Andere Sammelgebiete: Telefonkarten - das etwas andere Sammelgebiet - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Andere Sammelgebiete: Telefonkarten - das etwas andere Sammelgebiet

Heft 43

- von Winfried Schleicher und Wolfgang Ehrhardt  

Wer erinnert sich in einer Zeit der Handys und i-Phons mit ihren modernen Kommunikationsmöglichkeiten SMS, Words-App oder Face Time noch daran, da man zum Anrufen erst eine Telefonzelle aufsuchen musste - und welcher Fortschritt es war, einfach eine Telefonkarte in den Schlitz des Apparates stecken zu können, anstatt erst nach passendem Kleingeld zu suchen?
Die nur 54x85 mm große Plastik-Karte fand weltweit eine rasche Verbreitung und wurde zu einem willkommenen Werbeträger für alle möglichen Institutionen und zum begehrten Sammelstück für Millionen Menschen. Noch nie hat sich ein Alltagsprodukt so schnell zu einem Sammelobjekt entwickelt. Die Telefonkarte war zu ihrer Zeit die perfekte Synthese eines alltäglichen Gebrauchsgegenstandes mit einem elektronischen High-Tech-Produkt und einem Marketinginstrument mit Werbeeffekt.
Im Laufe der Zeit nutzten die einzelnen Länder verschiedene Telefonkartensysteme. Dabei haben sich Chipkarten-Systeme oft als besonders fälschungssicher herausgestellt und haben andere Systeme ersetzt. Weitere häufig genutzte Systeme waren das Magnetstreifen-System sowie induktive Karten, die eine Induktionsspule beinhalteten. Parallel dazu hat sich in vielen Ländern ein Calling-Card-System entwickelt, bei dem das Guthaben nicht auf der Karte selbst, sondern beim Telekommunikations-Dienstanbieter gespeichert wird und durch einen auf der Karte befindlichen frei zu rubbelnden Zugangscode geschützt wird. Diese Karten müssen nicht in das Telefon geschoben werden. Zu Beginn der 1990er-Jahre waren in einigen Ländern optische Karten verbreitet, die ebenfalls über Magnetstreifen verfügten.
Die Geburtsstunde der deutschen Telefonkarte lag 1893 in Bayern. Für die Benutzung der immer mehr werdenden öffentlichen Telefonzellen verkaufte die Post an ihren Schaltern nummerierte Berechtigungsscheine die an Straßenbahn-Billets erinnerten. Ein Gespräch von 5 Minuten Dauer kostete 25 Pfennig, für Abonnenten 10 Pfennig. Bei Gebrauch wurden die Billets gestempelt oder durch Abreißen einer Ecke entwertet. Es folgten auch weitere Wertstufen zu 50 Pf und 1 Mark. Der Name des Ausgabeortes wurde jeweils auf die Billets gedruckt. Ab 1. Januar 1889 gab man spezielle, aufwändigere gestaltete "Telefon-Billets" aus, um Fälschungen vorzubeugen, wie sie bereits in Belgien, Frankreich, Monaco und Österreich in Verwendung waren.
Als am 20. Juni 1983 die ersten öffentlichen Kartentelefone Deutschlands in Betrieb genommen wurden, war die Frage noch völlig offen, für welches System von Kartentelefonen man sich entscheiden sollte. Um das Beste herauszufinden, wurden in 4 unterschiedlichen Gebieten vier verschiedene Anlagen mit jeweils rund 30 Geräten erprobt. Die T-Serie umfasste Telefonkarten aus vier Testversuchen, die1983 - 1986 verkauft oder verteilt wurden. Die Testgebiete waren Frankfurt, Bonn/Aachen, Goslar und Bamberg. Die dabei verwendeten Testkarten sind heute Raritäten.
Schließlich entschied sich die Deutsche Bundespost für das ausbaufähige Chipsystem von Siemens, das am 16. Dezember 1986 bundesweit eingeführt wurde.
Nach Angaben der Deutschen Telekom nutzten mehr als 33 Millionen Deutsche die Telefonkarte, um damit bundesweit an über 95.000 Telefonkarten-Automaten bargeldlos zu telefonieren.
Die deutschen Telefonkarten tragen fortlaufende Kontrollnummern zunächst farblos eingestanzt, später auch aufgedruckt. Seit 1986 siebenstellig links oben, seit 1987/88 siebenstellig rechts oben und seit 1989 elfstellig.

