Der amerikanische Bürgerkrieg – das Jahr 1864 - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Der amerikanische Bürgerkrieg – das Jahr 1864

Heft 42

- von Dr. Hans-Werner Meiners, Angermünde 

Wegen seiner Erfolge im Westen wurde General Ulysses S. Grant im Frühjahr 1864 zum Oberbefehlshaber der gesamten Truppen der Nordstaaten ernannt und kam nach dem Osten, um dort bei der Potomac-Armee sein Hauptquartier aufzuschlagen. Das Kommando über die Einheiten im Westen wurde General Sherman übertragen. Grant sicherte sich die strategische Führung, überließ aber Meade (den Sieger von Gettysburg) das Kommando über die Potomac-Armee. Als Sheridan dann noch das Kommando über die Kavallerie übernahm, waren die besten Generäle des Nordens in führenden Kommandos und die Tage der Konföderation schienen gezählt. 




Wilderness und Spotsylvania 

Nach der Schlacht von Gettysburg im Jahre 1863 versuchten die Potomac-Armee des Nordens und die Nordvirginia-Armee des Südens sich gegenseitig auszumanövrieren. Nach Übernahme des Oberkommandos entschied sich Grant Anfang Mai 1864, die Nordvirginia-Armee unter Lee erneut in der Gegend von Chancellorsville in der sogenannten Wilderness anzugreifen. Die Potomac-Armee überquerte erfolgreich den Rapidan und marschierte nach Süden. Die Nordvirginia-Armee griff, von Westen kommend, auf die Flanke der Potomac-Armee an, konnte aber deren Marsch, trotz heftiger Kämpfe, nicht aufhalten. Grant gab am nächsten Tag den Befehl, die rechte Flanke Lees anzugreifen. 





Fast wäre an dieser Stelle auch der Durchbruch gelungen, aber Lee hatte hier den Angriff von Longstreets Korps geplant und konnte damit den Vormarsch der Nordstaaten stoppen. Ein gleichzeitiger Angriff auf die linke Flanke der Unionstruppen führte bei diesen dann zur vollkommenen Verwirrung. Vorbereitungen zum Aufbruch wurden von den Soldaten und Offizieren der Nordstaaten fälschlicherweise als Anzeichen zum Rückzug interpretiert. Die Moral der Potomac-Armee stieg aber, als deutlich wurde, dass das Marschziel Spotsylvania im Süden lag. Nach mehreren Tagen heftigster Kämpfe, die fast zum Durchbruch der Linie der Nordvirginia-Armee geführt hatten, überflügelte die Potomac-Armee erneut die rechte Flanke der Südstaaten-Armee. Die Kämpfe in der Wilderness und am Spotsylvania Court House zählen zu den blutigsten des gesamten Bürgerkrieges. 

Petersburg 

Auf dem Weg nach Süden gelang es Grant, Lee's rechte Flanke ein ums andere Mal zu überflügeln. Durch den Tod von General Stuart, dem legendären Führer der Südstaaten-Kavallerie, bei Yellow Tavern waren die Einheiten der Kavallerie nicht in der Lage, den genauen Standort und die Richtung des Vormarsches der Potomac-Armee zu erkunden. Daher gelang es Grant mit Hilfe der wohl längsten Pontonbrücke der Kriegsgeschichte am 14. Juni 1864 die Überquerung des James River mit 2 Korps. Diese sollten sofort auf Petersburg marschieren und diesen wichtigen Eisenbahn-Knotenpunkt einnehmen. Durch die Einnahme von Petersburg wäre Richmond, die Hauptstadt der Konföderation vom Rest der Südstaaten abgeschnitten gewesen. 

