Paketzettel im Deutsch-Österreichischen Postverein - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Paketzettel im Deutsch-Österreichischen Postverein

Heft-49

- von Dr. Hans-Werner Meiners, Angermünde

Bis vor einigen Jahren waren die Paketzettel auf den Paketbegleitbriefen der altdeutschen Staaten ein wenig beachtetes Beiwerk. Der im letzten Jahr verstorbene Prof. Wigand Bruns aus Aachen widmete viele Artikel in den Rundbriefen des DASV (Deutscher Altbriefsammler-Verein) diesem Thema, die dann im Jahr 2002 in dem Buch „Altdeutschland – Fahrpostbriefe 1824 - 1874“ [1] zusammengefasst wurden.
In diesem Artikel soll exemplarisch eine Auswahl von Paketzetteln (besser Paketzettel-Abschnitten) einiger altdeutscher Staaten dargestellt werden.

Königreich Preußen

Mit Abschluss der Verhandlungen zum Deutsch-Österreichischen Postvertrag 1849 wurden in Preußen ab 1850 Paketzettel zur deutlicheren und einheitlichen Kennzeichnung von zusammengehörigen Paketen und Paketbegleitbriefen flächendeckend eingeführt. Flächendeckend deswegen, weil es in größeren Orten wie Berlin, anscheinend schon vorher Versuche mit diesen Aufkleber gegeben haben muss [2]. Für das Paket war der größere Teil des Aufklebers (mit großer laufender Nummer und der Ortsbezeichnung des Aufgabeortes) und für den Begleitbrief der kleinere Teilabschnitt (bis 1858 nur die laufende Nummer) vorgesehen. Diese Nummer wurde in der Zeit bis etwa 1860 in aller Regel auf der Rückseite des Begleitbriefes verklebt, wie die folgende Abbildung eines Begleitbriefes aus dem Jahr 1852 zeigt.



Der Begleitbrief für eine 30 Loth schwere kleine Kiste aus Schroda nach Breslau stammt vom 5. Juli 1852. Für das Paket war die Mindestgebühr (doppelte Briefgebühr) von 4 Silbergroschen zu entrichten. Das wurde durch die Verwendung einer 3-Silbergroschen-Ganzsache und eine 1-Silbergroschen-Marke erreicht. Auf der Rückseite des Briefes ist der kleinere Abschnitt des Paketzettels zu sehen. Anscheinend ist beim Transport des Paketbegleitbriefes die Versiegelung aufgesprungen; die Postbeamten in Breslau mussten den Ganzsachen-Umschlag mit dem Dienstsiegel erneut verschließen.

Woher weiß man eigentlich, wie der andere Abschnitt des Paketzettels ausgesehen hat? Dieser war doch in aller Regel auf der Verpackung des Pakets oder direkt auf einer Kiste verklebt. Erstere wurde normalerweise weggeworfen und die Kiste wurde anderweitig verwendet. Es gibt Begleitbriefe (die zum Teil sehr selten sind), bei denen das verschickte Paket so klein war, dass sich auf diesem der größere Abschnitt nicht verklebt werden konnte. Ein Beispiel hierfür zeigt ein Begleitbrief aus Magdeburg (ex Sammlung Prof. Bruns) zu einem Paket nach Hettstedt vom 4.Mai 1858. Für dieses sehr kleine Paket im Gewicht von 2 Loth wurde eine Gebühr von 2 Silbergroschen verlangt, die durch Verkleben eines Paars einer 1-Silbergroschen-Marke gezahlt wurde. Interessant am großen Paketzettel-Abschnitt, der auf der Rückseite des Begleitbriefes aufgeklebt wurde, ist die in der unteren rechten Ecke erkennbare Formularnummer C. 29. Diese Formularnummer kann nur auf einem von 24 Paketzetteln je Druckbogen vorkommen. Da die Verwendung des großen Abschnitts auf dem Begleitbrief sehr selten ist, ist ein Abschnitt mit dieser Formularnummer deutlich seltener, vielleicht sogar einzigartig. Auf der Briefvorderseite fällt außerdem noch ein großes „B“ neben der Gewichts-Notiz auf. Dieses kennzeichnet das Paket als Beutelstück, d.h. das Paket wurde wegen seiner geringen Größe in einem Beutel versandt.


