinna vom 8. Oktober 1851, aufgegeben am Anhalter Bahnhof in Berlin. 
Der unten abgebildete Kursstempel Berlin-Leipzig stammt von der Rückseite dieses Briefs.

Als Kursstempel auf der Strecke Berlin-Leipzig wurde ein offener Kreisstempel verwendet. Die Abbildung zeigt diesen Stempel, der am 8. Oktober (1851) auf der 2. Tour von Berlin nach Leipzig verwendet worden ist. Das Abschlagen der Kursstempel war bei der Beförderung mit der Bahn vorgeschrieben, um die ordnungsgemäße und pünktliche Beförderung des Postgutes nachzuweisen.

Postspeditionsamt III


Das Postspeditonsamt III mit Sitz am Stettiner Bahnhof war für die Bahnstrecken Berlin-Hamburg (damit für die Verbindung mit dem preussischen Postamt in Hamburg) und Berlin-Stettin-Bromberg mit den Nebenstrecken nach Lübeck, Lauenburg und Posen zuständig. 
Sowohl am Stettiner als auch am Hamburger Bahnhof, der ebenfalls zum Postspeditionsamt III gehörte, wurden in der ersten Zeit nach Einführung der Freimarken die vorhandenen Zweikreisstempel für kurze Zeit (8. Dezember 1850 bzw. 18. Juni 1851) weiter verwendet. Trotz der längeren Verwendungzeit am Hamburger Bahnhof ist laut Kruschel kein einziger frankierter Brief mit dem Zweikreisstempel BERLIN HAMBURGER BAHNH. bekannt (mit dem Stempel BERLIN STETTINER BAHNH: nur ein Beleg). 


An beiden Bahnhöfen wurden danach dreizeilige Rahmenstempel als Aufgabestempel neben dem als Entwertungsstempel benutzten Nummernstempel 106 eingeführt, wobei die Kombination mit dem Stempel des Hamburger Bahnhofs seltener zu finden ist.

Stadtbrief Berlin, aufgegeben am Hamburger Bahnhof in Berlin


Sowohl in Hamburg als auch in Stettin befanden sich sogenannte Postspeditionsbüros, die dreizeilige Stempel ohne Rahmen als Aufgabestempel verwendeten. 



Postspeditionamt IV


Das am Frankfurter Bahnhof bestehende Postspeditionsamt war für die Bahnstrecken nach Frankfurt und nach Schlesien zuständig. Eine Besonderheit war der Bahnhof Görlitz, über den der grenzüberschreitende Brief- und Paketverkehr nach Sachsen abgewickelt wurde.
Von dem für den Frankfurter Bahnhof in der Vormarkenzeit vorhandenen Zweikreisstempel ist kein Beleg bekannt, bei dem dieser als Ausgabestempel in Kombination mit dem Nummernstempel 107 als Entwertungsstempel auftritt. Ab dem 1. Mai 1851 wurde ein dreizeiliger Rahmenstempel BERLIN FRANKFURTER BAHNH: als Aufgabestempel verwendet. 


Brief von Berlin nach Breslau vom 18.Juni 1853, entwertet mit dem Nummernstempel 107. Als Aufgabestempel wurde der dreizeilige Rahmenstempel BERLIN FRANKFURTER BAHNH: verwendet. Zusätzlich ist  der dreizeilige Kursstempel BERLIN-BRESLAU auf der Vorderseite des Briefes aufgesetzt worden, obwohl sich dieser gemäß Vorschrift auf der Rückseite befinden müsste.
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Literatur: 

  • Fritz Steinwasser "Berliner Post – Ereignisse und Denkwürdigkeiten seit 1237" transpress Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1988

  • Edgar Kuphal "Berlin-Stempel Aufgabe- und Entwertungsstempel",   Eigenverlag E.Kuphal, Berlin 1988

  • Walter Kruschel "Klassische Berliner Postgeschichte", Eigenverlag 1987



 
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