Ein Interessanter "OSTLAND" - Beleg - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Ein Interessanter "OSTLAND" - Beleg

Heft-48

- von Wolfgang Ehrhardt

Im Nachlass unseres 2016 verstorbenen Vereinsmitglieds Dietrich Tillner fand sich der abgebildete Beleg, den uns freundlicherweise sein Sohn übergeben hat, damit er hier vorgestellt werden kann. Ein beiliegender handgeschriebener Hinweis erklärt die Herkunft.


Es handelt sich um auf einem großen Bogen Papier geklebte und abgestempelte Marken im Viererblock mit dem Aufdruck "OSTLAND" - den Michel-Nummern 1-13 und 15-18 der deutschen Besetzungsausgabe für Estland, Lettland, Litauen und Weißrussland, die am 25.6.1941 nach dem Überfall auf die Sowjetunion für das sogenannte Reichskommissariat Ostland ausgegeben wurde.
Der etwas unsaubere Stempel PRELLENBACH (PREILUPE) über DÜNABURG wurde am 7.7.1944 aufgedruckt.
Bei Prellenbach handelt es sich um das heutige Preili (deutsch auch Prely) am Fluß Preilupe in Lettland, das ca. 50 km nördlich der Kreisstadt Daugavpils an der Daugave (Dünaburg an der Düna) liegt.
An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass Dietrich Tillner aus Riga in Lettland stammt, was einst, wie auch die Nachbarländer Estland und Litauen, von vielen Deutschen (den Balten-deutschen) bewohnt war. Schon nach dem Hitler-Stalin-Pakt wurden 1939 fast 50.000 von ihnen "heim ins Reich" zwangsumgesiedelt und nach dem Kriege wurde die restliche deutsche Bevölkerung aus ihrer Heimat vertrieben.
Dadurch musste auch Dietrich Tillner nach Kriegsteilnahme und Gefangenschaft den Verlust seiner Heimat erleben und kam, inzwischen 29-jährig und ohne Beruf über Umwege letzlich nach Angermünde. Hier fand er ein neues Zuhause und wurde 1990 Mitglied unseres BSV.

Zeitlebens blieb er jedoch seiner alten Heimat verbunden, was er auch in Veröffentlichungen in unseren Vereinsheften und in Angermünder Heimatkalendern anschaulich belegte. Durch unterhaltene Kontakte und Reisen nach Lettland geriet auch der vorgestellte Beleg in seine Hände, über den er berichtet, ihn von einem Postbeamten (dessen Namen er verschwieg) erhalten zu haben. Dieser habe kurz vor dem überstürzten Abzug der Wehrmacht und der eiligen Auflösung der Poststelle im Juli 1944 sich mit den letzten vorhandenen Marken ein Andenken gefertigt.

Die zum Thema relevanten Zusammenhänge und geschichtlichen Hintergründe können heute im Internet, besonders bei Wikipedia, leicht recherchiert werden, die hier kurz wiedergegeben sind:
Während der Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg geriet Lettland zunehmend unter Druck der Sowjetunion und Deutschlands und nach dem deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes (dem Hitler-Stalin-Pakt) vom 23.8.1939 wurde Lettland vereinbarungsgemäß dem sowjetischen Einfluss überlassen. Im Juni 1940 besetzte daraufhin die Sowjetunion Lettland zunächst militärisch und gliederte es dann ganz ein.

Nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion wurde auch Lettland von deutschen Truppen besetzt, die teilweise als Befreier willkommen geheißen wurden. Im Verlaufe des Krieges wendete sich bekanntlich das Blatt zugunsten der Sowjets und die deutschen Armeen wurden Stück um Stück zurück geworfen.
Als Im Januar 1944 die große Offensive der Roten Armee zur Befreiung Lenin-grads begann, mussten sich die deutschen Truppen immer weiter südlich ins Baltikum zurückziehen.
Dabei spielte Dünaburg/Daugavpils mit seinen Festungsanlagen und durch seine Lage an der Hauptstraße und Eisen-bahnlinie von Leningrad nach Warschau eine besondere Rolle. Die hier stationierte Heeresgruppe Mitte konnte jedoch ihre Stellungen gegen die sowjetische Übermacht nicht halten und am 26. Juli 1944 musste Dünaburg aufgegeben werden.
In den weiteren 6 "Kurland-Schlachten" wurden die Baltischen Länder bis 1945 "befreit" und erneut sowjetisch besetzt - bis sie im Jahre 1991 ihre Eigenständigkeit wieder erlangen konnten.

Der überlieferte Beleg ist mit der Kenntnis der damaligen Ereignisse ein sehr interessantes historisches Dokument und für einen geschichtsbewussten und heimatverbundenen Sammler ein kleiner Schatz!
Philatelistisch gesehen stellt er allerdings keinen großen Wert dar, weil es nur auf einer Vorlage gefälligkeitsgestempelte Marken sind, die man für wenige Euro haben kann.


 
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