Heinrich Theodor Fontane (30.12.1819 – 20.09.1898) - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Heinrich Theodor Fontane (30.12.1819 – 20.09.1898)

Heft-52

- von Wolfgang Ehrhardt

Theodor Fontane war ein deutscher Schriftsteller und bedeutender Vertreter des Realismus.
Er gilt als literarischer Spiegel Preußens.

In Neuruppin geboren, erlernte er wie sein Vater den Beruf eines Apothekers, der ihn zu Anstellungen unter anderen auch nach Leipzig und Dresden führte, wo er Kontakte zu literarischen Kreisen fand und begann, kleinere Novellen und politische Texte für die radikal-demokratische Dresdner Zeitung zu schreiben.

1849 entschloss er sich, seinen erlernten Beruf aufzugeben und als freier Schriftsteller zu leben. In diesem Jahr wurde auch sein erstes Buch veröffentlicht: „Männer und Helden. Acht Preußenlieder“.

850 heiratete er seine Emilie, mit der er nach Berlin zog. Dort trat er in die Redaktion der konservativ-reaktionären “Neuen Preußischen Zeitung“ ein, zu deren Gründern auch Otto von Bismarck gehört hatte und blieb dort bis 1870 beschäftigt. Nach einer ersten Reise 1852 wurde er im Auftrag des preußischen Ministerpräsidenten von 1855 bis 1859 als deutsch-englischer Korrespondent nach London gesandt, um dort die preußische Außen-Politik zu popularisieren.

Nach dem Ende seine Tätigkeit in London wieder zuhause in Berlin, fand er jedoch keine redaktionelle Anstellung mehr und widmete sich nun der Reiseliteratur, die damals sehr beliebt war. Fontane begann, Artikeln über seine Heimatstadt Neuruppin zu schreiben, die dann 1861 zusammengefasst in dem Buch “Die Grafschaft Ruppin“ erschien.

Auch begann er wieder als Journalist für Zeitungen zu schreiben, was ihn zu zahlreichen Reisen veranlasste. So ging er 1864 nach Kopenhagen und berichtete über den Deutsch-Dänischen Krieg. 1870 besuchte er den Kriegsschauplatz Paris, um über den Deutsch-Französischen Krieg zu schreiben. Dabei wurde er in Frankreich versehentlich als preußischer Spion verhaftet, jedoch nach einer persönlichen Intervention Bismarcks wieder freigelassen. Seine Erlebnisse schilderte er in dem Buch “Kriegsgefangen. Erlebtes 1870“.

Zwischen 1874 und 1876 unternahm er gemeinsam mit seiner Frau Reisen nach Österreich, Italien und in die Schweiz. Danach beschloss er, künftig nicht mehr für Zeitungen zu schreiben, sondern wieder als freier Schriftsteller leben.

Das “Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ sind das umfangreichste und zugleich bedeutendste Werk Theodor Fontanes. Er beschreibt darin Schlösser, Klöster, Orte und Landschaften der Mark Brandenburg, ihre Bewohner und ihre Geschichte. Zwischen 1862 und 1889 erschienen, ist das Werk Ausdruck eines gewachsenen preußischen Nationalbewusstseins und der Romantik. Die Eindrücke und historischen Erkenntnisse, die Fontane während der Arbeit an den „Wanderungen“ gewann, bildeten auch die Grundlage für seine späteren großen Romane wie Effi Briest oder Der Stechlin.

Die Idee zu den “Wanderungen“ kam Fontane während seiner Schottland-Reise im Sommer 1858. Der Anblick der alter schottischen Burgen und Schlösser rief bei ihm ein wehmütiges Bild seiner Heimat hervor und er schrieb: “ … so viel hat die Mark Brandenburg auch…“ Er entschloss sich “aus Liebe und Anhänglichkeit an die Heimat“, die Kostbarkeiten der Landschaft und Kultur in Zukunft zu Hause zu suchen und durchwanderte zwischen 1859 und 1889 dreißig Jahre lang die Mark Brandenburg.
“Ich bin die Mark durchzogen und habe sie reicher gefunden, als ich zu hoffen gewagt hatte. Jeder Fußbreit Erde belebte sich und gab Gestalten heraus […] wohin das Auge fiel, alles trug den breiten historischen Stempel.“

Quellen des gefundenen “Reichtums“ waren für Fontane Beobachtungen und Erlebnisse sowie Gespräche mit Angehörigen aller Schichten auf seinen Wanderungen. Er vertiefte sich in alte Briefe, Memoiren, Monografien, Sagen, Legenden sowie Romane und trieb gründliche Studien zur Geschichte von Dörfern, Kleinstädten, Klöstern, Adelsfamilien, Rittergeschlechtern oder Landschaften. Er sichtete Familienarchive, und unzählige alte Kirchenbücher.



 
 
 
 
 
  
 
 
Fontane war ein echter literarischer Spiegel Preußens und wird deshalb auch philatelistisch geehrt. Mehrmals wurde Theodor Fontane auf Berliner Briefmarken, Sonderstempeln und Ersttagsbriefen geehrt.

Obwohl Theodor Fontane nur bis zu seinem 7. Lebensjahr in Neuruppin lebte, hinterließ er mit “Die Grafschaft Ruppin“ seinem Geburtsort ein ewiges Andenken - und die Stadt dankt es ihm heute auf vielfältige Weise.









Auf dem FDC zum Tag der Alphabetisierung wurde neben anderen bedeutenden deutschen Poeten auch Theodor Fontane abgebildet.
Mit seinem Hauptwerk den “Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ erlangte Fontane bleibenden Ruhm. Es erschien in fünf Teilen:
1. 1862: Die Grafschaft Ruppin (Überarbeitungen 1865, 1875, 1883, 1892, 1896)
2. 1863: Das Oderland (1868, 1880, 1889, 1892)
3. 1873: Havelland (1880, 1889, 1892)
4. 1882: Spreeland (1886, 1892)
5. 1889: Fünf Schlösser (eher “Fünf Herrensitze“ laut Fontanes Vorwort)

Im Teil “Das Oderbruch“ beschrieb Fontane eine Dampferfahrt auf der Oder, bei der er am 25. Juni 1862 Schwedt passierte:
“Der Fluß, bis dahin im wesentlichen in einem Bette fließend, fängt an, ein Netz von Kanälen durch die Landschaft zu ziehen; hierhin, dorthin windet sich der Dampfer, aber plötzlich tauchen in dem malerischen Wirrsal weiße Giebelwände, von Türmen und hohen Linden überragt, aus dem Landschaftsbilde auf. Noch eine Biegung und das übliche Hoi ho, das immer laut wird, wenn das Schiff sich einer Landungsstelle nähert, läßt sich aufs neue vernehmen. Eine alte Holzbrücke, mit hunderten von Menschen besetzt, sperrt uns den Weg; ein Fangseil fliegt über unsere Köpfe weg, dem Brückengeländer zu; der Dampfer legt an. Ein Drängen, ein Grüßen, dazwischen das Läuten der Glocke. Vom linken Ufer her aber wirft ein weitläufiger Bau, in Bäumen und Laubgängen halb versteckt, sein Spiegelbild in den Fluß. Es ist das alte Markgrafenschloß. Wir sind in Schwedt.“



 
 
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