Über die Herkunft noch heute erhaltener alter Briefe - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Über die Herkunft noch heute erhaltener alter Briefe

Heft-48

- von Dr. Hans-Werner Meiners

Briefe aus der Markenzeit Preußens (1850-1867) sind heute im Verhältnis zu den losen Marken relativ selten. Trotzdem gibt es von einigen Arten dieser Briefe besonders viele Exemplare:
Insinuations-Dokumente, Geschäftsbriefe und Liebesbriefe.

Insinuations-Dokumente sind eine Form der Zustellurkunde, bei der nicht nur der Empfänger den Erhalt der Sendung bestätigte, sondern auch der Briefträger den Empfang bescheinigte. Dabei musste der Briefträger nachweisen, ob er die zu
Zu insinuierende Urkunde (meist eine Vorladung oder ein Testament) dem angezeigten Empfänger oder dem Vermieter ausgehändigt oder die Urkunde einfach an die Tür geheftet hatte. Dazu musste der Briefträger sogar einen Hammer und einige Nägel mitführen. Zum Schluss bestätigte dann der Leiter der jeweiligen Post-stelle mit dem Dienstsiegel den abgeschlossenen Vor-gang. Warum sind nun heute gerade die Insinuations-dokumente noch relativ häufig? Zu Beginn des Briefmarken-Sammelns war es üblich, die Marken vom Brief zu lösen und dann in entsprechende (Vordruck-) Alben zu kleben. Damit gingen viele Belege verloren. Erst zum Ende des 19. Jahrhunderts, als dann auch das Sammeln von Ganzsachen und Briefen aufkam, besann man sich und versuchte die noch vorhandenen Belege zu bewahren. (Anfangs wurden sogar die eingedruckten Wertstempel der Ganzsachen aus-geschnitten und in die Alben geklebt.)
Da die Insinuations-Dokumente Teil von juristischen Vorgängen waren, gingen die kompletten Dokumente (mit den Marken) in die Akten. Dort tauchten sie erst nach 30 oder 40 Jahren wieder auf. Und weil einige der Richter und Justizangestellte durchaus bedeutende Philatelisten waren, erkannten sie, welcher Schatz dort zu heben war.










Eine weitere Gruppe solcher Dokumente sind Geschäftspapiere von Firmen, wie die umfangreich erhaltene "Farina"-Korrespondenz des Kölner Unternehmens aus der Glockengasse Nr. 4711. Interessant sind die ebenfalls noch in großer Zahl vorhandenen Briefe an die Uniformausrüstung- und Waffenlieferanten Mohr & Speyer in Berlin, auf denen Hinweise auf gezahlte Beträge und die Einzahler angebracht sind. Wahrscheinlich wurden diese als Nachweis für die eingegangene Zahlung verwendet und blieben so erhalten.


Auf dem GS-Umschlag aus Passow (ein Wertbrief über 6 Taler und 5 Sgr.) wurde auf die linken Vorderseite geschrieben: 
"notiert Kulze, Post-Expedient
Passow d. 14. Febr“.

Zu dieser Zeit war tatsächlich ein Post-Expedient A. Kulse bei der Post in Passow beschäftigt, der mit den 6 Talern und 5 Sgr. vermutlich eine Rechnung beglich.

Ein Grund, warum gerade Liebesbriefe in großer Zahl über ein Jahrhundert erhalten blieben, besteht darin, dass die Frauen (und auch die Männer) solche Briefe über Jahre und Jahrzehnte aufgehoben und deren Existenz mit entsprechender Diskretion behandelt haben. Diese Briefe sind zum Teil erst lange nach dem Tod der Korrespondenten entdeckt worden.

Auch aus unserer Region gibt es dazu schöne Beispiele, wie die Korrespondenz zwischen einem Gutsbesitzer W. Stürkow aus Lanke bei Biesental und dem Fräulein Mathilde Hoepner aus Hohenlandin, wovon noch Briefe in beiden Richtungen existieren. Ebenso sind zahlreiche Belege dafür aus dem Umfeld der Schwedter Garnison mit ihrem adligen Offizierscorps erhalten. Darunter viele Briefe des Leutnants der Schwedter Dragoner Cuno von Puttkammer an seine Braut und spätere Ehefrau, der 1835 in Zigahnen bei Marienwerder geborenen Thekla von Selle aus einem altpreußischen Adelsgeschlecht.

Der Brief in das ca. 400 km entfernte Zigahnen, dem heute polnischen Cygany wog mehr als 1 Lot des einfachen Briefes und kostete so das Doppelte, also 6 Silbergroschen.





Wegen der gut erhaltenen Umschläge und der besonders deutlichen Nummernstempel sind die Briefe aus Angermünde an den Post-Expediteur Bachström in Garz auf Rügen aus dem Jahr 1851 wohl erhalten geblieben:


Wie aus dem Amtsblatt der Regierung von Stralsund Nr. 18 aus dem Mai 1851 hervorgeht, war der Herr Bachström erst kurz zuvor vom Post-Expeditionsgehilfen zum Post-Expediteur und somit zum Leiter der Postexpedition II. Klasse in Garz auf Rügen bestellt worden.


 
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