Allerdings gelang es den zahlenmäßig unterlegenen Südstaaten-Einheiten unter General Beauregard, alle Angriffe der Nordstaaten bis zum Eintreffen der Nordvirginia-Armee von General Lee abzuwehren, wobei allerdings die Verteidigungsstellung bis zum Stadtrand von Petersburg zurück genommen werden musste. Auch die Potomac-Armee des Nordens war in voller Stärke vor Petersburg angelangt. Weitere Sturmangriffe brachten allerdings kaum Erfolge, da die vorhandenen Truppen durch die bisherigen Kämpfe dezimiert waren. Daher begannen auch die Einheiten des Nordens ihre Stellungen zu befestigten. Viele der Stellungen hatten bereits das Aussehen der Schützengräben des 1. Weltkriegs. Die Absicht des Südens bestand darin, die Belagerung von Petersburg wenigstens noch einige Monate auszuhalten und die Kämpfe für die Nordstaaten besonders verlustreich zu gestalten. 1864 waren die Wahlen für den Präsidenten und der Süden erhoffte sich einen anderen Präsidenten als Abraham Lincoln, der eventuell den Krieg beenden würde, ohne die absolute Forderung nach der Abschaffung der Sklaverei aufrechtzuerhalten. Die Kämpfe vor Petersburg sollten noch bis in das Jahr 1865 andauern. 

Mobile Bay 

Am 5.August 1864 begann die Marine der Nordstaaten unter Admiral Farragut ihren Angriff auf die letzten noch vorhandenen Kriegsschiffe der Südstaaten in der Bucht von Mobile. Die Einfahrt in die Bucht wurde von 3 Forts bewacht. Die Flotte von 14 hölzernen Schiffen und 4 Panzerschiffen lieferte sich zunächst ein heftiges Duell mit dem größten der 3 Forts. Um über den Pulverdampf seines Flaggschiffes hinwegsehen zu können, ließ sich Farragut an den Großmast seines Schiffes binden. Obwohl der schmale Kanal in die Bucht vermint war (ein vorausfahrendes Panzerschiff fuhr auf eine und sank), befahl Farragut die Weiterfahrt mit den Worten “Die Torpedos sind mir piepe“. Es gelang ihm, die Flotte sicher durch das Minenfeld zu führen. 




In der Bucht angekommen, konnte die dort liegende Flottille der Südstaaten zusammengeschossen werden. Darunter befand sich auch das gewaltige und schwerfällige Panzerschiff Tennessee, eine der größten Schiffskonstruktionen aller Zeiten. In den folgenden 3 Wochen gingen durch kombinierte Operationen von Heer und Marine auch die 3 Forts für die Südstaaten verloren. Die Stadt Mobile selbst verblieb in der Hand der Konföderierten. 



Atlanta 

Auf dem Kriegsschauplatz im Westen hatte General Sherman das Kommando übernommen. Sein Ziel war die schnelle und möglichst verlustarme Eroberung von Atlanta sowie großer Teile des nördlichen Georgia. Dadurch ein wichtiger Eisenbahn-Knotenpunkt sowie ein entscheidendes Industriezentrum in die Hände der Nordstaaten gefallen. Andererseits war der Norden Georgias für die Versorgung der Südstaaten mit Nahrungsmitteln von großer Bedeutung. 






Sein Gegenspieler bei den Kämpfen in Georgia nördlich von Atlanta war Joe Johnston, der wie kein anderer die Defensive im Kampf bevorzugte. Johnston hatte seine Truppen in den Bergen der Rocky Face Ridge Stellungen ausheben lassen, um Sherman die einzige Eisenbahn-Linie auf dem Weg nach Atlanta zu versperren. Anstatt die Stellungen direkt anzugreifen, umging eine Einheit Shermans am 9. Mai 1864 die linke Flanke Johnstons, woraufhin sich Johnston nach Süden auf vorbereitete Verteidigungsstellungen zurück zog, um selber nicht von der auch für ihn lebenswichtigen Bahnstrecke nach Atlanta abgeschnitten zu werden. 
Dieses Spiel wiederholte sich in den folgenden Wochen immer wieder, wobei die Verluste auf beiden Seiten im Vergleich zu den blutigen Kämpfen in der Wilderness und bei Spotsylvania sehr gering blieben. Shermans größtes Problem bestand während des gesamten Vormarsches in der Sicherung der Eisenbahnlinie gegen Überfälle durch gegnerische Kavallerie. Bereits am 9. Juli musste Johnston nach mehreren Rückzügen Stellungen am Peachtree-Creek beziehen, kaum 10 Kilometer vor Atlanta, nachdem Sherman eine Umgehung der rechte Flanke Johnstons am Chattahoochee gelungen war. Wenig später übernahm General Hood das Kommando, da Johnstons Truppen trotz geringer Verluste nahezu das gesamte Gebiet des nördlichen Georgia hatten aufgeben müssen. Johnstons Operationsplan sah außerdem durchaus die Aufgabe Atlantas vor. Hood führte dann seine Einheiten zu Angriffen auf Shermans Flanken. Nach diesen Angriffen bereiteten sich die Nord- und Südstaaten-Einheiten auf eine lange Belagerung vor. Aufgrund des anfälligen Versorgungsweges über nur eine Eisenbahnstrecke sagte die Presse der Nord- und Südstaaten im August Sherman ein baldiges Scheitern der Belagerung voraus. Am 26. August schienen sich die Hoffnungen des Südens auf einen Rückzug Shermans zu erfüllen, denn nahezu alle Nordstaaten-Einheiten waren aus der direkten Umgebung von Atlanta verschwunden. Sherman hatte jedoch die Konföderierten im weiten Bogen umgangen, um auch die letzten Verbindungswege der Stadt abzuschneiden. Nach einigen erneut verlustreichen Angriffen Hoods gegen diese Truppen, entschloss sich Hood am 1. September, Atlanta zu evakuieren; nicht ohne alles zu zerstören, was von militärischem Nutzen war. Dabei kam es zu dem auch aus dem Film “Vom Winde verweht“ bekannten Brand von Atlanta. Am 2. September zogen dann die Nordstaaten-Truppen mit klingendem Spiel in Atlanta ein.  

