Wozu Briefmarkenprüfungen, nutzen diese überhaupt? - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Wozu Briefmarkenprüfungen, nutzen diese überhaupt?

Heft 39

- von Harry Lüdtke

Es kann auch in der Philatelie spannend sein. Es gibt Marken, die mit gleicher Hauptnummer geführt, aber verschiedene Farbvarianten oder Wasserzeichen haben. Das trifft für Marken vieler Nachkriegsausgaben, wie z.B. den Gemeinschaftsausgaben der Besatzungszonen und der dann einzelnen Zonen, aber auch für viele Freimarken der DDR zu. Ein Blick in den Spezialkatalog lohnt sich immer. 
Nur ein Beispiel: Die Marke Deutsches Reich Mi.-Nr. 86 II aus dem Satz „Germania Kriegsdruck" wird in 6 verschiedenen Farbvarianten und gestempelt mit Katalogwerten zwischen 1,80 bis 9.000 € ausgewiesen.
Wer kann als normaler Sammler, auch wenn er einen aktuellen Farbkatalog zu Hilfe nimmt, diese Farbnuancen zuordnen? Dazu gibt es Spezialgeräte. Aber noch wichtiger sind Experten mit entsprechenden Spezialkenntnissen. Für den Sammler ist es nicht einfach Höherwertiges von Normalem zu erkennen. 
So kann eine vom Sammler unbeachtete Marke durch einen zuständigen Prüfer als besonderes und im Katalog hoch bewertetes Sammlerstück erkannt werden. Wer hätte eine solche Marke nicht gerne in seiner Sammlung? Wenn auch selten, möglich ist alles. Nicht umsonst sind die Prüfer des BPP e.V. für bestimmte Gebiete zugelassen und haben besonderes Fachwissen und auch die dazu erforderlichen Geräte.


Also zumindest höherwertige Briefmarken und auch solche, für die Hinweise auf Fälschungen im Katalog ausgewiesen sind, sollten dem zuständigen Prüfer zur Prüfung vorgelegt werden. Auch Ausgaben mit kurzer Gültigkeit wie z.B. die Marken mit Handstempelaufdruck der SBZ, die wohl umfangreichste Dauerserie der Welt (BMS Nr. 3/2013, S. 93) zählen hierzu. Zwei zur Prüfung eingesandte Sätze v.g. Ausgabe wurden vom zuständigen Prüfer als falsch bzw. verfälscht gekennzeichnet.

Von Dr. Böheim als falsch gekennzeichnete Marke mit Handstempelaufdruck und Handstempelmarke mit Altprüfung, von Dr. Böheim als zweifelhaft nicht signiert

Ähnliche Ergebnisse ergaben Prüfungen bei gestempelten Inflationsausgaben. Postfrisch, hier billig, nutzen Fälscher zur Nachstempelung.
Ein anderes Beispiel: Wie wurden Sammlerstücke bis zur Entwicklung von Klemmtaschen meist aufbewahrt? Man klebte sie, überwiegend mit einem Falz versehen in ein Vordruckalbum ein. Es gab eben noch keinen Gummiwahn, der diese Marken heutzutage als ungebraucht einstuft. Es wurde das Bild auf der Marke und evtl. der Stempel beachtet. Entfalzt, mit Klebstoff versehen und im Internet als postfrisch etwas billiger angeboten, ergibt einen satten Gewinn. Ein Beispiel, die Marke DR 505B wird mit Falz im Michel-Katalog mit 140 € notiert, postfrisch mit 950 €. Im seriösen Briefmarkenhandel mit ca. 450 €, im Internet mit 250 € angeboten ein Schnäppchen, bringt sie dem Fälscher mindestens 200 € Gewinn.

DR Nr. 505A von Schlegel als mit gefälschtem Stempel signiert

DR Nr. 505B von Schlegel als mit gefälschtem Gummi signiert

„Geiz ist geil". Aber billig kann so auch teuer sein. Im Artikel “Die Zukunft der deutschen Philatelie" (philatelie Nr. 427, S.27) schreibt Dr. H.K. Penning “gerade auf Internetplattformen finden sich oft billigste, nicht einwandfreie und auch nicht selten gefälschte Ware. Verblüffend ... ist, dass man von Internetkäufern nur sehr selten etwas zum Prüfen erhält, obwohl es da besonders wichtig wäre".

Prüfungen werden auch abgelehnt, wenn die Stempel unleserlich sind.


Bei Zahnfehlern kann die Prüfung abgelehnt werden.




Auch bei Nachzähnung wird keine Prüfung durchgeführt.  Eigentlich hätte die Nachzähnung gekennzeichnet werden müssen.



Bei entfernten Falzen wird die Prüfung ebenfalls abgelehnt.


Aber jeder muss selbst entscheiden was und wie er sammelt. Eine dem Prüfer vorgelegte
Marke, egal ob es um Gummi, um Stempel, um die Zähnung oder um den Aufdruck geht, wie oben beschrieben, gibt Gewissheit zu „echt oder falsch". Nicht umsonst zitiert auch Wolfgang Maaßen. im Ratgeber für Briefmarkensammler „Augen auf beim Kauf und Tausch" auf S. 269 den von Lenin formulierten Satz: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser". Er sollte uns auf jeden Fall nachdenklich machen, aber auch nicht die Freude an unserem Hobby nehmen


 
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