Wie Preußen zum Vorbild bei der Post wurde - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Wie Preußen zum Vorbild bei der Post wurde

Heft 45

- von Wolfgang Ehrhardt

Seit jeher war die Post für ihre Betreiber ein einträgliches Geschäft. Nicht zuletzt deshalb versuchte Kaiser Leopold I. (1640-1705) die vom Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm geschaffene Brandenburgische Staatspost zu verbieten. Im Ergebnis des Westfälischen Friedens entstanden mit den territorialen Veränderungen auch selbständige Landesposten, die eine ernsthafte Konkurrenz für die kaiserliche Thurn und Taxis´sche Reichs-Post wurden.
Friedrich Wilhelm wird wohl anfangs noch nicht an große Einnahmen durch die Post gedacht haben, als er am 21. April 1646 anordnete "fester Posten durch alle kurfürstlichen Lande" einzurichten, woraus dann die Brandenburgische Staatspost wurde. Ihm kam es zunächst darauf an, sein stark vom Dreißigjährigen Krieg betroffenes und in weiten Gebieten entvölkertes Land wieder aufzubauen und dabei die weit auseinander liegenden Territorien einer einheitlichen Verwaltung zu unterstellen. Dazu trug ganz wesentlich "zur Wohlfahrt des Volkes…weil auch dem Kauf- und Handelsmann hoch und viel daran gelegen sei" der eingerichtete Haupt-Post-Cours vom rheinischen Kleve "über Wesel, durch die Grafschaften Mark und Ravensberg, das Fürstenthum Minden, die Mark Brandenburg, und von hier über Marienwerder nach dem Herzogthum Preussen" bis nach Memel bei. Von diesem Hauptpostkurs zweigten bald Kurse nach Amsterdam, Hamburg, Stettin, Dresden, Leipzig, Breslau und Warschau ab.
Mit der Stärkung einer absolutistischen Zentralverwaltung legte er zugleich den Grundstein für das preußische Beamtentum, das später zum Synonym für Staatstreue wurde und auch bei der Gestaltung einer effizienten Postverwaltung half.
Beim Tode des Großen Kurfürsten 1688 war Brandenburg zu einem der mächtigsten deutschen Staaten geworden, in dem es über 79 Postämter gab und 271 Postillione dafür sorgten, neben den portofreien Schreiben des Kurfürsten auch private Briefe befördert wurden.
Nach der Krönung Friedrich III. zum König in Preußen stieg das landesherrliche Selbstwertgefühl und aus der kurbranden-burgischen wurde die königlich preußische Post, die nun weiter ausgebaut wurde und als staatliches Monopol fungierte. Die Zahl der Postämter war bis zum Jahre 1710 auf 90, die der Postwärterämter auf 51 gestiegen und 358 Postillione waren angestellt. Wöchentlich zählte man in Berlin 63 abgehende und ankommende Fahr- und Reitpostverbindungen. Je vier dieser Postverbindungen kamen dabei auf ihrem Weg nach Königsberg und Memel auch durch Schwedt, denn hier querte der Haupt-Postkurs über die bereits 1688 errichtete Brücke die Oder.
Auch der als sehr sparsam geltende Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. kümmerte sich mit großer Hingabe um die Entwicklung der Post und ordnete 1723 an: "Sollen die Posten anlegen … von Ort zu Ort. Ich will haben ein Land das kultiviret sein soll höret Post dazu", denn dies sei für "den florissanten Zustand der Commercien hochnothwendig und gleichsam das Oel vor die ganze Staatsmaschine." Deshalb investierte er, was ihm sonst eher widerstrebte. Nur in den Straßenbau wurde nicht investiert, so dass die Postwagen noch genauso lange unterwegs waren, wie zu Zeiten des Großen Kurfürsten fast 100 Jahre zuvor.
Als sein Sohn Friedrich II. 1740 den Thron bestieg, erzielte die preußische Post einen jährlichen Überschuss von 200.000 Talern.