Die 11-stellige Nummer enthält folgende Bestandteile:

1. Ziffer: die Herstellerfirme 0 = Orga, 1 = Giesecke & Devrient, 2 = Oldenbourg, 3 = GemPlus, 4 = Solaic, 5 = Uniqa, 6 = Schlumberger
2. Ziffer: das Produktionsjahr 9 = 1989, 1 = 1990, 2 = 1991 u.s.w.
3.+4. Ziffer: den Produktionsmonat 01 = Januar, 02 = Februar u.s.w.
ab 5. Ziffer: die fortlaufende Produktionsnummer z.B. 9113385

Wie bei den Briefmarken, gibt es bei den Telefonkarten auch unterschiedliche Serien:

A-Serie: Eigenausgabe der Telekom im Abonnement mit Eigenwerbung oder für von der Telekom gesponserte Veranstaltungen. Diese Karten wurden als Kontaktgabe auf den Markt gebracht und zu verschiedenen Anlässen als Dank abgegeben.

AD-Serie:  Dauerausgabe im Abonnement, 1996 bis 1999. Ergänzung zu den A-Karten. Die Auflagenhöhe wurde erst nach Beendigung der Produktion bekannt und nicht auf der Karte aufgedruckt. Herausgabe von nur 2 Motiven pro Jahr.

B-Serie: Benefizausgabe 1992/1993 von nur 6 Karten zum Ausgabepreis von 15 DM, die eine Spende von 3 DM enthielten. 

C-Serie:  Collector-Serie seit 2000 zur Erprobung neuer Ideen und Technologien. Extravagant durch den Einsatz von besonderen Materialien, außergewöhnlichen Herstellungsverfahren oder technischen Innovationen. Exklusiv nur für die Abonnenten, mit einer festen Motivanzahl von 4 Stück pro Jahr.

E-Serie: Von dieser Editionsausgabe der DeTeMedien, der ehemaligen Deutschen Postreklame erschien seit
1991 jährlich eine Serie mit 4 Karten mit Themen
aus den Bereichen Post- und Fernmeldewesen
sowie Telekommunikation.

K-Serie: Diese Karten für Kundenwerbung mit Sammelbelieferung gab es seit 1987, sie waren nicht am Postschalter erhältlich, ihr Vertrieb erfolgte nur durch DeTeMedien.

KD-Serie: Diese Business-Message-Karten wurden als Werbegeschenke und Kunden-Dank seit 2000 nur in individuell beschriebenen oder bedruckten Foldern abge- geben. Jährlich erschienen 4 Motive, die Auflagezahlen wurden nicht aufgedruckt.


M-Serie: Diese exklusiven Merchandising-Karten in Verbindung mit sammelwürdigen Produkten von Kooperationspartnern zu Themenbereichen aus Kunst, Musik und Medien, speziell für entsprechende Fans, erschienen in limitierter Auflage ab 2000.

N-Serie: Diese Karten 1989-92 in geringer Auflage als persönliche Visitenkarten in Verbindung mit der motivgleichen K-Serie hergestellt.

O-Serie: Diese Karten dienten seit 1992 ausschließlich der Kundenwerbung (DeTeMedia) und wurde auch nur
vom Auftraggeber vertrieben


P-Serie:  Schalterausgabe mit Eigenwerbung der Deutschen Telekom, seit 1986. Es war die erste Schalterserie. Vorläuferausgaben erschienen bereits ab 1986 im Großraum Stuttgart, also noch parallel zu den verschiedenen Testgebieten. Seit 1988 tragen die P-Karten eine Kennung.

PD-Serie: Dauerausgabe mit Eigenwerbung seit 1992, Die PD-Karten erscheinen ergänzend zu den P-Karten. Es handelt sich wie bei den AD-Karten um Telefonkarten mit Dauermotiven, die während des Jahres bei Bedarf nachproduziert werden.

