Auf den Spuren der Geschichte - ein Besuch in Wildenbruch anno 2018 - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Auf den Spuren der Geschichte - ein Besuch in Wildenbruch anno 2018

Heft-50

- von Wolfgang Ehrhardt

Wer sich etwas mit der Geschichte unserer Heimat beschäftigt, dem ist sicher schon einmal der Name “Herrschaft Schwedt-Wildenbruch“ begegnet – doch was hat es damit für eine Bewandtnis? Wildenbruch war eine um 1380 erbaute Burg der Johanniter. Etwa 50 km südlich von Stettin entfernt und nahe der Städte Greifenhagen und Königsberg/Nm. In Pommen gelegen, diente sie dem Orden bis zur Reformation als Komturei (Verwaltungsbezirk).


Als Pommern nach dem Westfälischen Frieden an Brandenburg gekommen war, er-warb Kurfürstin Dorothea die inzwischen säkularisierte Komturei mit dem Ort Wilden-bruch und einigen dazugehörenden Dörfern und vereinte sie mit dem Amt Schwedt-Vierraden zur Herrschaft Schwedt-Wildenbruch.



Von Dorotheas erbte bekanntlich ihr Sohn Philipp Wilhelm die Herrschaft Schwedt-Wildenbruch und wurde deren erster Markgraf. Besonders aber dessen Sohn Friedrich Wilhelm, der tolle Markgraf, liebte Wildenbruch mit seinen ausgedehnten Wäldern, in denen er nach Herzenslust jagen konnte und dort 1771 sogar starb.
Mit dem Tod des Markgrafen Friedrich Heinrich 1788 fiel Wildenbruch mit der Herrschaft Schwedt an das preußische Königshaus zurück.
Fortan wurde die Anlage als ein Domänengut und beliebter Ausflugsort genutzt.

Am 3. Februar 1945 erreichte die Rote Armee den Ort, am 22. Juni kamen die ersten Polen, woraufhin am 26. Juni die letzten Deutschen den nun Swobnica genannten Ort verlassen mussten.
Die polnische Verwaltung übernahm einen völlig intakten Schlosskomplex, der zunächst für Wohnungen und ab 1948 als Bestandteil eines Landwirtschaftsbetriebs genutzt wurde. Das Schloss selbst diente als Verwaltungs- und Bürogebäude.
Am 31. März 1957 wurde das Ensemble von Szczecin (Stettin) aus unter Denkmalschutz gestellt. Man war sich also schon früh seiner hohen Bedeutung als Kulturdenkmal bewusst.
In den 1960er Jahren begann der endgültige Niedergang des Schlosses. Zeitweilig noch als Getreidelager genutzt, folgte bald der Leerstand und damit der Verfall…
Zwar fanden sich immer mehr polnischer und deutscher Interessenten, dieses wertvolle und geschichtsträchtige Kulturdenkmal zu erhalten – aber der Besitzer verweigerte sich allen Bemühungen.
Von 1992 bis 2011 befand sich das Schloss im Besitz eines privaten holländischen Investors, der jedoch keine Sanierung begann. Weil 2008 der nördliche Seitenflügel einstürzte, gründete sich 2009 in Polen und ein Jahr später in Berlin ein Förderverein zum Erhalt des Schlosses; was jedoch auch nicht viel bewirkte..
2011 übernahm die benachbarte Gemeinde Banie (Bahn) das Objekt und stoppte mit der Sanierung des Daches zunächst den rasanten Verfall der letzten Jahre. Zusammen mit dem Berliner Förderverein beteiligten sich im vergangenen Jahr auch einige Mitglieder des Schwedter Museums-Fördervereins “Otto Borriss“ um ihren Vorsitzenden Eckhard Bendig, an einem Arbeitseinsatz zur Sicherung der Ruine.
Gegenwärtig ruhen jedoch die Aktivitäten der Vereine.
Erfreulich ist auf jedem Fall, dass nun in den Sommermonaten das Gelände an den Wochenenden von 9:00 bis 18:00 Uhr besucht werden kann. Der Eintritt beträgt für Einzelpersonen 5 PZN (ca. 1.25 €) und eine Familienkarte kostet 12 PZN (ca. 4 €). Leider kann der Eintritt nur in Zloty gezahlt werden. Die Besucher können dafür den restaurierten Bergfried besteigen, von dem man einen tollen Blick auf die Landschaft Hinterpommerns bzw. der Neumark genießen kann.
Das Schloss selbst ist jedoch wegen seiner Baufälligkeit nicht zugänglich.
Die äußere Schlossfassade von jeweils ca. 50 Meter Länge. ist noch in großen Teilen in ihrer ursprünglichen, unverputzten Gestalt wahrnehmbar.



Auch wenn die Parkanlage völlig verwildert und der nur wenige Schritte entfernte See kaum noch zu sehen ist, war der Besuch im nur rund 30 km von Schwedt entfernten Swobnica sehr interessant und empfehlenswert.


Es ist zu hoffen dass sich weitere Interessenten und Investoren finden, um dieses Objekt zu erhalten.


 
 
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