Die Entwicklung der elektrischen Telegraphie in Preußen 1849 bis 1867 - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

Suchen
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Die Entwicklung der elektrischen Telegraphie in Preußen 1849 bis 1867

Heft 42

- von Dr. Hans-Werner Meiners, Angermünde

Die elektrische oder besser elektromagnetische Telegraphie in Preußen nahm ihren Anfang im Jahre 1840, als der Direktor des Königlich preußischen Telegraphenkorps Oberstleutnant O'Etzel dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. einen selbst konstruierten Telegrafenapparat vorstellte. O'Etzel erhielt daraufhin den Auftrag, eine Telegrafenlinie zwischen Berlin und Potsdam auf der Basis dieses Apparates zu konstruieren. Im August 1846 wurde diese erste elektrische Telegrafenlinie zwischen Berlin und Potsdam mit einer Länge von 26,5 km parallel zu der existierenden optischen Telegrafenlinie eingeweiht. Diese oberirdische Telegrafenlinie erwies sich als so zuverlässig, dass die optische Linie von Potsdam nach Berlin 1853 endgültig eingestellt wurde. 
Neben dem bekannten Morseapparat gab es in der Anfangszeit der Telegrafie eine Vielzahl von Sende- und Empfangssystemen. 1839 erfand Charles Wheatston einen Zeigertelegraf. Das Gerät basiert auf einem manuell einstellbaren Zeiger, dessen Stellung zum Empfangsapparat gesendet wird und den dortigen Zeiger in die gleiche Lage bringt. So können unkompliziert die einzelnen Buchstaben eines Textes übermittelt werden, ohne sie wie beim Morsealphabet erst codieren zu müssen. 1846 entwickelte August Kramer eine verbesserte Version des Zeigertelegrafen. Dieser Apparat wurde 1847 von Werner Siemens und Johann Georg Halske industriell hergestellt und auf nahezu allen preußischen Telegrafenlinien eingesetzt. 
Für die Übermittlung mit den von Samuel Morse 1833 entwickelten Schreibtelegrafen wurde zunächst ein einfacher Zifferncode mit zehn Ziffern verwendet, wobei die Buchstaben aus den einzelnen Ziffern übersetzt wurden.  

Ab 1838 hatte ein Assistent von Morse dann einen Code entwickelt, der auch Buchstaben umfasste. Dieser Code wurde von der amerikanischen Eisenbahn und von Telegrafen-Unternehmen innerhalb der USA bis in die 1960-er Jahre verwendet. In Deutschland entwickelte der Hamburger Telegrafeninspektors Friedrich Clemens Gerke aufgrund der Schwierigkeiten mit den Pausen zwischen den einzelnen Zeichen einen deutlich einfacheren Code, der 1865 auf dem Internationaler Telegrafenkongress in Paris als Internationaler Morsecode anerkannt wurde. Morsegeräte wurden auch in Preußen, besonders aber in Österreich und Bayern verwendet. Neben den Telegrafenlinien der preußischen Regierung, die in der Regel vom Militär genutzt wurden, gab es auch die Telegrafen-Verbindung der Eisenbahn-Gesellschaften. Diese wurden für die Abwicklung des Zugverkehrs genutzt. Bis 1849 war eine Nutzung der existierenden Telegrafenverbindungen, die Anfang 1850 eine Länge von 2170 km hatten, durch Privatpersonen ausgeschlossen. Das änderte sich mit der Gründung der Königlich Preußischen Telegraphen-Direction im März 1849, die wie auch das Königlich preußische Post-Departement, dem Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten unterstellt. Zum Direktor wurde Friedrich W. Nottebohm (1808-1875) ernannt, der auch als Vertreter Preußens die Verhandlungen zum Deutsch-Österreichischen Telegraphen-Verein führte. . 
Für die Beförderung zwischen den einzelnen Teilen Preußens waren häufig Vereinbarungen mit anderen deutschen Staaten notwendig. Um 1848 eine Telegrafen-Verbindung zwischen Berlin und Frankfurt/Main errichten zu können, war es für die preußische Regierung notwendig, Verträge mit insgesamt 7 Staaten abzuschließen. Außerdem bestanden 
Probleme bei Telegrammen, die die Landesgrenzen überschritten. Ein Telegramm von Berlin nach Wien wurde bis zur Grenzstation in Preußisch-Oderberg übermittelt, dort wurde dieses niedergeschrieben und an die österreichischen Telegrafenbeamten übergeben, die dann das Telegramm erneut eingeben mussten. Grund hierfür waren die unterschiedlichen Systeme (Preußen: Zeigertelegraf, Österreich: Morsetelegraf), die zur Übermittlung der Telegrammen verwendet wurden. 
Die anfangs in Preußen als Freileitung gebauten Telegrafenleitungen mussten wegen sich häufender Kupferdiebstähle, die größere Ausmaße annahmen, bald als Erdkabel verlegt werden. 

