Der Frieden von Brest-Litowsk - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Der Frieden von Brest-Litowsk

Heft-49

 - von Konrad Fischer

Vor 100 Jahren, am Ende des 1. Weltkrieges wurde in Brest-Litowsk zwischen Sowjetrussland und den Mittelmächten (Deutschland, Österreich-Ungarn, Bulgarien, und Türkei) ein Friedensvertrag abgeschlossen.
Vorausgegangen waren seit Dezember 1917 Waffenstillstands-, dann Friedensverhandlungen. Am 3. März 1918 erfolgte die Unterzeichnung des Vertrages.
Damit schied Sowjetrussland als Kriegsteilnehmer aus. Der Hintergrund war, der jungen Sowjetmacht eine lebensnotwendige Atempause zu verschaffen - und Deutschland seine Truppen für eine geplante Frühjahrsoffensive an der Westfront gegen Frankreich frei zu bekommen.

Philatelistisch lassen sich die kriegerischen Ereignisse des 1. Weltkriegs im Bereich der deutschen Ostfront mit den verschiedenen Ausgaben des "Postgebietes Ob. Ost" belegen.

I. Das Postgebiet Ob. Ost (- des Oberbefehlshabers Ost)

Mit der Kriegserklärung Deutschlands an Russland am 1.8.1914 begann der militärische Vormarsch im Osten. Hier waren im Gengensatz zum Westen keine schnellen Geländegewinne
zu verzeichnen. Im Laufe der Kriegshandlungen wurden im Osten Gebiete erobert, die mit ihrer größten Ausdehnung im Herbst 1918 die Territorien der heutigen Staaten Estland, Lettland (früher Livland und Kurland), Litauen, Weißrussland und die Ukraine umfassten.
In diesen eroberten Gebieten wurden die Germania-Marken des Deutschen Reiches mit dem Aufdruck "Postgebiet Ob. Ost." verwendet.






  
 

Einschreibe-Brief vom 23.11.1918
aus WILKOWISCHKI nach EXIN. Das Porto betrug 35 Pfennig, davon 20 Pfennig für die Einschreibe-Gebühr.
Der kleine rote Rahmenstempel ist ein Zensurstempel der Militärpost Königsberg.
 
II. Notausgabe Dorpat

Die Marken mit dem Aufdruck "DORPAT" waren auch nur im Kreis Dorpat, dem heutigen Tartu gültig. Die Sendungen wurden zusätzlich mit einem handschriftlichen Vermerk "Geprüft" mit roter Tinte versehen und erst danach wurde der einzeilige Dorpat-Stempel angebracht.

Für weitergehende Sendungen, wie diese Karte nach Deutschland, erfolgte in Riga (Lettland) eine gebührenfreie Nachfrankatur mit einer Ob.Ost.-Marke und einer weiteren Kontrolle in der Überwachungsstelle Königsberg (siehe Kastenstempel).

III. Notausgabe Libau

Die Verwaltung im lettischen Libau (heute Liepaja), einer Hafenstadt an der Ostsee, ging mit dem 28.12.1918 von der deutschen Militärbehörde auf die Regierung der erst am 18.11.1918 ausgerufenen Republik Lettlands über. Der Postleiter glaubte, die bisher verwendeten Germania-Marken kennzeichnen zu müssen und ließ Marken mit "Libau" überdrucken. Deren Verwendung wurde am 11.1.1919 untersagt, ohne dass zunächst ihre Verwendung verboten wurde.

Die Karte aus Libau nach Deutschland wurde mit dem Feldpoststempel 168b entwertet.

IV. Landesbotenpost der 10 Armee

Für das von der 10. deutschen Armee besetzte russische Gebiet zwischen Estland und Weißrussland im Norden und der Ukraine im Süden wurde für die Einwohner ein ziviler Postverkehr eingerichtet, der nicht von Armeeangehörigen benutzt werden durfte. Diese Zivilpost mit Stabs-sitz in Minsk wurde vom Armee-Oberkommando am 19.7.1918 eingerichtet und nach dem Frieden von Brest-Litowsk mit der jeweiligen Gebietsräumung wieder eingestellt.
Dafür war eine Landesgebühr von 30 Pfennig für Postkarten und 60 Pfennig für Briefe zu entrichten; dazu kam eine Reichsgebühr von 10 Pfennig für die Karte und 20 Pfennig für den Brief. Während es für die Landesgebühr spezielle Marken gab war für die Reichsgebühr die Verwendung von normalen Germania-Marken vorgeschrieben.

Brief vom 1.10.1918 aus Minsk, der vorschriftsmäßig mit zwei 30 Pfennig Landesgebühren-Marken (die in russischer Sprache gedruckt waren) und zwei 10 Pfennig Germania-Marken für die Reichsgebühr frankiert wurde.

V. Ergebnisse des Friedensvertrages von Brest-Litowsk

Russland verlor durch diesen Vertrag 26% des damaligen europäischen Territoriums, 27% des anbaufähigen Landes, 26% des Eisenbahnnetzes, 33%der Textil- und 73% der Eisenindustrie sowie 73% der Kohlegruben. Alle abzutretenden Gebiete umfassten 1,42 Millionen Quadrat-kilometer, auf denen rund 60 Millionen Menschen - mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung des einstigen russischen Reiches lebten.
Lenin sprach deshalb vom "Schandfrieden von Brest-Litowsk", musste jedoch notgedrungen zustimmen.
Auch die Hoffnung der Mittelmächte, mit dem Frieden im Osten eine Entscheidung im Westen herbeiführen zu können, erfüllte sich nicht.
Mit der Unterzeichnung des Waffenstillstands am 11.11.1918 in einem Eisenbahnwaggon bei Compiegne zwischen dem Deutschen Reich und den Staaten der Entente wurde der Friedensvertrag von Brest-Litowsk annulliert.

Literatur: Meyers Neues Lexikon, Band 2
Wikipedia

 
 
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