150. Jahrestag der Einweihung der Neuen Synagoge in Berlin - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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150. Jahrestag der Einweihung der Neuen Synagoge in Berlin

Heft 46

- von Eckhard Baumunck

Wieder einmal war es eine Ganzsache, die mir in die Hände fiel und mich zum Nachdenken anregte. Diesmal jene der Deutschen Post, über die Einweihung der Neuen Synagoge in Berlin.
Wenn es eine Neue Synagoge gibt - wo ist die ehemalige und wo sind die Wurzeln des Judentums in Preußen?
Ich zitiere ausnahmsweise aus einem Bericht der Leiterin des Schwedter Stadtmuseums. " Die Geschichte der Juden in Preußen begann 1671, a1s Kurfürst Friedrich Wilhelm per Edikt den Juden das Niederlassungsrecht gewährte. Sie sollten als Kaufleute, Händler und Geldverleiher den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes ankurbeln und die nach dem 30-jährigen Krieg entvölkerten Landstriche besiedeln."
Es wurden aber nur begüterte jüdische Zuwanderer aufgenommen, denn sie mussten pro Familie mindestens 10.000 Taler als Vermögen nachweisen. Die Nachfolger des Kurfürsten verhielten sich ebenfalls im Sinne des Edikts.
Die jüdischen Zuwanderer bildeten jüdische Gemeinden und gingen in Gebetsstuben ihren religiösen Interessen nach. In manchen Städten und Gemeinden war der Zustrom an jüdischen Zuwandern so groß, das bald die ersten Synagogen gebaut wurden.In Berlin entstand diese in der Heidereuter-Gasse. Berlin nahm besonders viele Zuwanderer auf. So wurden 1860 bereits 28.000 Juden (ca. 4% der Gesamtbevölkerung) in Berlin gezählt.
Um der Platzenge zu entgehen wurde eine neue Synagoge in der Oranienburger Straße errichtet und 1866 mit großem Pomp (u.a. Ministerpräsident Otto von Bismarck) eingeweiht. Sie war zu diesem Zeitpunkt die schönste und modernste in Europa. Mit ihr wurde aber auch ein neues liberaleres Zeitalter eingeläutet, denn es gab trotz der strengen Trennung der Gebetsplätze von Männern und Frauen, einen gemischten Chor, eine Orgel sowie die deutsche Sprache im Gottesdienst.

Anlässlich des 150. Jahrestages der Einweihung der Neuen Synagoge in der
Oranienburger Straße Berlins erschien dieser Plusbrief.

hohe gesellschaftliche Anerkennung wich im 20. Jahrhundert dem antisemitischen Neid und fand in der Progromnacht im November 1938 seinen Höhepunkt. SA-Männer entweihten die Thorarollen, raubten Kunstschätze und legten Feuer. Durch beherztes Eingreifen konnte letzteres gelöscht werden. Für die Zerstörung der Synagoge sorgen 1943 Fliegerbomben.

In der DDR bleibt die Synagoge bis 1988 eine Ruine. Danach wurde der Grundstein zum Wiederaufbau (1988-1995) gelegt.
Heute beherbergt das sogenannte Centrum Judaicum ein Museum und die jüdische Gemeinde von Berlin führt hier wieder ihre Gottesdienste durch.

Wenden wir noch einen Blick nach Schwedt.

Der erste jüdische Bewohner baute sich 1672 sein Haus in Schwedt und betrieb einen erfolg-reichen Handel. Schon bald danach zog es immer mehr Juden mit ihren Familien in unsere Stadt, so dass bereits im 19 Jahrhundert 200 Menschen jüdischen Glaubens hier wohnten. Das jüdische Gemeindezentrum einschließlich eines Gebetshauses und der Schule befand sich in der heutigen Jüdenstraße.
Am 18. September 1862 wurde in der Harlanstraße eine neue Synagoge eingeweiht, die nach dem Naziprogrom abgerissen wurde. Glücklicherweise blieb das neben der Synagoge befindliche jüdische Ritualbad, die Mikwe, erhalten. Dieses in Brandenburg einmalige jüdische Bau-Ensemble wurde restauriert, 2009 wiedereröffnet und wird nun museal genutzt.

Zur Einweihung des restaurierten Ritualbades Mikwe veranlasste der Schwedter
Briefmarken-Sammlerverein e.V. dieses philatelistische Souvenir.

Von der Ruine der 1938 zerstörten Synagoge haben Mitglieder des Schwedter Museumsvereins "Otto Borriess" die Grundmauern freigelegt und provisorisch gesichert, damit sie einmal als Ausstellungs- bzw. Anschauungsobjekt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann. 


 
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