Andere Sammelgebiete: Siegelmarken - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Andere Sammelgebiete: Siegelmarken

Heft 45

- von Wolfgang Ehrhardt

Siegelmarken sind gummierte Klebezettel, ähnlich einer Briefmarken aber ohne Wertangabe zum Versiegeln von Briefen und zur Kennzeichnung schriftlicher Korrespon-denzen. Sie kamen nach dem Vorbild der Briefmarken um 1850 weltweit in Gebrauch und wurden ebenso wie diese schon bald zum Sammelobjekt.

Vom Siegeln:

Das Wort Siegel kommt vom lateinischen sigellum, signum = kleines Bild und bezeichnet sowohl den Siegelstempel als auch den Siegelabdruck.
Schon die alten Hochkulturen in Ägypten, Mesopotamien oder Persien verwendeten Siegel, die oft aus edlen Materialien wie Elfenbein oder Gold gefertigt waren. Der altgriechische Historiker Herodot beschrieb das Versiegeln von Briefen und Paketen durch besondere Siegelbewahrer, die das Siegel am Finger zu tragen hatten.

Jahrhunderte lang schlug man die vier Ecken eines beschriebenen Papierbogens zur Mitte zusammen und verschloss diesen entstandenen Brief mit Siegellack, den man zum Schmelzen bringen musste, bevor der Siegelring oder die Petschaft mit dem Monogramm oder Wappen des Absenders eingedrückt werden konnte. Besonders von mittelalterlichen Urkunden sin prächtige Siegel erhalten.
Der Briefinhalt war für unbefugte Einblicke verschlossen, und das Siegel musste zerbrochen werden, um Einsicht zu erlangen. Aber das recht umständliche Prozedere des Siegelns, bei einer latenten Brandgefahr, verlangte nach Vereinfachung. 

Besonders zum Versiegeln von Urkunden fanden Siegel-Oblaten eine weite Verbreitung. Hierbei wurde eine (Weizen)Oblate zwischen Papier gelegt, danach angefeuchtet und ein Prägestempel fest aufgedrückt. Die Oblaten zerbrachen bei Manipulationen noch leichter als Siegelwachs.
Bis in die jüngste Vergangenheit waren durch die Deutsche Post zu befördernde Wertbriefe noch mit Siegellack zu versiegeln.




Oblatensiegel des Königl.Preuß. Amtsgericht Berlin
Später kam einfach ein normaler Stempel auf die gedeckte Oblate
Noch heute werden Dokumente mit einem Prägesiegel "amtlich"
Als dann 1840 die Briefmarke ihren Siegeszug begann, dauerte es nur wenige Jahre, bis nach deren Vorbild die Verschlussmarke für hinten geschaffen wurde, die einfach aufzukleben war und den gleichen Zweck wie ein Siegel erfüllte: Sie musste beschädigt werden, um den Brief zu öffnen. Deshalb wurde sie auch bald Siegelmarke genannt

Siegelmarken:

Siegelmarken sind meist runde oder ovale Aufklebemarken von etwa 3-4 cm Durchmesser, in meist blauer, roter oder grüner Farbe. Sie wurden ab 1850, zuerst vermutlich in Sachsen und Preußen, von Behörden und Kommunen zum Verschließen ihrer Poststücke, aber auch einfach als Absenderangabe verwendet. Amtliche Schreiben waren erst durch eine Siegelmarke richtig amtlich!

Verschiedene sächsische Siegelmarken; dabei eine sehr seltene viereckige Marke.

In Preußen war natürlich der Adler bestimmend:

anfangs alte Adlertypen, dann der Reichsadler mit großem und kleinem Brustschild. Den Adler führten nur staatliche Behörden und Ämter.

Kommunale Behörden und Institutionen führten meist ihr Stadtwappen.

Auch Anstalten, Banken, Versicherungen und sonstige große und kleine Unternehmen führten Siegelmarken.

Allein in Deutschland dürfte es nahezu 100.000 verschiedene geben. Da die meisten beim Öffnen der Briefe zerrissen wurden, sind manche Marken seltener und teurer als viele Briefmarken. Für den Philatelisten, speziell den Briefe- und Heimat-Sammler sind sie ein interessantes Nebengebiet der Postgeschichte. Für spezialisierte Siegelmarkensammler ergeben sich ähnlich der thematischen Philatelie viele Möglichkeiten des Sammelns. Die Suche nach fehlenden Stücken ist oft sehr schwierig, denn es gibt kaum Kataloge.
Reklamemarken:

Nach dem Vorbild der Siegelmarken entdeckte man um 1860 die Möglichkeit, mit ähnlichen Marken Reklame zu machen, was zunächst zur Werbung für Ausstellungen, bald aber auch zur Reklame für Produkte von Firmen, zur Werbung für Sport und Gesundheit, für den beginnenden Tourismus, aber auch für politische Themen genutzt wurde.

Für die grafische Gestaltung wurden oft bekannte Künstler gewonnen.

Die Auswahl zeigt die ganze Vielfalt der der Reklamemarken.

Um 1900 bis in die Zeit nach dem 1. Weltkrieg war das Sammeln dieser Marken sehr verbreitet und 1913 fand sogar im KdW (Kaufhaus des Westens) in Berlin eine Ausstellung statt, die großen Anklang fand. Die Werbe- uns Anlassmarken sind nie ganz verschwunden und werden heute von der ArGe Erinnophilie gesammelt, erforscht und katalogisiert.


 
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