R-Serie:  regionale Schalterausgabe mit Fremdwerbung seit 1995, wurden nach Nielsen-Gebieten (definierte Wirtschaftgebiete) vertrieben und waren speziell auf die Bedürfnisse werbetreibender Unternehmen zugeschnitten. Damit konnten Werbekampagnen zeitlich und räumlich konzentriert ideal begleitet werden. Mindestauflage: 150.000 Stück

S-Serie:  Schalterausgabe mit Fremdwerbung seit 1988 von der DeTeMedien GmbH akquirierter Fremdfirmenwerbung. Bis Ende 1994 erschienen diese Karten zur besseren Werbestreuung mit regionaler und mit bundesweiter Verteilung, seit 1995 waren sie grundsätzlich bundesweit erhältlich.

T-Serie:  Testkarte für Versuchszwecke in einem Testgebiet zur regionalen Erprobung (1983-89).

V-Serie:  Exklusive VIP (very important person)-Werbekarten der Deutschen Telekom 1990 bis 1991 die als Kontaktgabe für besondere Personengruppen (Kongressteilnehmer, Großkunden, Meinungsbildner usw.) oder als Visitenkarten für Minister, Staatssekretäre und Vorstandsmitglieder dienten. Die Serie wurde Ende 1991 ersatzlos eingestellt.

W-Serie:  Werbeausgabe der Deutschen Bundespost (Telekom) 1986 bis 1989 als Kontaktgaben, mit denen der Postkunde an das "Telefonieren mit Telefonkarten" herangeführt werden sollte. Meist mit nur 5 Einheiten geladen, sollten sie, kostenlos verteilt, zum Ausprobieren der neuen Telefonzellen-Generation animieren. Später wurden sie gezielt auf Fachmessen und Ausstellungen als Kontaktgaben für potentielle bzw. als "Dankeschön" für bereits geworbene Kunden eingesetzt. In dieser Zeit war häufig Werbung für besondere Dienste, Organisationen oder Veranstaltungen der Post aufgedruckt. Ende 1989 wurde diese Serie eingestellt, sie gilt als Vorläufer der A-Serie.

X-Serie:  Werbeausgabe der DeTeMedien seit 1988, die von Anfang an fortlaufend durchnummeriert wurde. Sie waren nur über die DeTeMedien zu bekommen.

Von 1986 - 1992 wurden acht verschiedene Modulversionen von Chips verwendet.

An den unterschiedlichen Ausführungen der einzelnen Karten ist ersichtlich, dass das Telefonkartensammeln ernsthaft betrieben, zur Wissenschaft werden kann. Da die Telefonkarte jedoch die ganze Welt erobert hat und es unzählige Motive gibt, sind dem Sammeleifer keine Grenzen gesetzt.

Man kann nach Serien, Ländern oder den verschiedensten Motiven sammeln. Dieses dann auch noch unterteilt in gebrauchte oder ungebrauchte (postfrische) Karten. Als Alternative zum serienmäßigen Komplettsammeln haben sich wie beim Briefmarken- oder Ansichtskartensammeln die Heimat- Sammlungen etabliert, die nach topographischen oder oder historischen Sichtweisen gestaltet werden können.
 
 



So gibt es in allen Telefonkartenserien solche, die einzelne Städte oder Bundesländer zeigen. Das Sammeln nach Motiven bietet jedem die Gelegenheit, aus der Fülle an Telefonkarten des ln- und Auslandes seine persönlichen Favoriten auszuwählen. Begonnen hat das Sammeln nach Motiven wie bei den Briefmarken. Das ist sicher auch einer der Gründe, weshalb sich eine große Zahl Philatelisten für die Plastikkarte begeisterte. Denn auch bei den Telefonkarten spielt die Erhaltung eine große Rolle.
 
 
 
 
 
 
 
 

 


 
  

 
 
 

 
 
Sonderausgabe des Postdienstes im Folder
Die Epoche der deutschen Telefonkarten mit ihren Serien und der Vielfalt an Motiven und technischen Besonderheiten kann als ein interessantes abgeschlossenes Sammelgebiet betrachtet werden, das weiterhin seinen Reiz auf viele Sammler ausübt. Da der große Boom in Deutschland jedoch vorbei ist, finden die verbliebenen Liebhaber heute ihre "Spielwiese" vorwiegend im Internet. Dort kann jeder Interessent seine Informationen und auch seine fehlenden Exemplare erwerben.

 
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