Die Regierungszeit Friedrichs des Großen brachte durch seine Kriege für Preußen große territoriale Veränderungen und eine Vergrößerung des Staatsgebietes und damit einen Anstieg der Einwohnerzahlen von 2,24 auf 5,43 Millionen. Dem musste sich die Post anpassen. Mit Hilfe französischer Postbeamter (sog. französische Postregie) und gezielter Anordnungen wurde deren Betrieb effizienter gestaltet. So werde z.B. durch regelmäßige Schulungen der Postbeamten deren peinlich genaue Einhaltung aller Dienstvorschriften motiviert und andererseits durch die Abschaffung der zahlreiche Portofreiheiten enorme Einsparungen erzielt. Zur Entlastung des Generalpostamtes in Berlin als oberste Behörde wurden vier Oberpostämter in Berlin, Breslau, Königsberg und Stolzenberg (Danzig) geschaffen, denen im Jahre 1786 im ganzen Königreich 760 Postanstalten unterstanden. Zu den existierenden 246 Postämtern und 510 Postwärterämtern gehörten auch die beiden Einrichtungen in Schwedt und Vierraden. Während der gesamten Regierungszeit Friedrichs warf das Post wesen beträchtliche Gewinne ab.
Die jährlichen Überschüsse zeigen eine stetige und positive Entwicklung: 1741 waren es 235.000, 1786 über 613.000 Taler. Lediglich durch den Siebenjährigen Krieg mussten Rückschläge hingenommen werden, die man jedoch in kurzer Zeit wieder ausgeglichen hatte. Insgesamt erwirtschaftete die Post unter Friedrich dem Großen ca. 20 Millionen Taler Über-schuss, von denen 8 Millionen an den König abgeführt wurden.
Unter König Friedrich Wilhelm IV. erfolgte 1850 durch dem für die Postverwaltung zu-ständigen Staatsminister von der Heydt und den Generalpostdirektor Schmückert eine grundlegende Neuorganisation der Post. Unterstanden bis dahin alle Postämter mit ihren 1.410 Mitarbeitern unmittelbar dem Generalpostamt in Berlin, wurden nun 26 Oberpost-Direktionen eingerichtet, die für ihre jeweiligen Bezirke zuständig waren. Berlin bekam eine eigene OPD und das Generalpostamt brauchte sich fortan nur noch mit übergeordneten Problemen zu beschäftigen. 1850 hatte die Post 14.356 Angestellte; unterhielt 6.534 Postwagen und 12.551 Pferde, und es wurden über 1,2 Millionen Reisende befördert.
Zu dieser Zeit begann auch der Siegeszug der Eisenbahn und brachte der Post einen weiteren Aufschwung. Der gesamte Briefverkehr erhöhte sich von 92 Millionen im Jahre 1850 auf ca. 300 Millionen 1866 - das Personal stieg in der gleichen Zeit auf etwa 28.000 Bedienstete.
Unter maßgeblicher Initiative Preußens trat am 1. Juli 1850 der Deutsch-Österreichische Postverein als Zusammenschluss der (meisten) kleinstaatlichen Posten mit einem ein-heitlichen Tarifsystem in Kraft. Und nach der Gründung des Deutschen Kaiserreiches war es Preußens Generalpostmeister Heinrich von Stephan, der nun als Postminister die Tradition der preußischen Post fortsetzte und weiter vervollkommnete.
Der nun beginnende industrielle Aufschwung mit seiner kapitalorientierten Wirtschaft brachte es mit sich, das auch private Postunternehmen entstanden. Eine Lücke im Reichspost-Gesetz nutzend, in der die die Stadtbriefbestellung nicht ausdrücklich dem Postzwang unterlag, gründeten pfiffige Geschäftsleute bis 1900 in 170 deutschen Orten mehr als 250 private Stadtposten-Unternehmen. Es verwundert nicht, dass diese Konkurrenten der Reichspost zum 1. April 1900 verboten wurden. Dass das Deutsche Reich dafür 8,2 Millionen Goldmark Entschädigung zahlte, zeigt die Bedeutung des Postmonopols für die jährlichen Gewinne.
Und heute? Am 1. Januar 2008 wurde das Postmonopol endgültig aufgehoben!
Die Gewinne fließen seitdem in private Taschen - und der Staat hat eine seiner wichtigsten Einnahmequellen verloren. Und weil es so ist, das die Reichen immer reicher werden wollen, müssen eben auch mal die Postgebühren angehoben werden.

Literatur: Die Preußische Postgeschichte von Heinrich von Stephan
Diverse Artikel von Fritz Steinwasser aus dem Briefmarken Spiegel
Wikipedia: Die preußische Post


 
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