Auszug aus dem Amtsblatt der Königl. Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin, 1851, Heft 3 


Von den Mitgliedern der Kommission, die mit der Anlage der Telegrafenleitungen betraut waren, hatte sich nur Werner Siemens gegen die Verwendung von Erdkabeln ausgesprochen. Alle anderen hatten die Kosten zur Verhinderung von Diebstählen und Beschädigungen der oberirdischen Leitungen im Auge. Durch die ungenügende Isolierung der Erdkabel kam es Anfang der 1850-er Jahre häufig zum Ausfall der Linien. Bis 1856 wurde dann die Mehrzahl der Leitungen in Preußen als oberirdische Freileitung verlegt. Den Schuldzuweisungen hierfür fiel ausgerechnet Werner Siemens zum Opfer. Seiner gemeinsam mit dem Mechaniker Johann Georg Halske gegründeten Telegraphenbauanstalt wurden sämtliche Aufträge entzogen. Aufgrund der technischen Probleme bei der Weiterleitung von Telegrammen im grenzüberschreitenden Verkehr und Schwierigkeiten bei der gegenseitigen Abrechnung solcher Telegramme gründeten Bayern, Österreich, Preußen und Sachsen im Jahre 1850 in Dresden den Deutsch-Österreichischen Telegraphen-Verein (DÖTV). 
Im dazu geschlossenen Vertrag wurde eine baldige Verwendung des Morsetelegrafen mit dem von Gerke entwickelten “Morsealphabets“ vereinbart. Die weitere Verwendung des Zeigertelegrafen von Siemens und Halske für Telegrammen innerhalb Preußens war weiterhin möglich. 
Hinsichtlich der Gebühren wurde eine Vereinheitlichung beschlossen. Allerdings richtete sich die vereinbarte Gebühr nach der Wortzahl und noch nach der tatsächlich durchlaufenen Strecke auf den Telegrafenlinien. Trotzdem führte diese Vereinbarung zu einer deutlichen Verringerung der Gebühren für das Publikum. Auch für die innerstaatlichen Telegramme wurden in kürzester Zeit die Abrechnungsvorschriften des DÖTV übernommen, da diese die Berechnung der Gebühren deutlich vereinfachten. Wichtig war auch die Vereinbarung zur Aufteilung der eingenommenen Gebühren für die grenzüberschreitenden Telegramme. 
Bei der Folgekonferenz 1851 in Wien wurde dann endgültig vereinbart, die in den Vereinsstaaten eingerichteten Zentralstationen mit einheitlichen Morseschreibern auszustatten, um die Übertragung der grenzüberschreitenden Telegramme zu vereinfachen. 
So war es 1850 noch notwendig, ein Telegramm von Dresden nach München nicht auf dem kürzesten Weg über die Station in Hof zu schicken, sondern über Wien, da auf diesem Wege wegen der technischen Ausstattung der Zentralstationen Wien und München die schnellste Telegramm-Übermittlung erfolgen konnte. Außerdem wurde in Wien beschlossen, dass für die Berechnung der Gebühren ab sofort die kürzeste geographische Entfernung zugrunde gelegt werden sollte. Bei dieser Konferenz trat auch Württemberg dem DÖTV bei. 
In Preußen (und auch in Sachsen, das dem preußischen Beispiel der Erdverkabelung gefolgt war) konnte der Netzausbau wegen des notwendigen Umbaus von unterirdischen zu oberirdischen Leitungen in den ersten Jahren noch nicht der Geschwindigkeit des Ausbaus in Bayern und Österreich folgen. Alles in allem verlängerten sich die Telegrafenlinien in Preußen von 2150 km (1850) auf 7270 km (1860). 1864 hatten die Telegrafenlinien in Preußen eine Länge von 11500 km erreicht. 

Bei der Konferenz 1853 in Berlin wurden Hannover und die Niederlande in den DÖTV aufgenommen, wodurch der Telegrafenverkehr mit Großbritannien vereinfacht wurde. Weiter wurde beschlossen, unter Betreuung durch die preußische Telegrafen-Verwaltung eine Vereinszeitschrift (Zeitschrift des Deutsch-Österreichischen Telegraphen-Vereins) aufzulegen, die in regelmäßigen Abständen über neue wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Entwicklungen auf dem Gebiet der elektrischen Telegrafie informieren sollte. Außerdem wurde in dieser Zeitschrift über die in den Vereinsstaaten in Betrieb stehenden, in Bau befindlichen bzw. geplanten Telegrafenlinien berichtet. Auch finden sich in dieser Zeitschrift statistische Angaben zum Umfang der beförderten Telegramme. 
Neben dem Ausbau der Telegrafenlinien war der DÖTV auch darum bemüht, die Zahl der Telegrafenstationen zu erhöhen. Als dann die DÖTV-Konferenz von 1853 in Berlin es den Eisenbahn-Gesellschaften erlaubte, private Telegramme zu befördern, führte das zu einer raschen Zunahme von Telegrafenstationen im Vereinsgebiet. 

Arbeitsplatz eines preußischen Telegraphisten um 1850 


Unter anderem erhielt auf diese Weise auch Angermünde am 3. Oktober 1858 eine dem öffentlichen Verkehr zugängliche Telegrafenstation: 

Auszug aus dem Amtsblatt 1858, Heft 41 


Fast gleichzeitig erhielt auch Prenzlau eine Telegrafenstation, wie aus dem nachfolgenden Auszug aus dem Regierungsamtsblatt von 1858, Heft 41 hervorgeht. Über Prenzlau und Pasewalk wurde 1858 eine zusätzliche Linie nach Swinemünde gebaut. Diese Linie bestand nur aus einem Draht, während die Linie Berlin-Angermünde immerhin 5 Drähte umfasste, von denen einer nach Prenzlau und vier nach Stettin führten. 


In den 1860-er Jahren wurden bevorzugt kombinierte Stationen angelegt, bei denen Postanstalt und Telegrafenstation in einem Gebäude untergebracht wurden. Diese Kombination sparte der Telegrafen-Verwaltung Kosten für die sonst notwendigen Telegramm-Boten, da die Depeschen nun durch die Briefträger der Postanstalt ausgetragen wurden. 

1864 wurden in Schwedt und Angermünde mit den jeweiligen Postämtern verbundene Telegrafenstationen eröffnet. In den Amtsblättern der Jahre 1864, Heft 41 und 34 heißt es dazu: 





 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü