Das Notgeld der Stadt Angermünde (I) - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Das Notgeld der Stadt Angermünde (I)

Heft 46

nach einem Bericht von Thomas Krause, Fachgruppe Numismatik Schwedt

In Krisenzeiten wie der Hochinflation nach dem Ersten Weltkrieg mussten Gemeinden und private Unternehmen aufgrund fehlenden gesetzlichen Zahlungsmittel oftmals Notgeld herausgeben. Neben den üblichen Geldformen Münzen und Geldscheine kamen auch verschiedene Ersatzmaterialien zum Einsatz bzw. wurde Ersatzgeld für bestimmte Produkte in Umlauf gebracht.

1-Pfennig Kleingeld-Ersatzscheine

Die Stadt (Verwaltung) Angermünde gab 1-Pfennig-Ersatzgeldscheine heraus, die auf weißem und gelblichem Karton recht primitiv handschriftlich angefertigt wurden, wobei sie Rückseite unbeschrieben blieb.

"Amtlich gemacht" wurden die Scheine durch das Aufdrucken der Stempel
- KÄMMEREI-KASSE ZU ANGERMÜNDE und
- SPARKASSE DER STADT ANGERMÜNDE. Die Stempel wurden dabei mittig zwischen vier Scheine abgeschlagen.

Die Einzelscheine (hier in weißer Farbe)
haben eine durchschnittliche Größe von
42 x 25 mm. 

Über den Ausgabe-Anlass und den Termin dieser Scheine ist bisher nichts Näheres bekannt. Es kann allenfalls vermutet werden, dass es sich um die erste Auflage, die Vorläufer der sog. Goldpfennige handelt.

Die Goldpfennig Ausgaben

Am 30. Oktober 1923 gab der Magistrat der Stadt Angermünde neue Kleingeld-Ersatzscheine zu 1 und 5 Gold-Pfennigen heraus. Damit sollte die Bezahlung der Wasser-, Strom- und Gas-Rechnungen bei den Stadtwerken erleichtert werden, was bei dem in Umlauf befindlichen Inflationsscheinen immer schwieriger geworden war.

Diese etwa 52 x 38 mm großen auf dicken bräunlichen Packpapier gedruckten Scheine waren wieder durch den Abdruck des Stempels DER MAGISTRAT ZU ANGERMÜNDE "amtlich gemacht" worden. Bei gleichem Druck gibt es unterschiedlich zugeschnittene und zusammenhängende Scheine, auch ist die Platzierung des aufgesetzten Stempels recht verschieden - diese "Abarten" sind jedoch für die Sammler belanglos.
Schon am 5. November 1923 wurde die Ausgabe der Angermünder "Goldpfennige" wieder eingestellt und am 25. November wurden sie letztmalig in Zahlung genommen. Denn auch der Wert des Goldes änderte sich fast täglich und führte letztlich bei Banken und Unternehmen zunehmend zu Verlusten.

Obwohl ein Druckvermerk fehlt, kann von der Herstellung bei der heimischen Druckerei von C. Windolff ausgegangen werden. Denn bei der Bitte um Genehmigung zur Herstellung und Ausgabe eigenen Notgeldes durch den damalige Angermünder Kreisausschuss beim Reichs-Finanzministerium, wurde gleichzeitig benannte Druckerei angegeben.

Das Groß-Notgeld

Der bereits genannte Antrag zur Herstellung eigenen Notgeldes wurde genehmigt. In einer Anzeige in der Angermünder Zeitung vom 16. August 1923 heißt es:
"Mit Genehmigung des Herrn Reichsfinanzministers hat der Kreis Angermünde Notgeld in Scheinen zu 500.000 Mark und 1.000.000 Mark ausgegeben. Die Scheine zu 500.00 Mark sind auf weißem gemustertem Geldscheinpapier hergestellt und haben auf der Vorderseite hellblauen Unterdruck und schwarzen Unterdruck. Die Scheine zu 1.000.000 Mark sind aus demn gleichen Papier hergestellt, sie haben auf der Vorderseite hellgrünen Unterdruck und braunroten Überdruck. Beide Arten Notgeld sind mit roter Nummer versehen und tragen den Trockenstempel des Landrats. Scheine ohne Nummer und Trockenstempel sind ungültig.
Das Notgeld verliert seine Gültigkeit vier Wochen nach Aufruf in den Tageszeitungen des Kreises.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses, in Vertretung Dr. Claus, Regierungs-Assessor"

Das Papier für diese Scheine stammte aus der Papierfabrik Gebrüder Ebart in Spechthausen bei Eberswalde, wo von 1874 bis 1945 das Papier für die Reichskassenscheine und fast alle Banknoten sowie Wert- und Kredit-briefe, Aktien, Schecks und andere .Wertpapiere für das Deutsche Reich hergestellt wurde

 
 

 
 

Das Wasserzeichen mit aus sich kreuzenden Rechtecken ist eines der
Häufigsten bei Kleingeld-Scheinen.
Das Roggen-Geld

Mit einer Anzeige in der Angermünder Zeitung lud die Landbund-Genossenschaft eGmbH. Anger münde zu einer außerordentlichen Generalversammlung am 1. November 1923 um 10.00 Uhr vormittags in das Hotel Drei Kronen ein. Es wurde beschlossen und bekannt gegeben, dass ab sofort zur Versorgung der Bevölkerung besondere Scheine zum Bezug von Roggen, das sogenannte Roggengeld, ausgegeben werden.
Es sollen Scheine zu 1, 2, 5, 10, 25, 50 und 100 Pfund sowie 5 Zentner erschienen sein. Bekannt sind jedoch bisher nur Scheine zu 5 Pfund und 5 Zentner.
Der abgetrennte Quittungsteil (siehe Perforation) ist ein Beleg dafür, dass darauf Roggen abgegeben wurde.
Scheine mit Quittungsteil wurden nicht eingelöst.
Die Scheine wurden offenbar nur zu bestimmten Terminen ausgegeben - wenn nämlich genügend Roggen vorrätig war - denn wie der abgebildete 5-Pfund-Schein mit der Serien-Nr.10402 und dem handschriftlichen Datum vom 9. November, ist ein weiterer vom gleichen Tag mit der Serien-Nr. 10142 bekannt. Die 130x89 mm großen Fünf Pfund-Scheine, die in Eberswalde hergestellt wurden, weisen darauf hin, dass sie bei nicht rechtzeitiger Vorlage, nach 14 Tagen ungültig werden.










Die 173x91 mm großen Fünf-Zentner-Scheine auf weißem Papier sind bisher nur mit anhängendem Quittungsteil bekannt.

Am 28. Juni wurden alle bis dahin nicht eingelösten "Roggengeld"-Scheine ungültig.

 
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