Bis zum Abschluss des 2.Nachtrags des Postvereinsvertrages 1858 wurden in Preußen Pakete mit deklariertem Wert und somit auch die dazugehörigen Begleitbriefe nicht mit Paketzetteln gekennzeichnet. Erst ab dieser gibt es auch Paketzettel mit der zusätzlichen Kennzeichnung "W" (für Wert).
Ab 1859 wurde auch auf den kleineren Abschnitten der Herkunftsort abgedruckt. Beispiel hierfür der folgende Begleitbrief. Bei diesem ist auch die Besonderheit zu vermerken, dass es möglich war, zu einem Begleitbrief mehrere Pakete aufzugeben. Der Paketbegleitbrief aus Treptow an der Rega nach Angermünde von 23.April 1864 wurde für die übrigens kostenlose Beförderung von (da königliche Justizsache) 4 Paketen verwendet.

Die zur Zeit der preußischen Postverwaltung hergestellten Paketzettel wurden dann im Sinne preußischer Sparsamkeit auch noch von der Norddeutschen Postverwaltung und später von der Reichspostverwaltung aufgebraucht.

Großherzogtum Baden

Auch das Großherzogtum Baden hat nach seinem Beitritt zum Deutsch-Österreichischen Postverein ab 1856 mit der Verwendung von Paketzetteln begonnen. Mit der Einführung des Taxquadratsystems im Deutsch-Österreichischen Postgebiet ab 1858 hat Baden dann zusätzlich auf dem kleinen Teil des Paketzettels neben der Nummer und dem Aufgabeort auch die Nummer des Taxquadrates des Aufgabeortes abgedruckt.
Da es auf die Dauer recht umständlich war, für jede einzelne Postanstalt die Luftlinien-Entfernung zu den vielen weiteren Postanstalten des Deutsch-Österreichischen Postgebietes in Tabellen festzulegen, hat man im Jahr 1858 das Taxquadratsystem eingeführt. Dabei wurde in einer Karte ein Netz mit einem Linien-Abstand von 2 Meilen gezeichnet. Zu Bestimmung der Entfernung wurden jetzt einfach die senkrechten und waagerechten Kästchen zum Bestimmungsort ausgezählt, diese jeweils quadriert und aus der Quadratwurzel der Summe der Quadrate dann die zur Berechnung der Gebühr notwendige Entfernung bestimmt.

Ein Beispiel für einen Begleitbrief aus Baden zeigt der nachfolgende Beleg. Es handelt sich um einen Begleitbrief von Weinheim (Taxquadrat 641) nach Sobernheim in Preußen vom 27.Juni 1864. Die Gebühr für dieses Paket musste vom Empfänger bezahlt werden. Es waren entsprechend der Gebühr nach Entfernung und Gewicht 6 Silbergroschen zu entrichten.


Herzogtum Braunschweig


Das Herzogtum Braunschweig trat 1852 dem Deutsch-Österreichischen Postverein bei. Ab 1856 wurden dann auch bei der braunschweigischen Post Paketzettel zur einheitlichen Kennzeichnung der zusammengehörigen Pakete und Begleitbriefe eingesetzt. Interessanterweise wurden diese in blauer Farbe ausgeführt, wie der vorstehende Begleitbrief von Seesen nach Braunschweig zeigt.

Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz

Das Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz trat 1850 dem Deutsch-Österreichischen Postverein bei. Da es sich bei Fragen der Postverwaltung häufig an die preußischen Regelungen hielt, ist es nicht verwunderlich, dass nahezu zum gleichen Zeitpunkt wie auch Preußen in Mecklenburg-Strelitz Paketzettel verwendet worden sind. Begleitbriefe mit Paketzetteln aus Mecklenburg-Strelitz sind in Anbetracht der geringen Zahl der Postanstalten (11) und der niedrigen Einwohnerzahl (79.000) nicht sehr häufig. Insgesamt sind bislang nur etwa 40 Paketbegleitbriefe aus Mecklenburg-Strelitz bekannt. Der folgende Begleitbrief aus Neustrelitz nach Leipzig aus dem Jahr 1863 weist einen Paketzettel auf, der durchaus mit den preußischen Paketzettel vergleichbar ist. Auch bei diesem Brief musste der Empfänger die Gebühr von 6 Silber- bzw. Neugroschen bezahlen, wie die blaue Notiz „6“ ausweist. Nach Wigand Bruns existieren nur 8 Belege mit dieser Type des Paketzettels.


Königreich Sachsen




Sachsen hat recht frühzeitig Paketzettel eingeführt. Bereits ab 1853 gab es solche Paketzettel. Wie der vorhergehende Begleitbrief zu einem Paket aus Dresden nach Angermünde aus dem Jahr 1857 zeigt, waren diese allerdings im Gegensatz zu den preußischen Zetteln in Grün gehalten.


Literatur: 
(1) Wigand Bruns, Altdeutschland – Fahrpostbriefe 1824 – 1874, 2002
(2) Wigand Bruns, Neuentdeckungen zu den preußischen Paketaufgabezetteln, DASV Rundbrief 444, Dezember 1999


 
 
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