Die Geschichte des Fernsprechers - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Die Geschichte des Fernsprechers

Heft 42

Mit dem Gedanken der elektrischen Sprachübertragung beschäftigten sich im 19. Jahrhundert verschiedene Forscher. Jedoch erst Philipp Reis gelang der entscheidende Durchbruch. Reis befasste sich nach seiner Schulentlassung mit Naturwissenschaften und Mathematik. Nach einer Pädagogikausbildung übernahm er 1858 am Ganierschen Institut in Friedrichsdorf bei Bad Homburg eine Lehrerstelle. In seiner freien Zeit erfand er einen Apparat, mit dem er die Funktionen der Gehörwerkzeuge veranschaulichen und Töne verschiedener Art reproduzieren konnte. Reis nannte diesen Apparat “Telefon“. Von 1861 bis 1864 führte er in verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen sein Telefon vor, dass er in dieser Zeit ständig weiter verbessert hatte. 
Doch Reis konnte seine Erfindung nicht mehr weiter entwickeln – er starb im Alter von 40 Jahren. Im Jahr 1867 konstruierte der Amerikaner Alexander Graham Bell, der sich eingehend mit der Erfindung von Philipp Reis vertraut gemacht hatte, ein betriebsfähiges Telefon. Auf Veranlassung von Generalpostmeister Stephan begann die Deutsche Reichspost 1877 erste Versuche mit Bell-Apparaten. Die Telefone, denen Heinrich Stephan die Bezeichnung “Fernsprecher“ gab, wurde das “Reiss-Telephon zunächst nur im Telegramm-Übermittlungsdienst verwendet. Privatleute hatten zuerst kein Interesse an Fernsprechanschlüssen. Nach einer intensiven Werbekampagne wurde 1881 in Berlin die erste Stadtfernsprech-Vermittlungsstelle mit Klappenschränken für max. 50 Teilnehmeranschlüssen eingerichtet. 
Weitere Vermittlungsstellen wurden in den größeren Städten des Deutschen Reiches eingerichtet, wodurch die Teilnehmer Ferngespräche führen konnten. Die Gesprächsdauer wurde damals mit Sanduhren gemessen. Zu den ersten Fernsprechern gehörte eine Batterie, die zum Anruf der Vermittlungsstelle und zur Mikrofonspeisung nötig war (Ortsbatteriesystem). Mit Beginn des 20. Jahrhunderts baute man größere Vermittlungsstellen nur noch im Zentralbatteriesystem. Die Fernsprechbesitzer brauchten sich damit nicht mehr um Batterie ihres Fernsprechers zu kümmern. Schon kurze Zeit nach der Einführung des Fernsprechers durch die Deutsche Reichspost beschäftigten sich verschiedene Firmen mit der Konstruktion von Fernsprechapparaten. Dabei spielte neben der praktischen Nutzanwendung auch der individuelle Geschmack eine entscheidende Rolle. Insbesondere die Tischapparate kamen in vielfältigen Formen heraus. 
Der im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert aufkommende Jugendstil mit seinen Naturformelementen und seiner eigenwilligen Linienführung machte sich bei der Gestaltung der Telefone bemerkbar. Nach wenigen Jahren jedoch ließ das Interesse an Luxustelefonen nach. Es wurden jetzt die von der Deutschen Reichspost zur Verfügung gestellten Fernsprechapparate benutzt. Auch hier gab es ansprechende Entwicklungen, wie zum Beispiel den Tischapparat aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts, der auf beiden Seiten mit einem prächtig ausgemalten Reichsadler geschmückt war. 
Grundsätzlich neue Apparate kamen ab 1908 auf den Markt. In diesem Jahr wurde in Hildesheim die erste europäische Wählvermittlungsstelle eingerichtet. Dafür wurden an die Teilnehmer Fernsprecher mit einer Wählscheibe geliefert. Eine ausführliche Gebrauchsanweisung beschrieb den Wählvorgang. Da viele Teilnehmer bei ihren ersten Wählversuchen die im Beispiel angegebene Nummer anwählten, konnte sich der Hildesheimer Bürger, dem diese Nummer zugeteilt worden war, bald nicht mehr vor Anrufen retten. In den folgenden Jahren richtete man auch in anderen deutschen Städten WählVermittlungsstellen ein. Der Selbstwählferndienst wurde 1923 erstmals bei der Deutschen Reichspost in Bayern eingeführt. Mit dem umfassenden Ausbau des Selbstwählferndienstes konnte jedoch erst nach dem 2. Weltkrieg begonnen werden. 
Der schrittweise Ausbau begann mit dem vereinfachten Selbstwählferndienst über die vollständige Automatisierung im Selbstwählferndienst bis zum elektronisch gesteuerten Wählsystem (EWS 1). Dieses neue System arbeitet mit Computern und ermöglicht dem Fernsprechteilnehmer bessere und vielseitigere Nutzung seines Fernsprechanschlusses. Dazu gehört der Fernsprechapparat mit 12 Tasten anstelle der Wählscheibe. 


 
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