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Heft-48

- von Konrad Fischer

Der geheime Postrat, Heinrich von Stephan (1831-1897), veröffentlichte 1865 seine Idee, Postkarten ohne Umschlag zu verschicken. Dieser Vorschlag aber wurde von der preußischen Postverwaltung abgelehnt; man war der Auffassung, dass es nicht schicklich sei, wenn unbeteiligte Personen die Mitteilungen anderer lesen konnten.
Auf Anregung von Prof. Dr. Emanuel Herrmann, Professor für Nationalökonomie an der Wiener Universität, hatte Österreich aber bereits am 1. Oktober 1869 die Postkarte eingeführt.
Diese damals noch Correspondenz-Karten genannten Postkarten waren mit einem 2 Kreuzer-Wertstempeleindruck versehen, die sie als Ganzsachen ausweisen.
Sie waren nur für den Verkehr innerhalb der Österreichisch-Ungarischen Monarchie zugelassen und erschienen ab 1871 in sechs verschiedenen Sprachen für die einzelnen Landesteile.













In Deutschland führte dann ein knappes Jahr später Heinrich von Stephan, inzwischen zum Generalpostmeister des Norddeutschen Bundes ernannt, am 1. Juli 1870 die Postkarte ein, ebenfalls unter der Bezeichnung "Correspondenz-Karte".
Die deutsche Correspondenz-Karte war keine Ganzsache, sondern ein Formular auf das die Marke aufgeklebt werden musste. Die nicht zum Norddeutschen Bund gehörenden Königreiche Bayern, Württemberg und das Großherzogtum Baden gaben eigene Correspondenz-Karten aus.



Die Beförderungsgebühr im Norddeutschen Bund betrug 1 Groschen.










In Baden, das am 10. August 1870 Correspondenz-Karten eingeführt hatte, betrug die Gebühr 3 Kreuzer.




Baden trat aber schon im November 1870 dem Norddeutschen Bund bei, was eigene Karten überflüssig machte. Entsprechend selten sind gut erhaltene und echt gelaufene Belege.










Bayern gab seit 1. Juli 1970 Postkarten heraus, deren Gebühren im Ortsverkehr 1 und im Fernverkehr 3 Kreuzer betrugen.
Obwohl Bayern zu den Gründerstaaten des Deutschen Kaiserreiches gehörte, bewahrte es seine Posthoheit noch bis 31.3.1920.













Das Königreich Württemberg führte die Postkarte am 8.Juli 1870 ein. Das Porto betrug im Orts- und Fernverkehr bis zu 1 Meile 1 Kreuzer, im Fernverkehr bis 31.12.1871 3, später dann 2 Kreuzer.

Württemberg, das schon am 25.11.1870 dem Deutschen Bund beitrat und seit 1.1.1871 ebenfalls zum Deutschen Reich gehörte, konnte seine Posthoheit ebenfalls noch bis 31.3.1920 bewahren. Allerdings galten ab 1.4.1903 die Freimarken der Reichspost.










Die noch bestehen bleibenden Landesposthoheiten innerhalb des Deutschen Reiches waren Zugeständnisse des Reichskanzlers Bismarck an die süddeutschen Staaten, die sich nur ungern der preußischen Majorität unterwarfen.

Alle Correspondenz-Karten waren in Form und Größe sehr ähnlich und folgten der von Stephan angeregten Vorlage des Norddeutschen Bundes. Auch die ersten Postkarten des neuen Deutschen Reiches, die nun mit den ab 1.1.1872 verausgabten Reichspostmarken (kleiner und großer Brustschild) zu frankieren waren, orientierten sich noch am alten Vorbild.
Noch bis zum 31.12.1874 gab es in Deutschland zwei verschiedene Währungen: im Norddeutschen Bund galt der Taler = 30 Groschen und in den südlich des Mains gelegenen Ländern der Gulden = 60 Kreuzer. Erst 1875 wurde die einheitliche Reichsmark-Währung (1 Mark = 100 Pfennig) eingeführt.

Correspondenz-Karte vom “Deutschen Reichs-Postgebiet“
am 14.8.1872 mit einer neuen Brustschildmarke (Mi-Nr. 3) des Deutschen Reiches frankiert.

Am 1. Juli 1872 wurden die Gebühren für die nun allgemein "Postkarte" genannte Correspondenz-Karte herabgesetzt; im Norden auf ½ Groschen und im Süden auf 2 Kreuzer.

Die Postkarte der Deutschen Reichspost aus Gleiwitz in Oberschlesien vom 16.8.1872 nach Berlin wurde mit der ½-Groschen-Marke (Mi-Nr. 3) des nördlichen Landesteils tarifgerecht frankiert.












Die Karte vom 30.10.1873 aus dem badischen Carlsruhe nach Leipzig wurde korrekt mit einer 2 Kreuzer-Marke (Mi-Nr. 8) für die südlichen Landesteile freigemacht.













Am 1.1.1873 wurden im Deutschen Reich die ersten Ganzsachen-Karten eingeführt; noch unterschieden für die beiden Währungsgebiete.



Ganzsachen-Postkarten P1 und 2 mit ½-Groschen- und 2-Kreuzer-Wertstempel

Quellen: 
 Postkarte genügt von Horst Hille, Urania-Verlag 1988
Michel-Deutschland-spezial und –Ganzsachen-Kataloge


 
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