Marsch durch Georgia 

Nach dem Rückzug aus Atlanta schien die Tennessee-Armee unter Hood sich in die Wälder Georgias zurückzuziehen. Stattdessen plante Hood, nach Norden zu gehen und Tennessee erneut zu erobern. Sherman sollte auf diese Weise von der Versorgung abgeschnitten und letztendlich zum Rückzug gezwungen werden. General Sherman hingegen sandte die Hälfte seiner Truppen (auch diejenigen, die bislang die Bahnlinie bewacht hatten) auf direktem Wege nach Tennessee und marschierte am 15. November mit dem Rest seiner Einheiten in Richtung Savannah am Atlantik. Auf dem 450 Kilometer langen Marsch durch Georgia plünderten und zerstörten die Einheiten Shermans alles, was irgendwie von militärischem Wert sein konnte und zeigten auf diese Weise, dass die Südstaaten nicht mehr in der Lage waren, den Besitz ihrer Bewohner zu schützen. Ende Dezember konnte Savannah erobert werden. Hood hatte hingegen weniger Glück. Trotz einiger Anfangserfolge gegen unterlegene Nordstaaten-Einheiten wurde er am 15. Dezember bei Nashville in Tennessee vernichtend geschlagen und gab einen Monat später das Kommando über die Tennessee-Armee zurück. 

Sanitätswesen im amerikanischen Bürgerkrieg 

Nach den Erfahrungen aus dem Krimkrieg in den 1850er Jahren, in dem 2/3 der Todesopfer auf Seiten der verbündeten Franzosen und Briten durch mangelhafte Versorgung der Verwundeten und Kranken in den Lazaretten verursacht wurden (trotz des Wirkens von Florence Nightingale), wurde der medizinischen Versorgung der Verwundeten und der Kranken im Verlaufe des Krieges in den USA größere Aufmerksamkeit gewidmet. Nach wie vor waren die Militärmusiker für das Bergen der Verwundeten vom Schlachtfeld zuständig. Sanitäter im heutigen Sinne wurden erst gegen Ende des Bürgerkrieges eingesetzt. 
Zuständig für die Aufsicht des Sanitätswesens im Norden wurde 1861 die United States Sanitary Commission, eine private Organisation, die zunächst die Missstände in der medizinischen Betreuung der Nordstaaten-Armee, Insbesondere in der zuständigen Verwaltung aufzeigte. Gleichzeitig warb die Commission mit selbst gesammelten Spendengeldern Ärzte für die Lazarette an und kaufte Verbandszeug, Medikamente und Lebensmittel. Frauen in der Sanitary Commission wurden als freiwillige Krankenschwestern eingesetzt. Außerdem konnten Soldaten aus den Lazaretten Briefe über die Sanitary Commision verschicken lassen, wenn sie entweder nicht schreiben konnten oder aufgrund ihrer Verwundung nicht selbst in der Lage waren, Briefe zu schreiben. 

