Volksabstimmungen im Saarland 1935 und 1955 - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Volksabstimmungen im Saarland 1935 und 1955

Heft 43

- von Eckhard Baumunk

Teil 1

Vor 80 Jahren wurde im Januar 1935 die erste Volksabstimmung an der Saar vollzogen. Sie beruhte auf einem Beschluss der Siegermächte des l. Weltkrieges und war in Versailles festgelegt worden.
Nach der Versailler Konferenz wurde das Saargebiet 15 Jahre lang von einer international besetzten "Saarkommission" geführt; in welcher aber Frankreich tonangebend war. Die Dominanz Frankreichs war so stark, dass sie alle deutschen Beamten auswies, 5000 Soldaten das Saarland ständig besetzt hielten und die deutsche Industrie einschließlich den Bergbau übernahm.
Damit war ein Zankapfel geschaffen, der nur über die beschlossene Volksabstimmung gelöst werden konnte.
In den Monaten vor der Volksabstimmung tobte ein heftiger Wahlkampf. Frankreich besaß den Heimvorteil und das Deutsche Reich keinen unmittelbaren Zugriff zu den Wählern.

Nur innerhalb des Deutschen Reiches kam ein Werbestempel
"Saar-Abstimmung 13. Januar 1935" zum Einsatz

Und trotzdem, als am 13. Januar 1935 unter Aufsicht des Völkerbundes gewählt wurde, stimmten
 - 90,8 % der Saarländer für den Anschluss an das Deutsche Reich
 - 8,8 % für die Selbständigkeit der Saar und nur
 - 0,4 % für den Anschluss an Frankreich.

Hitler erreichte damit einen innenpolitischen Triumph ohne selbst aktiv gewesen zu sein. Es war die erste " Reichserweiterung" nach der Niederlage im 1. Weltkrieg und wurde von Hitler als Plebiszit für seine "Bewegung" schamlos ausgenutzt.

Am 1. März 1935 ging das Saargebiet wieder in das Deutsche Reich ein.

Teil 2

Vor 60 Jahren, im Oktober 1955, wurde im Saarland die zweite Volksbefragung durchgeführt. Dabei ging es wieder um die Frage: Wie und unter welcher Herrschaft entwickelt sich das Saarland weiter?
Nach dem 2. Weltkrieg war das Saarland in die Französische Besatzungszone eingegliedert worden und 1947 als Protektorat Frankreichs teilautonom.
Demokratische Grundrechte wie: Meinungsfreiheit, Bildung von und Arbeit in politischen Parteien (wie in der BRD) u.a.m. waren stark eingeschränkt oder verboten. Folgerichtig wuchs damit unter der Bevölkerung der Protest gegenüber Frankreich.

Die politischen Parteien der Bundesrepublik waren hinsichtlich der Saarlandfrage zunächst zerstritten, sodass es Konrad Adenauer selbst war, der mit der separatistischen Saar-Regierung ein neues Saarstatut ausarbeitete und in die Pariser Verträge im Oktober 1954 einbrachte.
Das führte schließlich zu der für den 23. Oktober 1955 festgelegten Volksbefragung.

Ersttagsbrief des Saarlandes zur Volksbefragung

Dabei ging es um die Zustimmung der Bevölkerung des Saarlandes zum Europäischen Saarstatut, was keine Eingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschlands vorsah. Das Saarland sollte seine enge wirtschaftliche Verbindung zu Frankreich behalten und von einem europäischen Kommissar geführt werden.

Das Abstimmungsergebnis am 23. Oktober 1955 lautete:
 - Zustimmung zum Europäischen Saarstatut - 32,29 %
 - Ablehnung des Europäischen Saarstatuts - 67,71 %
 - Wahlbeteiligung - 97,55 %

Dieses Votum gegen das Europäische Saarstatut wurde als Ausdruck des Willens der Bevölkerung zu einem Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland angesehenDer Beitritt wurde am 1. Januar 1957 als zehntes Bundesland der BRD vollzogen.


 
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