Die Puschkin-Block-Ausgabe von 1937 auf gewöhnlichem Papier - Falsifikat oder Echtheit? - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Die Puschkin-Block-Ausgabe von 1937 auf gewöhnlichem Papier - Falsifikat oder Echtheit?

Heft-51

 - von Frank Maubach

Für den engagierten Sammler ist es immer ärgerlich, wenn er statt des Originals eine Fälschung erwirbt, die eine vermeintlich seltene Variante einer Ausgabe darstellt. So scheint es auch Sammlern zu gehen, die den Block 1 der Sowjetunion auf gewöhnlichem Papier statt auf Kreidepapier erworben haben. Fälscher machen sich den Ehrgeiz von Sammlern, solch seltene Stücke in ihre Sammlung einzuordnen, zunutze.
Abb. 1: Block auf Kreidepapier
Abb. 2: Block auf gewöhnlichem Papier

Der Block kam im Buchdruck aus Anlass der Allunions-Puschkin-Ausstellung im Februar 1937 auf Kreidepapier in einer Auflagenhöhe von 140.000 Exemplaren heraus. Laut einem Vorbericht des Auktionshauses Auction Galleries Hamburg zur 6. Auktion vom 1.-2. Dezember 2017, in der dieser Block auf gewöhnlichem Papier angeboten wurde, kamen davon nur 3.000 Exemplare heraus. Im Michel-Spezialkatalog Sowjetunion ist der Block auf normalem Papier als Block 1 y gelistet. Eine spezielle Auflagenhöhe ist nicht angegeben.

Der mir hier vorliegende Block auf normalem Papier wurde am 25.11.1996 von Dieter Wassmann als echt attestiert (Attest Nr. 730). In einer der folgenden Auflagen des Michel-Katalogs Osteuropa nahm man ihn auf als Block 1 y.

Russische Kataloge wie der Zagorskij erwähnen diese Papiervariante nicht oder machen wie der Zverev darauf aufmerksam, dass es sich um eine Ganzfälschung aus einem Klischee handelt, die in einem Hochdruckverfahren, der Buchdruck ist ein solches Druckverfahren, wahrscheinlich 1939 in Europa hergestellt wurde. Zudem warnt der Zverev vor verschiedenen Zertifikaten, die die Echtheit der Fälschung belegen sollen [1]. Die Herstellung des Falsifikats mit Hilfe des gleichen Verfahrens macht es unter Umständen kompliziert, es als solches zu erkennen.

Dennoch gibt es bei genauerer Betrachtung Unterschiede zwischen Original und Falsifikat. Die Linien sind im Original wesentlich feiner ausgearbeitet als bei der Fälschung. Als Beispiel sei hier die „9“ in der Jahreszahl unten genannt. Während im Original die Linien und Rundungen klar ausgearbeitet sind, erscheinen sie auf gewöhnlichem Papier unruhig.

gewöhnliches Papier       Kreidepapier

Das innere Oval auf gewöhnlichem Papier hat unten einen „Wurmfortsatz“, die linke Seite des Ovals ist unruhig. Während das äußere Oval auf Kreidepapier gleichmäßig verläuft ist beim Block auf gewöhnlichem Papier oben links ist eine „Delle“ zu sehen. Die Linien rechts überschneiden sich und haben nicht die gleiche Strichstärke wie im Original.

Es gibt weitere Unterschiede zwischen den Blocks. Die Linien auf der rechten Seite unter dem Jackenaufschlag sind im Original sauber gearbeitet, auf dem Normalpapier erscheinen sie unruhig mit vielen Einsprengseln.


gewöhnliches Papier                   Kreidepapier

In einem Telefongespräch mit Dr. Wolfgang Leupold, Mitglied des Verbandes Österreichischer Briefmarkenprüfer und Mitglied der Expertenkommission des Ukrai-nischen Philatelistenverbandes, machte er mir gegenüber deutlich, dass die Markenbilder ein und derselben Ausgabe auf unterschiedlichen Papieren nicht voneinander abweichen, wenn sie echt sind. Das ist bei Block 1x und Block 1y nicht der Fall. Dr. Leupold ist überzeugt davon, dass es sich hier um ein Falsifikat handelt. Es gibt, wie an den beiden Beispielen gezeigt wurde, erhebliche Abweichungen zwischen der Druckqualität auf beiden Papiersorten.

Interessant ist bei beiden Varianten, dass sich die Maße der einzelnen Elemente des Blocks, wie der Namenszug oben, die Größe und der Abstand der eingearbeiteten Klischees der Markenausgabe und der untere Schriftzug mit den Jahreszahlen, kaum unterscheiden. Es handelt sich um Abweichungen im Bruchteil von einem Millimeter. Entscheidend für das Urteil, dass es sich hier tatsächlich um ein Falsifikat handelt, sind meines Erachtens die von Dr. Leupold bemerkten Unregelmäßigkeiten beim Druck auf gewöhnlichem Papier.

Literatur:
[1] А.В. Зверев: КАТАЛОГ ПОЧТОВЫХ МАРОК, Москва 2018, S. 277 


 
 
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