Brief eines Soldaten aus einem Lazarett in Washington, über die 
United States Sanitary Commision versandt (4.Gärtner-Auktion) 


Eine der bekanntesten Frauen, die als Krankenschwester in Lazaretten der Nordstaaten wirkte, war Clara Burton. Vor dem Krieg arbeitete sie als Sekretärin im Patentamt. Außer ihrer Tätigkeit als Krankenschwester sammelte sie Arzneien und Vorräte, um diese persönlich in den Feldlazaretten zu verteilen. Gleichzeitig kümmerte sie sich um Verwundete und machte gleichgültigen Armeeärzten wegen mangelhafter Hygiene die Hölle heiß. Ihre Kriegserlebnisse veranlassten Clara Burton, nach dem Krieg für den Beitritt der USA zum Internationalen Roten Kreuz zu kämpfen. 16 Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs war ihr Kampf mit der Gründung des amerikanischen Roten Kreuz von Erfolg gekrönt. 




Auch im Süden übernahmen Frauen freiwillig die Pflege der Verwundeten und Kranken. Wie auch im Norden gab es in der Armeeführung zunächst Widerstände gegen den Einsatz von Frauen in den Lazaretten. Doch bald zeigte sich, dass diese freiwilligen Krankenschwestern bessere Arbeit leisteten als die eigentlich dafür zuständigen Pfleger der Armee. Eine der bekanntesten Krankenschwestern aus dem Süden war Phoebe Pember. Bekannt wurde sie dadurch, dass sie alle von ihr betreuten Verwundeten mit selbstgemachter Hühnerbrühe versorgte. 




Kriegsgefangenen-Post 

Ein besonderes Kapitel im amerikanischen Bürgerkrieg stellen die zehntausende Kriegsgefangene und deren Behandlung durch die Kriegsparteien dar. Der Norden behandelte die gefangenen Südstaatler vergleichsweise gut. So erhielten die Gefangenen bis zum Jahr 1864 die gleiche Ration wie die Soldaten der Nordstaaten, ab dann wurde die Ration auf Befehl von General Grant auf die offizielle Ration der Südstaaten-Armee gekürzt. Da die Zahl der gefangengenommenen Nordstaatler die der kriegsgefangenen Südstaatler bei weitem übertraf und aufgrund der allgemein schlechteren Versorgungslage im Süden, waren die Bedingungen in den Gefangenenlager (z.B. Andersonville in Georgia und das Libby-Gefängnis in Richmond) besonders schrecklich. Daher war der Norden zunächst bestrebt, einen schnellen Gefangenenaustausch zu betreiben. Ende 1863 wurde dieser jedoch unterbrochen, weil der Süden sich einerseits weigerte, auch gefangene schwarze Soldaten auszutauschen. Diese wurden entweder nach ihrer Gefangennahme sofort erschossen oder aber als Sklaven verkauft. Andererseits wurde der Süden bei diesem Austausch bevorzugt, da die freigelassenen Südstaatler zumeist sofort wieder kampffähig waren. Währenddessen waren die freigekommenen Nordstaatler zu ausgezehrt und krank, um in absehbarer Zeit erneut kämpfen zu können. Post aus den Gefangenen-Lagern in die Heimat war möglich, musste aber durch den Gefangenen selbst bezahlt werden. Die Übergabe der Post an die gegnerische Seite fand in der Regel unter Parlamentärsflagge (by flag of truce) statt. 


Kriegsgefangenen-Post aus dem Gefangenenlager Point Lookout der Nordstaaten nach North Carolina mit der jeweils gültigen Frankatur mit einer 3-Cent-Marke der US-Post und zwei 5-Cent-Marken der Südstaaten. Während die 3-Cent Marke bereits bei der Aufgabe entwertet wurde, wurden die 5-Cent-Marken in Richmond entwertet. Außerdem wurde auf dem Brief ein großer ovaler Zensurstempel abgeschlagen. (20. Gärtner-Auktion)


Brief aus dem Gefangenenlager in der Nähe von Columbia (South Carolina) nach New York. Freigemacht ist der Brief mit einer 3-Cent-Marke der US-Post und einer 10-Cent-Marke der Konföderierten. Beide Marken wurden in Charleston entwertet. Anschließen wurde nur die US-Marke mit einem stummen Stempel entwertet. Port Royal war bereits im November 1861 durch die Nordstaaten erstürmt worden. (623. Kelleher-Auktion)


 
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