Steckfehler bei preußischen Stempeln - Schwedter Briefmarkensammler-Verein

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Steckfehler bei preußischen Stempeln

Heft-52

 - von Dr. Hans-Werner Meiners, Angermünde

Bei den alten preußischen Stempeln wurden die Tages- und Monatsangaben, aber auch die Stundenangaben bei den Ortsstempeln mittels vorhandener Ziffern-Typen in passende Öffnungen des Stempels gesteckt. Auch eventuelle Trennzeichen mussten eingepasst werden. In späteren Jahren kam dann auch die Jahresangabe hinzu.

Dabei kam es immer wieder zu interessanten Fehlern. Beim dem Einkreisstempel von Preußen aus den 1830iger Jahren, die aufgrund ihrer Größe auch als „Fingerhutstempel“ bekannt waren, war nur die Ortsangabe fest. Die Tages- und die Monatsangabe mussten in vorhandene Öffnungen gesteckt werden. Bei dem abgebildeten Stempel von Altlandsberg (Abb. 1) wurden am 23.6 die Ziffern im Vergleich zum 17.6 kopfstehend eingefügt.




 Abb. 1: Einkreisstempel von Altlandsberg (links mit den korrekt eingefügten Ziffern,rechts kopfstehend)
 
Bei den Zweikreisstempeln Preußens, die Ende der 1830ziger Jahre eingeführt und bis in die Briefmarkenzeit verwendet wurden, gab es auch nur eine Tages- und Monatsangabe. Die Besonderheit bei diesem Stempel war, dass es besondere Zifferneinsätze für die Tagesangabe gab. Unter der Ziffer für den Tag befand sich ein Querstrich, mit dem im Stempelbild eine Trennung von Tag und Monat bewirkt wurde. Wie die zwei folgenden Stempel aus Angermünde in Abb. 2 zeigen, kam es durchaus vor, dass die Tagesziffer als Monatsziffer verwendet wurde.



 Abb. 2: Zweikreisstempel von Angermünde (links mit dem korrekten Einsatz von Tag und Monatsziffern, rechts wurde die Tagesziffer als Monatsangabe verwendet)
Wahrscheinlich gingen die Ziffern auch verloren, so dass man in späterer Zeit dann auf die Ziffern mit dem Trennstrich verzichtete. Ein weiteres Beispiel für Steckfehler ist in Abb. 3 zu sehen. Bei diesem Insinuationsdokument (Zustellurkunde) wurde zunächst ein Stempel mit der Tagesziffer 7 (mit Unterstrich) und ohne Monatsangabe abgeschlagen. Anschließend wurde die korrekte Tagesziffer 21 (mit Unterstrich) und die Monatsziffer 7 verwendet.

Abb. 3: Insinuationsdokument aus Wierzyce mit zwei verschiedenen Aufgabestempeln (unten der korrekte Stempel vom 21.7.(1851), oben der Steckfehler mit der 7

Neben den Einsätzen für die Tages- und Monatsangabe waren auch Einsätze für die Uhrzeit bzw. für Einsätze, die anstelle einer Uhrzeitangabe verwendet wurden. In der Anfangszeit der Bahnpost waren bei verschiedenen Bahnhofspostanstalten Einsätze üblich, bei denen eine Ziffer die Aufgabe eines Briefes bis zur nächsten Abfahrt eines Zuges dokumentierten. So auch bei der Bahnhofspostanstalt in Neustadt-Eberswalde. Die nächsten Abbildungen zeigen, die Steckeinsätze in unterschiedlicher Reihenfolge gesetzt werden konnten.



 Abb. 4: Dreizeiliger Langstempel von Neustadt-Eberswalde, bei dem einmal die No. III vor dem Datum und einmal hinter dem Datum gesteckt worden ist
 
Als letztes noch ein spezielles Beispiel für einen Rechteckstempel. Bei diesen waren sowohl der Tag und der Monat sowie die Uhrzeiten als Einsätze zu stecken. Außerdem gab es wohl auch noch Einsätze für den schrägen Trennstrich zwischen Tag und Monat. Es muss aber auch noch nichtdruckende Einsätze gegeben haben, die zu Befestigung der druckenden Teile benötigt worden sind. Doch was tun, wenn so ein Einsatz verloren ging? Man nahm einen vorhandenen anderen Einsatz. So geschehen in Berlin Anfang 1851. Der auf dem folgenden Brief abgeschlagene Aufgabestempel weist hinter dem die Tages-/Monatsangabe und die Uhrzeit trennenden Stern noch einen schrägen Trennstrich auf.



Abb. 5: Der zweizeilige Rechteckstempel von Berlin weist nach dem Stern einen unnötigen schrägen Teilstrich auf, 
der dem besseren Halt des nachfolgenden Uhrzeiteinsatzes diente

 
 
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