Der amerikanische Bürgerkrieg – das Jahr 1865 - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Der amerikanische Bürgerkrieg – das Jahr 1865

Heft 44

- von Dr. Hans-Werner Meiners, Angermünde

Während zu Beginn des Jahres 1865 an der Front von Petersburgh und Richmond in Virginia nur kleinere Scharmützel stattfanden, trat General William T. Sherman von Savanna in Georgia seinen Marsch nach Norden durch South Carolina und North Carolina an. Neben der Absicht, die Nord-Virginia-Armee bei Petersburgh unter General Lee von Süden her zu bedrohen, sollte das noch vorhandene Kriegspotential der beiden Carolinas wie zuvor in Georgia durch Zerstörung und Plünderung vernichtet werden. Gerade South Carolina, der Staat, von dem die Sezession und damit der Bürgerkrieg ausging, war von den Kriegsfolgen bislang im wesentlichen verschont geblieben. Mitten in einem der regenreichsten Winter dieser Zeit gelang es Sherman mit seinen Truppen,
mehrere Hochwasser führende Flussläufe in Süden South Carolinas in Rekordzeit zu überwinden und eine tägliche Marschgeschwindigkeit von 10 Meilen zu erreichen. Jeder im Süden, aber auch im Norden erwartete, dass die Stadt Charleston, in deren vorgelagerter Bucht das zu Beginn des Krieges bombardierte Fort Sumter lag, hierbei zerstört werden würde. Stattdessen marschierte Shermans Armee auf die Hauptstadt Columbia, die nach der Einnahme nahezu vollständig niederbrannte. In den folgenden Wochen setzte Sherman seinen Feldzug nach Norden fort.



Five Forks (1.April 1865)
Nach monatelangen Grabenkämpfen, nach denen General Lee dazu gezwungen war, seine Ver-teidigungslinien ständig auszudehnen, entschloss er sich, das Fort Stedman der Potomac-Armee anzugreifen. Damit sollte die durch die Aus-dehnung und durch eine hohe Zahl von Deser-teuren (besonders aus North Carolina) ausgedünnten Verteidigungslinien wieder verstärkt und eine Einschließung der Nord-Virginia-Armee verhindert werden. Der Angriff am 27.März 1865 verlief zunächst erfolgreich. Allerdings konnte die Potomac-Armee die entstandene Lücke wieder schließen und der Nord-Virginia-Armee hohe Verluste zufügen. Die notwendigen Einheiten für den Angriff der Nord-Virginia-Armee waren vom westlichen Ende der Linien an der Southside-Eisenbahn abgezogen worden. Daher wurde ein Angriff unter General Sheridan auf die Straßenkreuzung Five Forks unternommen.


Auf der Seite der Südstaaten führte General Pickett das Kommando. Nach einigen erfolglosen Attacken gelang es Sheridan mit Hilfe seiner mit Schnellfeuergewehren ausgerüsteten Kavallerie die Reihen der Südstaaten-Einheiten zu durchbrechen und diese in die Flucht zu schlagen. Damit war die Verbindung der Südstaaten-Armee nach Süden unterbrochen. Nur nach Westen gab es noch eine Rückzugsmöglichkeit. Lee war dazu gezwungen, sämtliche Verteidigungs-Stellungen vor Petersburg und Richmond zu räumen. Damit wurde die Hauptstadt der Konföderierten Staaten aufgegeben.
Die Regierung und der Präsident der Konföderation Jefferson Davis verließen die Stadt. Einheiten der James-Armee zogen am 3.April 1865 in Richmond ein. Einige Tage später konnte auch Abraham Lincoln die Stadt aufsuchen. Die Nord-Virginia-Armee zog sich in westlicher Richtung zurück.




