Das "Oflag IIA" in Prenzlau (I) - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Das "Oflag IIA" in Prenzlau (I)

Heft 46

- von Friedrich Schmidt, Prenzlau

Die sog. Oflags waren Offiziers-Gefangenenlager der Deutschen Wehrmacht während des zweiten Weltkrieges. Das Oflag IIA war das erst im Wehrkreis II. Es wurde entsprechend der Genfer Gefangenen-Konvention von 1929 mit Kriegsbeginn im erst 1936 erbauten Kasernen-komplex der Beobachtungs-Abteilung des Artillerie-Regiments 38 eingerichtet. Zunächst wurden polnische, ab 10. Mai 1940 belgische Offiziere untergebracht. Das rechtsseitig an der Berliner Straße gelegene Lager von 7 Hektar Größe war von einem doppelten Stacheldrahtzaun und mit 7 Wachtürmen umgrenzt. Das Lager selbst war noch einmal in A und B unterteilt. Das Lager A bestand aus 5 dreigeschossigen Blöcken. Der Block E enthielt neben Büros für die deutsche Verwaltung eine Küche, die Kantine, zwei große Speisesäle und das Esszimmer für die Generale und Oberste. Die Köche waren belgische Soldaten. In den Unterkunftsblöcken waren verschiedene Einrichtungen wie eine Krankenstation mit Ärzten und Krankenschwestern (auch einen Zahnarzt gab es), Werkstätten für Schuhmacher, Schneider, den Friseur und einen Raum für Gottesdienste untergebracht.
Das Lager hatte eine Bibliothek mit ca. 6.000 Bänden aus allen Wissens- und Bildungs-Gebieten. Ein Buchbinder hielt die Bücher in gutem Zustand. Drei- bis viermal im Jahr duften jeweils 100 Gefangene mit einem deutschen Offizier und einigen Unteroffizieren in der Badestelle am Uckersee baden gehen. Sie mussten dafür eine schriftliche eidesstattliche Erklärung abgeben, dass sie dies nicht zur Flucht nutzten.
Die bereitgestellten Unterkünfte richteten sich nach den Dienstgraden. Hatten die Generale eigene kleine Wohnungen mit Küche und Bad, so mussten Oberste schon zu viert, Majore zu sechst und Unteroffiziere zu acht oder gar zu zehnt in einem 34 m² großen Zimmer leben.
Das durch einen Stacheldrahtzaun vom Lager A getrennte Lager B bestand aus unbeheizten Garagen als Unterkünfte für Soldaten sowie aus Werkstätten und Lagerschuppen.
Gefangen waren ca. 2.700 Offiziere im Lager A und 300 Soldaten und untere Dienstgrade im Lager B. Es gab eine belgische Lagerleitung unter dem Kommandanten Generalleutnant Eduard van den Berghen. Jeder Block unterstand einem belgischen Offizier älteren Jahrgangs.
Die belgischen Führungskräfte mussten der deutschen Sprache mächtig sein, damit sie die Anweisungen und Befehle der deutschen Lagerleitung befolgen konnten.
Das deutsche Wachpersonal war in einem extra Trakt im Block D nahe des Eingangs untergebracht.
Entsprechend der Genfer Gefangenen-Konvention dufte jeder Gefangene monatlich zwei Karten mit 6 Zeilen und zwei Briefe mit 20 Zeilen verschicken und aller 10 Tage abwechselnd eine Karte und einen Brief erkalten.
Sämtliche ab- und eingehende Post wurde streng kontrolliert und zensiert. Nach aktuellem Kenntnisstand waren im Laufe der Zeit mindestens 25 verschiedene Zensurstempel im Einsatz, die fortlaufend nummeriert waren.
Der Brief mit dem Tarnstempel vom 5.9.1940 ohne Ortsangebe eines polnischen Offiziers an seine Frau wurde mit einem roten Dreieck-Stempel "1./Oflag IIA/Geprüft" versehen.













Die Karte vom 29.9. der gleichen Korrespondenz weist einen runden Zensurstempel mit Nummer 3 auf. Das zeigt (wie auch bei anderen Beleg-Beispielen), dass parallel nebeneinander verschiedene Stempel verwendet wurden.

Vermutlich waren mehrere Postbeamte bzw. Zensoren tätig, was bei der großen Zahl an Gefangenen im Lager und des hohen Postaufkommens auch nicht verwunderlich ist. Sicher galten auch besondere Geheimnisvorschriften, denn wie ist zu erklären, dass z.B. der Stempel Nr. 10 schon im Mai 1940, dagegen die Nummern 5 und 6 erst 1941 belegt sind. Es gibt also noch manches zu klären. Aus den Korrespondenzen ist auch ersichtlich, dass sich im Lager zur gleichen Zeit polnische und belgische Gefangene befanden.






Relativ wenige Poststücke in das Gefangenenlager sind erhalten geblieben. Diese wurden ebenfalls alle zensiert und tragen einen Zensurstempel.













Bemerkenswert ist die zivile, normal frankierte Postkarte in ein Oflag.


 
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