Der schottische Unabhängigkeitskrieg 1296 bis 1314 - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Der schottische Unabhängigkeitskrieg 1296 bis 1314

Heft 41

- von Dr. Hans-Werner Meiners, Angermünde 

Im September diesen Jahres findet in Schottland ein Referendum zur Unabhängigkeit Schottlands von Großbritannien statt. Der Termin ist mitnichten zufällig gewählt. Denn 700 Jahrezu-vor fand zu Mittsommer am Bannock Burn in der Nähe der Stadt Stirling in Schottland eine Schlacht statt, die das Verhältnis der schottischen zur englischen Nation grundlegend ändern sollte. War bis zu diesem Zeitpunkt das Königreich Schottland in den meisten Kämpfen dem Königreich England unterlegen, so unterstrich Bannockburn den Willen Schottlands zur Unabhängigkeit.

Edward I. von England hatte im Jahre 1296 die Schotten bei Dunbar vernichtend geschlagen. Neben anderen Beutestücken wurde auch der "Stone of Scone", auf dem alle bisherigen schottischen Könige gekrönt wurden, von Edward nach London verschleppt. Schottland wurde unter direkte englische Verwaltung gestellt. Im Frühjahr 1297 begann unter der Führung von William Wallace ein schottischer Aufstand, der dann mit der Schlacht an der Stirling Bridge am 11.September 1297 zum Erfolg führte. Im folgenden Jahr marschierte dann Edward noch einmal in Schottland ein und konnte den Schotten unter William Wallace bei Falkirk eine entscheidende Niederlage beibringen. 1305 wurde William Wallace durch Verrat gefangengenommen und wenig später in London wegen Hochverrat durch Hängen, Ausweiden und Vierteilen hingerichtet. 




Neben der Familie Bruce hatte auch die Famile Comyn Rechte auf die Krone von Schottland. Während eines Streits in der Kirche von Dumfries im Februar 1306 verwundete Robert Bruce John Comyn tödlich. Daraufhin wurde Bruce vom Papst mit dem Kirchenbann belegt. Robert Bruce ließ sich im März 1306 in Scone, dem traditionellen Krönungsort, zum schottischen König krönen. Allerdings war er ein König ohne Königreich.




Nach mehreren Niederlagen gegen Adelsaufgebote musste Robert auf die vor der schottischen Westküste gelegenen Hebriden fliehen. Von dort begann er dann ab 1307 mit den wenigen verbliebenen Anhängern und der Unterstützung des Clans MacDonald Überfälle auf die Engländer, die ihm in Folge die Anerkennung und die Unterstützung des schottischen Adels brachte. In den Folgejahre konnten Robert Bruce und seine Brüder immer größere Teile Schottlands von den Engländern befreien. So konnte im Frühjahr 1314 die Burg von Edinburgh durch einen kühnen Handstreich erobern. Nur die Besatzung der Burg von Stirling widerstand noch der Belagerung. Um die Belagerung abzukürzen, einigten sich Engländer und Schotten darauf, dass die Burg von Stirling an die Schotten übergeben wird, wenn die Burg bis Mittsommer 1314 nicht durch englische Truppen unterstützt werden kann.



Edward II., König von England seit 1307, war somit gezwungen, die wichtigste Festung in Schottland zu unterstützen. Es gelang ihm, ein Heer von bis zu 25000 Mann mit mindestens 2500 Rittern aufzustellen und dieses in die Umgebung von Stirling zu führen. Am 23.Juni 1314 trafen die englischen Truppen an der Furt des Bannock Burn ein. Dort hatte sich ein schottisches Heer von höchstens 9000 Mann unter Robert Bruce versammelt. Es gelang der schottischen Infanterie, einen Angriff der Vorhut von 500 Rittern abzuschlagen. Am ersten Tag der Schlacht spielte sich auch die bekannteste Episode der Schlacht von Bannockburn ab. Robert Bruce hatte sich vor die Reihen seiner Kämpfer begeben, allerdings ohne Rüstung und nur auf einem Pony reitend. Während er seine Männer anfeuerte, wurde er von einem englischen Ritter, mit angelegter Lanze angegriffen. Robert Bruce konnte dem Angriff auf dem wendigen Pony ausweichen und spaltete dem Ritter mit seiner Streitaxt den Kopf. 


Der folgenden Tag begann mit einem überstürzten Angriff der englische Reiterei auf die schottische Infanterie. Durch den Angriff waren aber die englischen Bogenschützen nicht in der Lage, ihren verheerenden Pfeilhagel auf die dicht gedrängte schottische Infanterie abzuschießen. Durch einen Flankenangriff der gesamten leichten Kavallerie der Schotten auf die Bogenschützen wurde die neben der schweren Kavallerie gefährlichste Einheit der Engländer ausgeschaltet. Gleichzeitig rückte die schottische Infanterie vor und trieb die gesamte englische Armee auf den Bannock Burn zurück. Viele Engländer verloren auf der Flucht über den Fluss ihr Leben. Auch der König Edward II. musste um sein Leben bangen und zog sich auf schnellstem Wege nach England zurück.



Die Schlacht brachte nicht sofort die Unabhängigkeit von England. Mit der Deklaration von Arbroath 1320, die auch eine Fürbitte des schottischen Adels und der Geistlichkeit an den Papst für ihren immer noch mit dem Kirchenbann belegten König darstellt, wurde der Papst gebeten, sich für die Unabhängigkeit Schottlands von England einzusetzen. 




Die Ereignisse des Unabhängigkeitskrieges und die Schlacht von Bannockburn hat die schottische Geschichte und Literatur bis heute beeinflusst. So wurde die Schlachtaufstellung der 21 schottischen Clans bei Bannockburn in vielen folgenden Schlachten gegen die Engländer immer wieder angewandt, auch bei der letzten Schlacht bei Culloden 1746. Die Worte, die Robert Bruce vor der Schlacht zur Ermunterung seiner Kämpfer gesprochen haben soll (now is the day, now is the hour), sind Teil des Gedichtes von Robert Burns „Scots wha hae wi Wallace bled“. Der Stone of Scone wurde 1996 nach 700 Jahren wieder zurück nach Schottland gebracht. 

Am 11.September 1997, dem Jahrestag der Schlacht an der Stirling Bridge, stimmte die Bevölkerung von Schottland für die Einführung eines Regionalparlaments für Schottland.




 
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