Appomattox Court House (9.April 1865)
Nach den Kämpfen bei Five Forks zogen sich die Reste der Nordvirginia-Armee von General Lee in Richtung Westen zurück. General Lee hatte eigentlich vor, sich mit den Resten der Tennessee-Arme unter General Johnston zu vereinigen. Wichtig für die Südstaaten-Truppen war zu dieser Zeit die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Munition. Am 8.April 1865 zerstörte eine Kavallerie-Division unter G.A. Custer bei Appomattox wichtige Versorgungslager der Nordvirginia-Armee. Da es gleichzeitig Sheridan gelang, der Nordvirginia-Armee den weiteren Weg nach Westen zu verlegen und ein Durchbruch durch dessen Linien misslungen war, entschloss sich Lee zur Kapitulation, obwohl absehbar war, dass danach jede andere Einheit der Südstaaten kurze Zeit später dem Beispiel folgen würde.








Im Laufe des 9. April 1865 lud Lee General zu Verhandlungen über die Kapitulation der Nord-Virginia-Armee ein. Während Lee in seiner tadellosen Uniform erschien, kam Grant in einer verdreckten und verstaubten Uniform, weil auf Grund des schnellen Vor-marsches der Potomac-Armee sein Bagage-Wagen weit zurückgeblieben war. Nach kurzem Vorgespräch über gemeinsame Erlebnisse im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg wurde die Unterhaltung auf die Kapitulation zurückgebracht. Für die Soldaten und Offiziere der Südstaaten wurden vergleichsweise günstige Bedingungen ausgehandelt. Neben dem Verzicht auf eine Verfolgung der Angehörigen der Südstaaten-Armee wegen Hochverrats beinhalteten die Bedingungen unter anderem den Passus, dass alle Soldaten und Offizieren ihre eigenen Pferde behalten konnten, um diese bei landwirtschaftlichen Arbeiten einsetzen zu können.



In der Folge legten dann alle anderen Südstaaten-Einheiten die Waffen nieder. Der letzte war der Brigadegeneral Stand Watie, ein Häuptling der im Indianer-Territorium (dem heutigen Oklahoma) angesiedelten Cherokee.
Warum kämpften die Cherokee eigentlich auf der Seite der Südstaaten? Neben der Tatsache, dass auch die Cherokee Schwarze als Sklaven für die Feldarbeiten hielten, war auch das Angebot der Südstaaten für die Indianer nach einem eventuellen Sieg der Südstaaten (die Gründung eines selbständigen Staates) überzeugender. Auch war die Behandlung der Indianer in der Armee der Südstaaten, die zumeist als Aufklärer und irreguläre Kavallerie kämpften, deutlich fairer.










Nur wenige Tage nach der Kapitulation der Nord-Virginia-Armee wurde Präsident Abraham Lincoln beim Besuch des Ford Theaters durch John Wilkies Booth angeschossen und verstarb einige Stunden später an seinen schweren Kopfverletzungen.
Die Folgen des Bürgerkrieges für die Südstaaten waren für lange Zeit spürbar. Nicht allein, dass die Basis des bis-herigen Reichtums der Südstaaten, die auf Sklavenarbeit beruhenden Landwirtschaft, zusammengebrochen war – auch ein Großteil der Infrastruktur des Südens war zerstört. Während der Norden seine Produktion aufgrund der Weiterentwicklung der Industrie durch die Bedürfnisse der Armee trotz der Verluste an Menschenleben gegenüber der Vorkriegssituation deutlich steigern konnte, erreichte die Wirtschaftsleistung in den Südstaaten erst Anfang des 20. Jahrhunderts wieder das Niveau vor dem Bürgerkrieg.









Trotz der immensen Verluste und Zerstörungen ist die Verehrung der Traditionen aus dem Bürgerkrieg sowohl im Süden als auch im Norden als Teil der gemeinsamen Geschichte noch weit verbreitet. Einige Symbole, wie die Südstaaten-Flagge, werden allerdings heute als rassistisch betrachtet und daher wie zum Beispiel in South Carolina in diesem Jahr geächtet. Andererseits ist die Flagge auch heute noch Teil der Staatsflagge des Bundesstaates Mississippi. In Mississippi wurde nach dem Ende des Bürgerkriegs bis in die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg der Unabhängigkeitstag nicht gefeiert, da am 4.Juli 1863 die in Mississippi gelegene Stadt Vicksburg sich den Truppen General Grants ergeben musste.


Ersttagsbriefe für die Serie Flaggen der Nation 2009 mit der Staatsflagge von Mississippi.


 
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