Die Währungsreform 1948 in Deutschland - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Die Währungsreform 1948 in Deutschland

Heft 40

- von Werner Weidemann, Templin

Mit der Niederschlagung des faschistischen Deutschlands 1945 endete die Waffenbrüderschaft der Westalliierten und der UdSSR.
Grund hierfür war die politische Neugestaltung des besetzten Landes. US-Amerikaner, Briten und Franzosen wollten ein demokratisches und natürlich westliches Deutschland. Die Sowjetunion verfolgte eine andere Strategie: Deutschland sollte Teil eines gemeinsamen Blocks so genannter sozialistischer Staaten unter ihrer Führung werden.
Diese divergierenden Ansichten sind Grund für alle nachfolgenden Entscheidungen zum Nachteil Deutschlands. Es ist heute müßig darüber zu streiten, ob die Nichteinladung der UdSSR zur Londoner 6-Mächte-Konferenz oder der Austritt des sowjetischen Vertreters aus dem alliierten Kontrollrat Grund für die sich abzeichnenden Währungsreformen in Ost und West waren. Grundsätzlich hatte man sich im Kontrollrat bereits auf eine Währungs-reform für Deutschland geeinigt, denn der riesige Geldüberhang, das geringe Waren-angebot und der Vertrauensschwund in die Reichsmark verhinderten den Aufbau einer geordneten Wirtschaft. Es konnte jedoch keine Einigung erzielt werden - vielleicht war es auch gar nicht gewollt.
Schließlich wurde am 21. Juni 1948 in den Westzonen die neue Deutsche Mark eingeführt. Ersparnisse und Vermögen auch aus der Vorkriegszeit wurden im Verhältnis 10 zu 1 umgetauscht bzw. bewertet. Zweifellos vorhandene Ungleichheiten wurden durch ein Lastenausgleichsgesetz abgefedert.
Die Antwort der SMAD (Sowjetische Militäradministration für Deutschland) unter General Sokolowski ließ nicht lange auf sich warten. Mit Befehl 111 verfügte er eine Währungsreform für die SBZ und Groß-Berlin für den 23. Juni 1948. 
Wie auch in den Westzonen musste sich die sowjetische Besatzungszone gegen den ungewollten Zustrom von Reichsmarkbeständen aus dem jeweils anderen Währungsraum abschotten. Das Dumme war nur, die sowjetischen Druckereien konnten die neuen Banknoten nur in unzureichenden Mengen liefern. Dazu war die SBZ-Verwaltung mit der kurzfristigen Währungsreform völlig überfordert. 
In vielen Oberschulen mussten die Schüler der älteren Jahrgänge Reichsmark-Banknoten mit einem Kupon überkleben, die dann als neue Währung ausgegeben wurden. So waren diese Banknoten mit NS-Symbolen bis zur endgültigen Lieferung der neuen Banknoten weiterhin gültig. 
Bei dieser Währungsreform wurden die Vorkriegsersparnisse und Vermögen nicht berücksichtigt. Ab 1000 RM wurde ebenfalls im Verhältnis 10 : 1 umgetauscht.




Die SBZ -Währungsreform war für Gesamtberlin angeordnet. Die Kommandanten der 3 alliierten Sektoren erklärten den sowjetischen Befehl für null und nichtig und organisierten in Anlehnung an die Reform in den Westzonen am 25.06.1948 eine besondere Währungsreform. 





In  unterschiedlichen Gewichtungen waren jedoch beide Währungen Zahlungsmittel in Berlin West.
Das Saarland war bereits 1947 in den französischen Wirtschafts- und Währungsblock integriert worden und spielte bis 1957 monetär keine Rolle mehr.
Die Währungsreformen des Jahres 1948 sind postgeschichtlich und philatelistisch ein interessantes und spannendes Sammelgebiet, das von vielen Provisorien gekennzeichnet ist und von einer großen Anzahl Spezialliteratur begleitet wird. Die sich aus den unterschiedlichen Währungsreformen in den Zonen ergebenen Frankaturmöglichkeiten im Postverkehr sind vielfältig und können nur ansatzweise aufgeführt werden.
Da in der SBZ am 24.06. keine Postwertzeichen in der neuen Währung vorhanden waren, wurden auf Anordnung der Postverwaltung vorhandene Marken der Kontrollratsserie 2 mit dem Bezirkshandstempel (der eigentlich für den Stammteil von Post- und Zahlungsanweisungen vorgesehen war) überdruckt. Die Amtsvorsteher konnten bei fehlenden Werten auch Marken der 1. Kontrollratsserie und sogar Sondermarken "überdrucken“ lassen. Aufgrund der kurzen Nutzungsdauer, der vielen Abweichungen, der guten Ortszuordnungen wurden die Handstempelmarken ein beliebtes Sammelgebiet. Selbst in den USA gibt es noch heute eine Arbeitsgemeinschaft.
Seit dem 03. Juli waren die Maschinenaufdruck-Marken "Sowjetische-Besatzungs-Zone" an den Postschaltern erhältlich.


Da die Handstempelmarken noch bis zum 10. Juli gültig waren, konnten in dieser Zeit tolle Mischfrankaturen entstehen, zumal auch noch die unbedruckten Marken der Kontrollratsserien zu einem Zehntel ihres Wertes als Frankatur zugelassen waren. Mit der Köpfeserie 1 wurde die Zeit der Provisorien beendet.
Auch in der britischen und amerikanischen Zone musste man sich mit Provisorien behelfen, die aber bereits am 21.06. an den Postschaltern waren. Die Marken der Kontrollratsserien wurden mit Posthörnchen im Band- und Netzüberdruck versehen. Die vielen Unterschiede liegen im Druckverfahren, da die OPDen zur Beschleunigung die Aufträge an örtliche Druckereien vergeben mussten. So wie in der SBZ konnten die seitherigen Marken zum 1/10-Wert für einen begrenzten Zeitraum verwendet werden. Die Provisorien wurden durch die neue Bautenserie abgelöst.
Am besten hatte sich die Postverwaltung in der französischen Zone vorbereitet. Am Tage der Währungsreform waren bei allen PÄ in den 3 Teilgebieten Württemberg, Baden und Rheinland-Pfalz neue Marken der jeweiligen Serien Persönlichkeiten und Landschaften an den Postschaltern.
In Berlin führte die Weigerung der alliierten Kommandanten die Währungsreform der SBZ zu übernehmen, zur offenen Konfrontation. Das Kraftwerk Klingenberg stoppte die Stromversorgung nach Berlin West und die Blockade begann. In dieser aufgeheizten Stimmung musste der Postverkehr bewältigt werden. Alle Postwertzeichen der SBZ blieben weiterhin vorläufig gültig. Nach und nach wurden die Kontrollratsserien mit farbigen Überdruck "Berlin" versehen. Am 21.03.1949 wurde die DM-West zum alleinigen Zahlungsmittel erklärt und eigene Marken der Landespostdirektion kamen an die Postschalter. Die lange Übergangszeit vom Tag der Währungsreform bis zur Ausgabe eigener Postwertzeichen hat eine Unzahl von Mischfrankaturen ermöglicht, die von den Philatelisten gerne gesammelt werden. Im Band 2 des Deutschland Spezial hat der Verlag eine Übersicht vorgeschaltet, die alle Möglichkeiten von Mischfrankaturen auflistet. 

Facit:   Die Währungsreformen in West und Ost waren der erste Schritt zur über 40 Jahre  dauernden Teilung Deutschlands.


 
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